Zusammenfassung

  • Transcribe Bentham stellte Handschriften neben ein Eingabefeld und bot Schaltflächen für Zusätze, Streichungen, Randnotizen und unsichere Lesarten.
  • Freiwillige entzifferten und kennzeichneten die Texte; Projektredakteure prüften sie, bevor genehmigte Transkriptionen mit den Bildern in das UCL-Repositorium gelangten.

Zu Weihnachten 2011 blieb der digitale Schreibtisch geöffnet. Die Menschen dahinter hatten Urlaub. In einer Mitteilung vom 16. Dezember kündigte Transcribe Bentham an, dass die Website über die Feiertage erreichbar sei, das Personal aber vom 21. Dezember bis zum 9. Januar abwesend. Eingereichte Arbeiten würden nach der Rückkehr geprüft; Fragen sollten nach Möglichkeit beantwortet werden. Der Server durfte durcharbeiten. Die Redaktion führte einen anderen Kalender.

Dieser Unterschied passte zu einer Aufgabe, die viel genauer war, als ihr Name zunächst vermuten ließ. Seit September 2010 konnten Freiwillige Handschriften von Jeremy Bentham online übertragen. Dabei sollten selbst Wörter erhalten bleiben, die der Philosoph durchgestrichen hatte. Ein verworfener Gedanke bekam noch einmal einen ordentlichen Datensatz.

Das ursprüngliche Konzeptpapier von Martin Moyle, Justin Tonra und Valerie Wallace zeigt rechts das Manuskript und links das Eingabefeld. Eine Zoomfunktion half bei der Betrachtung einzelner Stellen. Die Auswahl war nach Thema, Zeit und Schwierigkeit geordnet. Bei manchen Schriftproben scheint schon die Einstufung als mittelschwer eine freundliche Geste gewesen zu sein.

Die Werkzeugleiste bot Kennzeichnungen für Ergänzungen, Streichungen, Randnotizen, ungewöhnliche Schreibweisen, unleserliche Passagen und unsichere Lesarten. Per Knopfdruck ließen sich XML-Markierungen nach dem Text Encoding Initiative-Format einfügen. Damit reiste eine Information über den Zustand eines Wortes mit in den digitalen Text.

Für die Forschung ist ein gestrichener Satz etwas anderes als ein hinzugefügter. Werden beide zu einem glatten Absatz zusammengezogen, kann ein späterer Leser eine verworfene Formulierung für eine fertige Aussage halten. Die Markierung bewahrte eine Handlung des Autors. Abtippen wurde zur Beschreibung eines Schreibprozesses.

Die Schaltfläche lieferte dafür das Zeichen, die Leserin oder der Leser die Deutung. Das Konzeptpapier benannte die Kosten offen: Detaillierte Auszeichnung erhöhte den wissenschaftlichen Nutzwert und die Schwierigkeit für Anfänger. Fachkundige Kontrolle beanspruchte Arbeitszeit. Eine zu hohe Einstiegshürde konnte Interessierte vertreiben, bevor ein brauchbarer Beitrag entstanden war.

Die 2012 veröffentlichte Untersuchung des Projektteams beschreibt die erste Testphase vom 8. September 2010 bis zum 8. März 2011. Freiwillige bearbeiteten 1.009 Manuskripte. Sieben regelmäßige Mitwirkende hatten an 709 davon gearbeitet, also an ungefähr 70 Prozent. Darunter waren auch Texte, die noch verbessert werden mussten. Die viel beschworene Menge hatte eine ziemlich kleine Werkbank.

Unfertige Arbeit brauchte einen auffindbaren Platz. Ende Januar 2011 kam eine Kategorie für unvollständige Blätter hinzu, die weitere Bearbeitung benötigten. Regelmäßige Helfer regten außerdem Schriftproben und eine Liste teilweise übertragener Manuskripte an. Wer an einem Wort hängen blieb, konnte dem nächsten Bearbeiter einen Anfang hinterlassen.

Danach übernahm ein Projektredakteur die Prüfung. Das Konzept sah vor, genehmigte Transkriptionen zusammen mit dem jeweiligen Manuskriptbild im digitalen UCL-Repositorium zugänglich zu machen und aufzubewahren. Leser konnten so zur Vorlage zurückkehren. Die Texte unterstützten außerdem die eigenständige wissenschaftliche Arbeit an Bentham-Ausgaben.

Das Netz verteilte diese genaue Lektüre weit über den Lesesaal hinaus. Die Weihnachtsmitteilung zeigte, wo sie wieder zusammenlief: bei Menschen, die eine eingesandte Lesart tatsächlich prüfen mussten.