Zusammenfassung

  • BSCPLC unterscheidet im Jahresbericht zwischen Auslegung, ausgerüsteter Kapazität und Verkehrsrichtung. Diese Angaben erklären mehr als die oft zitierte Gesamtsumme von 7.200 Gbit/s.
  • Die Zeitungsberichte stammen aus unterschiedlichen Jahren und Monaten. Auch die Zahlen für SMW6 sind datierte Ausbauprognosen, keine Bestätigung bereits lieferbarer Leistung.

Die aufschlussreichste Zahl in BSCPLCs Kapazitätsdebatte ist nicht die größte. Es sind die mehr als 95 Prozent: So viel des über SMW5 abgewickelten Verkehrs aus dem Inland ging laut Jahresbericht nach Osten, Richtung Singapur. Zugleich beschrieb das Unternehmen ungenutzte Konsortialkapazität auf westlichen Abschnitten zwischen Sri Lanka und Frankreich beziehungsweise Italien.

Damit bekommt die Frage nach freier Bandbreite einen zweiten Teil. Frei ist sie wo — und für welches Ziel? Ein verfügbarer Anteil auf einem westlichen Kabelabschnitt beantwortet noch nicht, welche zusätzliche Verbindung nach Singapur ein Kunde bestellen kann. Dafür müsste das Angebot die gesamte gewünschte Strecke abdecken.

Das klingt selbstverständlich. In einer Debatte über Tausende Gigabit pro Sekunde geht diese Unterscheidung dennoch leicht verloren.

Was die eigenen Unterlagen hergeben

Der Jahresbericht 2024–25 ist öffentlich zugänglich. Er nennt die Stationen Jhilongja in Cox’s Bazar und Alipur in Kuakata, Patuakhali. BSCPLC übernahm 2008 die Vermögenswerte am ersten Standort und die Mitgliedschaft im SMW4-Konsortium. SMW5 erreichte Kuakata im Dezember 2016; die kommerzielle Einweihung folgte am 10. September 2017.

Auch bei den Kapazitäten schweigt der Bericht keineswegs. Die Geschäftsleitung nennt für SMW4 nach dem Ausbau eine letztlich erreichbare Kapazität von rund 4.650 Gbit/s. Bei SMW5 trennt sie 2.570 Gbit/s Auslegungskapazität von 2.200 Gbit/s ausgerüsteter Kapazität. Letztere verteilen sich auf 2.100 Gbit/s nach Singapur und 100 Gbit/s nach Frankreich.

Die Addition von 4.650 und 2.570 ergibt 7.220 Gbit/s. Sie misst keinen aktuellen Datenverkehr. Wer die Summe als momentane Übertragungsleistung liest, wechselt unbemerkt die Bedeutung des Begriffs. Umgekehrt wäre es falsch, zu behaupten, das Unternehmen veröffentliche überhaupt keine Unterscheidung zwischen Auslegung und ausgerüsteter Kapazität.

Die Angaben stehen in der Darstellung der Geschäftsleitung. Dass sie Teil eines Jahresberichts sind, macht sie noch nicht zu einer für diesen Artikel unabhängig geprüften Verkehrsmessung. Ihr Wert liegt zunächst darin, die Größen und Richtungen sichtbar zu machen.

Elf Monate verschwinden nicht durch Umrechnen

Eine weitere Unterscheidung ist noch einfacher: das Datum. Der Bericht des The Daily Star erschien am 18. Oktober 2025 und wurde am folgenden Tag aktualisiert. Er nannte 7.200 Gbit/s Gesamtkapazität, 4.200 Gbit/s Nutzung und 3.000 Gbit/s Reserve.

Die Mitteilung des Ministeriums vom 12. Mai 2026, veröffentlicht am 13. Mai, gab bei ebenfalls 7.200 Gbit/s insgesamt 4.100 Gbit/s bereitgestellte und 3.100 Gbit/s freie Kapazität an. Daneben führte sie Werte für die einzelnen Systeme auf. Diese lassen sich nicht vollständig mit dem Gesamtbild in Einklang bringen; eine eigene Erklärung dafür wäre Spekulation.

Am 4. September 2026 berichtete der Dhaka Tribune wiederum von 7.200 Gbit/s insgesamt, 4.000 Gbit/s Nutzung und 3.200 Gbit/s Reserve. Zwischen den beiden Zeitungsartikeln liegen fast elf Monate, nicht wenige Minuten. Die abweichenden Aufteilungen lassen sich deshalb weder als bloße Rundungen derselben Mitteilung behandeln noch allein als Beleg für falsche Angaben verwenden.

Für einen Vergleich müssen Datum und Definition erhalten bleiben. Erst dann lässt sich fragen, ob sich die Nutzung verändert hat oder ob verschieden abgegrenzte Größen nebeneinanderstehen. Die Quellen liefern dazu keine lückenlos vergleichbare Messreihe.

Der nächste Ausbau ist noch keine Lieferung

SMW6 verspricht eine deutlich größere Größenordnung. Doch auch hier wandern Zahlen und Termine mit dem Stand der Planung. Der Jahresbericht schilderte eine Routenänderung im Zusammenhang mit dem Roten Meer, einschließlich eines Landabschnitts über Bahrain und Saudi-Arabien, sowie Folgen für Kosten und Zeitplan. Damals war das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

Im Mai 2026 nannte das Ministerium Anfang 2027 und je 15.000 Gbit/s nach Singapur und Mumbai. Damit sollte die aggregierte Kapazität des staatlichen Unternehmens auf etwa 38.000 Gbit/s steigen. Der Septemberbericht sprach dagegen von 34.000 Gbit/s zusätzlich und insgesamt rund 41.000 Gbit/s, ebenfalls für 2027.

Diese Prognosen darf man nicht zu einer einzigen scheinbar präzisen Zusage zusammensetzen. Eine höhere Zahl in einer späteren Meldung ist auch kein Inbetriebnahmenachweis. Für eine heute benötigte Verbindung zählt, was auf der gewünschten Strecke tatsächlich angeboten und geliefert werden kann.

Dasselbe gilt für die Marktstruktur. BSCPLC ist nicht mit Bangladeschs gesamter internationaler Anbindung gleichzusetzen. Der Jahresbericht beschreibt Konkurrenz durch internationale terrestrische Kabelbetreiber, die ITCs, und beziffert den eigenen Marktanteil für den Berichtszeitraum auf ungefähr 50 Prozent. Das ist eine Unternehmensangabe, keine aktuelle unabhängige Marktvermessung. Sie widerspricht aber der pauschalen Behauptung, jede internationale Verbindung müsse über BSCPLC laufen.

Auch eine offizielle Tarifseite ist vorhanden. Konkrete Preise wurden bei dieser Prüfung nicht erfasst. Ein Preisvergleich lässt sich daraus nicht ableiten — die Behauptung, es gebe keine veröffentlichten Tarifunterlagen, ebenso wenig.

Zwei Landestationen sind schließlich ein greifbarer Teil der Infrastruktur, aber kein vollständiger Nachweis unabhängiger Wege bis zum Kunden. Dafür wären die konkreten Strecken und Verträge zu prüfen. Der sinnvolle nächste Schritt führt deshalb weg von der nationalen Summe und hin zum einzelnen Angebot: Ziel, Übergabe, verfügbare Leistung und Liefertermin. Erst dort wird aus einer freien Kapazität eine nutzbare Verbindung.

Korrektur vom 22. Oktober 2026: Diese Fassung berichtigt die Datierung der Zeitungsartikel und die Aussage, einschlägige öffentliche Unterlagen fehlten. Nicht belegte Schlussfolgerungen zu einem Monopol auf sämtliche internationalen Verbindungen, vergleichenden Kosten und Unternehmensmotiven wurden zurückgenommen. Die SMW6-Zahlen sind Prognosen, keine Bestätigung bereits verfügbarer Kapazität. Die ursprüngliche Adresse und das Veröffentlichungsdatum bleiben erhalten.