Summary

  • Red Hat unterzeichnete am 29. September 2004 einen Vertrag über Netscape Directory Server, Certificate Management System und weitere Sicherheitswerte. Ein späterer Quartalsbericht nennt den 7. Dezember als Vollzugstag: 20,5 Millionen Dollar in bar, zuzüglich möglicher 2,5 Millionen Dollar abhängig von Kundenaufträgen.
  • Software und bestimmte Betriebswerte wechselten den Besitzer; Patente und Marken von Netscape und AOL blieben bei den Verkäufern und wurden gesondert lizenziert. Im Juni 2005 meldete Red Hat GPL-Code für den Directory Server und ein Jahresabonnement. Die Freigabe weiterer erworbener Technik lag noch vor dem Unternehmen.

Die Pressemitteilung war schneller als das Produkt. Am 30. September 2004 erklärte Red Hat, mit AOL den Erwerb von Vermögenswerten der Netscape Security Solutions vereinbart zu haben. Genannt wurden der Directory Server für Benutzerprofile, Gruppen, Richtlinien und Zugriffsregeln sowie das Certificate Management System für digitale Zertifikate. Die Vermarktung sollte innerhalb von sechs bis zwölf Monaten beginnen. Wer solche Software betreibt, braucht mehr als einen geplanten Termin: Rechte, Wartung und eine auslieferbare Fassung.

Der Kaufvertrag vom 29. September behandelte das Paket als technische Arbeitsgrundlage. Abschnitt 1.2 erfasste geistiges Eigentum in ausgelieferten Kundenprodukten und weiteres ausschließlich für den Sicherheitsbereich genutztes Eigentum, mit ausdrücklich benannten Ausnahmen. Zum Softwarebegriff gehörten Quell- und Maschinencode, Build-Skripte, Fehlerberichte, Testpläne, Übersetzungen und Handbücher. Ein Verzeichnisserver lässt sich nur dann zuverlässig fortführen, wenn der neue Betreiber ihn auch bauen, prüfen und reparieren kann.

Abschnitt 1.3 zog die nächste Grenze. Patent- und Markenrechte von Netscape und AOL gehörten nicht zu den verkauften Vermögenswerten. Für beide waren gesonderte Lizenzen vorgesehen. Der Name auf einem Produkt und der Code in ihm mussten also nicht denselben Eigentümer bekommen. Zugleich ließen die Lizenzen eine geregelte Nutzung zu. Red Hat kaufte festgelegte Teile des Sicherheitsgeschäfts, keine pauschale Verfügungsgewalt über alles, was Netscape hieß.

Auch die Zeitachse musste entwirrt werden. Im September wurde die verbindliche Vereinbarung verkündet. Laut Red Hats späterem Quartalsbericht wurde der Kauf am 7. Dezember 2004 für 20,5 Millionen Dollar in bar abgeschlossen. Bis zu 2,5 Millionen Dollar zusätzlich hingen von bestimmten Kundenbestellungen bis zum 30. April 2005 ab. Die Produktmeldung aus dem Folgejahr sprach verkürzt von einem Erwerb im September; der Finanzbericht nennt den Vollzugstag. Eine Vertragsunterschrift und der Übergang des Geschäfts waren getrennte Ereignisse.

Am 1. Juni 2005 präsentierte Red Hat den Directory Server in neuer Form. Der zuvor proprietäre Quellcode sei nun als Open Source unter der GPL verfügbar. Dazu kam ein Fedora Directory Server als Gemeinschaftsprojekt. Für Unternehmen beschrieb Red Hat ein Jahresabonnement mit Wartung, Support und Upgrades; der Kauf sollte Mitte Juni möglich werden. Offener Code erlaubte Prüfung und Weiterentwicklung. Eine bezahlte Zusage zur Pflege eines laufenden Systems blieb ein eigenes Geschäft.

Beim zweiten genannten Produkt war der Stand anders. Derselbe Text kündigte an, weitere von AOL und Netscape erworbene Technologien in den kommenden Monaten zu öffnen. Das Certificate Management System stand zwar im Vertragspaket von 2004. Der Juni-Beleg machte aber nur die Veröffentlichung des Verzeichnisserver-Codes greifbar. Ein Administrator durfte für die übrigen Komponenten nicht einfach dieselbe Verfügbarkeit annehmen. Dafür brauchte jede ihren eigenen Veröffentlichungsnachweis.

Red Hats erste Mitteilung sagte, AOL nutze den Directory Server selbst im Unternehmen. Ein Verzeichnis hält Konten, Gruppen und Berechtigungen bereit, auf die Anwendungen zugreifen. Mit dem Eigentümerwechsel musste deshalb die Fähigkeit zum Betrieb mitwandern: technische Unterlagen, Nutzungsrechte und Menschen, die Fehler beheben. Der Vertrag schuf den Übergang. Der offene Quellcode und das Supportmodell gaben einem Teil davon eine neue Form für Kunden.

Zwei Systeme standen auf der Kaufankündigung. Bis Juni 2005 hatte eines einen öffentlichen GPL-Codebestand und ein beschriebenes Abonnement. Der Weg von der Übernahme zur offenen Infrastruktur verlief in Etappen. Für jeden Baustein zählte sein eigener Lieferbeleg mehr als die große Überschrift vom Erwerb.

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