Zusammenfassung

  • Der NRO Number Council (zugleich ASO Address Council) veröffentlichte am 28. August 2025 den zweiten Entwurf des Governance-Dokuments als potenziellen Nachfolger von ICP-2 von 2001; er trat nie in Kraft.
  • Der Entwurf verlagerte das Entscheidungszentrum: einstimmige Peer-RIR-Empfehlung ohne das betroffene RIR, Endentscheidung bei ICANN, und eine Überprüfung durch einen von ICANN bestellten Dritten.
  • Die Konsultation vom 28. August bis 7. November 2025 erbrachte 17 Stellungnahmen; Kommentar forderte ein eigenes Rekursverfahren mit festen Fristen und einem unabhängigen Prüfungsgremium.
  • Die NRO-Statusberichte für Q1 und Q2 2026 dokumentieren, dass die Aberkennungsschwellen unverändert blieben und eine Audit-Pflicht von drei Jahren eingeführt wurde.
  • Am 28. Juli 2026 lieferte der ASO AC die Version 3 an den NRO EC; bis zur Annahme durch ICANN und die RIRs bleibt ICP-2 das maßgebliche Instrument.

Die Kernfrage dieses Artikels ist nicht, was im Entwurf steht, sondern wo die Autorität lag und wer das Ergebnis hätte anfechten können. Das Dokument "Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries" (RIR Governance Document Version 2), am 28. August 2025 als DRAFT markiert veröffentlicht (NRO-Projektseite; Entwurfstext), wäre nur durch Annahme durch ICANN und die RIRs ICP-2 vom 4. Juni 2001 abgelöst haben (ICANN-Konsultation).

Nach Abschnitt 2.3(a) erforderte die Anerkennung eines Candidate RIR eine einstimmige Empfehlung aller RIRs vor der Weiterleitung an ICANN; fehlte die Einstimmigkeit, galt der Vorschlag als abgelehnt. Artikel 3.1 definierte sechs Kriterien: regionale Qualifikation, Unterstützung durch Ressourcenhalter, Community-Unterstützung, Fähigkeit gemäß Abschnitt 4.1, keine negative Auswirkung auf das Registry-System und materielle Verbesserung (Entwurf; NRO).

Abschnitt 2.3(a)(v) bot eine Anerkennungsprüfung: war eine Ablehnung fehlerhaft, konnte der Candidate RIR eine Prüfung durch einen von ICANN bestellten qualifizierten unabhängigen Dritten beantragen; erwies sich die Empfehlung eines einzigen abweichenden RIR als fehlerhaft, wurde sie verworfen.

Die Aberkennung nach Abschnitt 2.3(b) konnte von jedem RIR, von mindestens 25 Prozent der Mitglieder des betroffenen RIR oder 2.000 Mitgliedern (je nachdem, was geringer ist) oder von ICANN selbst ausgehen. Die Zustimmung erforderte eine einstimmige Empfehlung aller RIRs außer dem betroffenen – dann entschied ICANN endgültig.

Artikel 6.2 baute eine Rehabilitationsvermutung ein: Nicht-konforme RIRs sollten angemessene Heilungschancen und Unterstützung erhalten; die Aberkennung war ausdrücklich letztes Mittel. Artikel 6.3 regelte die Folgen: Übergabe der Dienste an einen Nachfolger oder einen Emergency Operator, Ende der Anerkennung, Ausschluss aus dem NRO.

Für Betroffene bedeutete Abschnitt 2.3(c)(ii): Rekurs nach den "damals geltenden" ICANN-Verfahren. Die Zusammenfassung der ICANN-Konsultation vom 12. Dezember 2025 zeichnet ein kritisches Bild der Community (Zusammenfassung): Kommentar forderte ein dediziertes Rekursverfahren mit definierten Fristen, Beweisrechten und einem unabhängigen Prüfungsgremium. Der Entwurf versprach keines.

Die Q1- und Q2-Statusberichte (Q2 am 7. Mai 2026 unterzeichnet) dokumentieren die Selbstkorrektur (Q1; Q2): keine Änderung der Aberkennungsschwellen – bewusst hoch als letztes Mittel –, Audits jedes RIRs mindestens alle drei Jahre, und Arbeiten an Rehabilitation als ausdrücklicher Schritt.

Am 28. Juli 2026 endete Version 2 als Arbeitsdokument: der ASO AC lieferte die empfohlene Version 3 an den NRO EC, die Zwei-Drittel-Schwelle (ohne das betroffene RIR) ersetzte die Einstimmigkeit. Rechtsverbindlich bleibt das alte Regime: ICP-2, bis ICANN und die RIRs eine endgültige Version annehmen (NRO; ICANN).