Zusammenfassung
- OCLC berichtete 2005, dass fast jede achte Mitteilung über das Comments-Formular eine bibliothekarische Auskunftsfrage war.
- Der im Juni gestartete Pilot führte zu Formularen nahe gelegener Bibliotheken; bei QuestionPoint gingen Anfragen in die bestehende Ask-Warteschlange ein.
Ein Kommentarfeld kann sich seinen Beruf offenbar nicht aussuchen. Bei Open WorldCat nahmen Leser die freie Fläche zum Anlass, Fragen zu ihrer Recherche zu stellen. Die Beschriftung „Comments“ hielt sie davon kaum ab.
Die Pilotbroschüre von OCLC aus dem Jahr 2005 nennt den Umfang: Fast jede achte dort eingegangene Mitteilung war eine Auskunftsfrage. Vor dem neuen Pilotangebot kamen Antworten von der 24/7 Reference Cooperative und dem Information Center von OCLC. Hinter dem vermeintlichen Rückmeldekanal steckte bereits ein Stück Bibliotheksbetrieb.
Der Weg führte aus der Suche ins Regal
Open WorldCat machte Bibliotheksbestände dort sichtbar, wo Menschen ohnehin suchten. Im OCLC-Newsletter von Ende 2004 steht, dass eine Auswahl gekürzter Katalogeinträge seit 2003 über Google und anschließend Yahoo auffindbar geworden war. Die Links führten zu Bibliothekskatalogen und Websites. Im November 2004 kam auch Google Scholar als Zugang zu „Find in a Library“ hinzu.
Damit konnte eine gewöhnliche Websuche zu einem Buch in einer nahe gelegenen Bibliothek führen. Nach dem Fund blieb oft ein menschliches Bedürfnis übrig: weiterfragen. Ein Katalogeintrag liefert Angaben zum Werk; ein Gespräch über die Recherche braucht einen anderen Empfänger.
Dafür gab es schon ein Netz. Library of Congress meldete im Juni 2002 die Veröffentlichung von QuestionPoint, gemeinsam mit OCLC entwickelt. Leser stellten ihre Fragen über die Website ihrer Bibliothek. Beschäftigte vor Ort beantworteten sie oder leiteten sie an eine andere beteiligte Einrichtung weiter. Die Bibliotheken abonnierten den Dienst, für Leser war er kostenlos.
Das Fragezeichen bekam eine Anschrift
Der Pilot Open WorldCat Reference Services begann am 20. Juni 2005. Der Ablauf war handfest: Nach dem Einstieg über die Suche eines Partners gab der Nutzer eine Postleitzahl oder eine andere geografische Kennung ein. Es erschienen Bibliotheken in der Nähe, die das gesuchte Werk besaßen. Wer Onlineauskunft anbot, erhielt ein Fragezeichen-Symbol.
Ein Klick öffnete das Formular der Bibliothek oder ein Standardformular. Bei QuestionPoint-Bibliotheken landete die Anfrage in der vorhandenen Ask-Warteschlange, genau wie eine Anfrage von der eigenen Website. Einrichtungen mit anderen Auskunftssystemen nutzten die von ihnen angegebenen Links.
Diese Warteschlange ist der unscheinbare Hauptdarsteller. Für den Leser entstand ein neuer Zugang, für das Personal blieb der Eingangskorb vertraut. Die Besucher mussten den Internetweg zur Auskunft nicht selbst zusammensuchen; die Beschäftigten bekamen einen Auftrag an der gewohnten Stelle.
Die Bibliotheken konnten ihre Teilnahme in den QuestionPoint-Verwaltungseinstellungen steuern. Bei schwierigen Fragen empfahl OCLC das Global Reference Network. Mehr Sichtbarkeit brachte damit eine örtliche Entscheidung über Annahme und Weiterleitung von Arbeit.
Der Versuch sollte zeigen, ob dieser Weg die Nutzung von Onlineauskunft erhöhte. Das erhaltene Blatt dokumentiert Ziel und Aufbau. Schon der Aufbau erklärt eine kleine Veränderung des frühen Webs: Wer eine Bibliothek leichter findet, möchte ihr anschließend auch eine Frage stellen können. Das Kommentarfeld hatte lange genug ausgeholfen.
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