Zusammenfassung
- WebMuseum verteilte seine Dateien über Spiegelserver und machte seine Kontaktadresse über eine Anleitung zugänglich.
- Piochs Hinweise regelten, welche Beiträge er gebrauchen konnte und wie viel Rückmeldung Absender erwarten durften.
Am Ende einer langen Anleitung warteten zwei Bedienelemente: ein Kästchen zum Bestätigen und ein Knopf zum Anzeigen der aktuellen E-Mail-Adresse. Wer Nicolas Pioch eine Nachricht über das WebMuseum schicken wollte, sollte erst erklären, die Hinweise gelesen und verstanden zu haben.
Die Kunst kam frei ins Haus. Vor dem Postfach stand ein kleiner Lesetest.
Die Beitragsseite mit Datum vom 9. Juli 2007 beschreibt das Verfahren ausdrücklich: Häkchen setzen, Anzeige anfordern; JavaScript musste im Browser eingeschaltet sein. Im erhaltenen HTML stehen tatsächlich ein Kontrollkästchen und ein Absende-Knopf. Das Formular bringt den Leser an das Ende der Anleitung, bevor es ihm den nächsten Schritt anbietet.
Die Adresse war schon zweimal umgezogen
Pioch erklärte den Aufwand mit Spam. Zwischen 1996 und 2002 hatte er Hinweise auf seine Adresse aus dem Web entfernt. Im August 2002 stellte er eine neue bereit, im August 2006 wechselte er erneut. Diese letzte Adresse sollte das Formular anzeigen.
Seine Warnung vor einer Weitergabe ging bis ins Detail: Auch private Mailinglisten waren ungeeignet, weil deren Archive im Web landen konnten. Eine vertraulich gedachte Weiterleitung konnte den Kontakt damit wieder in eine öffentlich einsammelbare Adresse verwandeln.
Deshalb sollten Leser anderen die Beitragsseite nennen. Bei der nächsten Änderung ließ sich dort ein neuer Kontakt bereitstellen, während bereits verbreitete Verweise weiterhin zum richtigen Wegweiser führten.
Eine Bitte zu Michelangelo
Weiter oben auf derselben Seite steht ein Beispiel vom 8. August 2002: die Bitte um zusätzliche Informationen zu Michelangelo Buonarroti. Pioch ordnete solche Nachrichten als Hausaufgabenpost ein. Allgemeine Kunstfragen sollten Museen, Auskunftsdienste oder passende Diskussionsgruppen übernehmen. Auch die Bestimmung und Schätzung eines Dachbodenfunds wollte er nicht leisten.
Dagegen suchte er sehr gezielt Hilfe beim eigenen Bestand: Tippfehler, schwache Erklärungen, sicher erkannte falsche Zuschreibungen und unidiomatisches Englisch. Französisch sei seine Muttersprache, erläuterte er. Jemand konnte der Ausstellung also bereits mit einem besseren englischen Satz helfen. Bilder und Biografien waren ebenfalls willkommen.
Für Nachrichten hinter den Spamfiltern versprach Pioch, sie zu lesen. Er wollte sich bemühen, das Postfach wenigstens monatlich abzurufen. Individuelle Antworten würden meist ausbleiben: Seine Freizeit sollte vor allem dem Ausbau der Ausstellung zugutekommen.
Kopien von Rio bis Singapur
Diese Freizeit war lange gebunden. Laut Projektbeschreibung arbeitete Pioch seit Mitte März 1994 nachts und am Wochenende am WebMuseum. Die Seite warb mit ganzjährigem Zugang rund um die Uhr.
Für den Abruf gab es eine konkrete Arbeitsteilung. Die Netzwerkseite vom 1. August 2006 führte etwa PUC-Rio, National University of Singapore und Universidad de Guadalajara auf. Besucher sollten einen nahen Spiegel wählen, um möglichst schneller an die Dateien zu gelangen. ibiblio war als Hauptstandort genannt; für vollständige Kopien stand anonymes rsync bereit.
So führte die Website zwei praktische Wege vor: einen zur passenden Kopie der Ausstellung und einen zur Person, die Hinweise zur Ausstellung entgegennehmen wollte. Bei der Datei half die Wahl des Servers. Beim Brief half es, die Anleitung tatsächlich zu lesen.
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