Zusammenfassung
- Die Kapazität der in Nordamerika im Bau befindlichen Rechenzentren erreichte im ersten Halbjahr 2026 den Rekordwert von 7.481,1 MW und lag damit 24,8 % höher als ein Jahr zuvor
- Cerv zufolge können grundlegende Probleme wie Wasserlecks, blockierte Lufteinlässe und Öffnungen, durch die Schädlinge eindringen können, teuer werden, sobald die Technik in einer Anlage in Betrieb ist
Die Fakten
Die Kapazität der in Nordamerika im Bau befindlichen Rechenzentren erreichte im ersten Halbjahr 2026 laut CBRE den Rekordwert von 7.481,1 MW und lag damit 24,8 % höher als ein Jahr zuvor. Vor dem Hintergrund dieses schnellen Ausbaus sagte Kade Thomas, Geschäftsführer von Cerv Property Solutions, gegenüber Facilities Dive, dass einige neue Rechenzentren mit vermeidbaren Wartungsproblemen in Betrieb gehen.
Thomas nannte defekte Bewässerungsrohre, durch Staub verstopfte Ansaugfilter, überwucherte Grünanlagen und Öffnungen, durch die Nagetiere in Gebäude gelangen können. Das in Texas ansässige Unternehmen Cerv bietet für Gewerbe- und Industrieimmobilien einschließlich Rechenzentren Reinigung, Landschaftspflege, Schädlingsbekämpfung und die Instandhaltung von Außenbereichen an. Seine Aussagen geben die Erfahrungen des Unternehmens wieder und belegen nicht, dass solche Probleme branchenweit zunehmen.
Separate Schadendaten von Allianz Commercial zeigen, warum vergleichsweise alltägliche Gebäudemängel teuer werden können. Die Analyse von 221 Schadenfällen in Rechenzentren ergab, dass Wasserschäden die häufigste Ursache waren, während Brände mehr als die Hälfte der gesamten Schadenhöhe ausmachten.
Die Einordnung
Die Herausforderung bei einem schnellen Ausbau besteht nicht nur darin, den Bau abzuschließen. Entscheidend ist, sicherzustellen, dass das Team, das den Standort übernimmt, weiß, was gebaut wurde, was regelmäßig geprüft werden muss und wer verantwortlich ist, wenn etwas schiefgeht.
Ein undichtes Rohr oder eine Öffnung im Dach kann in einem anderen Gebäude ein alltäglicher Gebäudemangel sein. In einem Rechenzentrum kann derselbe Mangel Verkabelung, elektrische Anlagen oder Kühltechnik gefährden, sobald die Technik in den Geräteschränken in Betrieb ist. Deshalb ist die Übergabe vom Bau an den Betrieb mehr als ein administrativer Schritt: Wartungsabläufe, Standortunterlagen und Zuständigkeiten der Dienstleister müssen feststehen, bevor im Rechenzentrum kritische Rechenlasten verarbeitet werden.
Die vorliegenden Belege zeigen nicht, dass ein schnellerer Ausbau branchenweit mehr Ausfälle verursacht. Für die Leserinnen und Leser von BTW lautet die praktische Frage, ob die betrieblichen Vorbereitungen mit dem Ausbau Schritt halten. Probleme, die sich vor der Eröffnung eines Standorts kostengünstig beheben lassen, können deutlich größere Störungen verursachen, sobald Kunden auf den Standort angewiesen sind.
Worauf zu achten ist
Zu beobachten ist, ob neue Rechenzentrumsstandorte bereits vor Betriebsbeginn über Gebäudetechnikpersonal, Wartungsdienstleister und festgelegte Prüfabläufe verfügen. Versicherungsdaten zu Wasserschäden, Ausfällen der Kühlung und Betriebsunterbrechungen werden klarere Hinweise darauf geben, ob diese Probleme häufiger werden, wenn neue Kapazitäten in Rekordhöhe vom Bau in den Betrieb übergehen.
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