Zusammenfassung

  • Yahoo schloss die Übernahme von broadcast.com am 20. Juli 1999 ab und tauschte rund 28,647 Millionen eigene Aktien gegen sämtliche ausstehenden Aktien des Unternehmens. Die spätere Angabe von 57,294 Millionen ist um einen Aktiensplit bereinigt.
  • Die Jahresberichte für 1999 und 2000 nennen etwa 3.600 beziehungsweise 4.150 übertragene Ereignisse. Der Umsatz der Geschäftsdienste stieg von 56,4 auf 105,7 Millionen Dollar; darin steckten neben Übertragungen auch Hosting und weitere Angebote.
  • Yahoo verteilte weder Umsatzkosten noch Betriebskosten auf dieses Segment. Die Übertragungen sind gezählt, die separate Rentabilität des übernommenen Dienstes ist nicht ausgewiesen.

Der Kauf und seine zwei Aktienzahlen

Die bekannte Erzählung von broadcast.com kreist um eine gewaltige Bewertung. Die Originalunterlagen sagen genauer, was geschah. Yahoo übernahm das Unternehmen am 20. Juli 1999, gab ungefähr 28,647 Millionen eigene Aktien aus und wandelte dessen Aktienoptionen in Yahoo-Optionen um. Die Übernahme wurde als Zusammenführung von Anteilsinteressen verbucht. In späteren Abschlüssen erschienen frühere Ergebnisse so, als hätten beide Firmen bereits zusammengehört. Der Abschluss der Transaktion und die rückwirkend zusammengeführten Zahlen beschreiben verschiedene Vorgänge.

Im Jahresbericht 1999 stehen 57,294 Millionen Aktien. Nach einem Split im Verhältnis zwei zu eins wurde dieselbe Transaktion in neuen Aktieneinheiten dargestellt. Die zuvor erwarteten rund 22,1 Millionen Dollar einmaliger Übernahmekosten wurden im Jahresbericht mit etwa 20 Millionen tatsächlichen Kosten beziffert. Das sind Aufwendungen für die Transaktion, kein Kaufpreis in bar und keine laufenden Ausgaben für die Übertragung von Veranstaltungen.

Yahoo wollte Ton und Video über sein Portal verbreiten und Live- sowie Abrufveranstaltungen an Firmen verkaufen. Ein Programm für das breite Publikum und eine Übertragung für einen Unternehmenskunden konnten dieselbe technische Grundlage nutzen. Inhalt, Produktionsaufwand und Verkauf unterschieden sich dennoch. Das Portal brachte Reichweite und Platzierung; broadcast.com brachte Streaming und ein Geschäft mit Veranstaltungen.

Eine wachsende Zahl mit wechselndem Rand

Yahoo meldete 1999 ungefähr 742 Ereignisse für 1997, 1.800 für 1998 und 3.600 für 1999. Im Bericht für 2000 waren es etwa 4.150. Der letzte Sprung beträgt rund 550. Die Zahl belegt geleistete Übertragungen. Sie enthält weder die Erlöse pro Auftrag noch die Kosten für Kamera, Rechte, Netzwerk und Personal.

Der Umsatz der Geschäftsdienste stieg zwischen 1999 und 2000 von 56,4 auf 105,7 Millionen Dollar. Hier ist die Abgrenzung entscheidend. Yahoo fasste Live- und Abrufübertragungen mit abonnementbasiertem Hosting zusammen; 2000 kam Corporate Yahoo! hinzu. Das Unternehmen bezeichnete Yahoo Store als wichtigsten Teil des Hostingumsatzes und den Umsatz von Corporate Yahoo! für 2000 als noch unbedeutend. Die 105,7 Millionen sind also kein isolierter broadcast.com-Umsatz. Wer sie durch 4.150 teilt, belastet jede Veranstaltung auch mit den Einnahmen aus gehosteten Shops.

Die Konzernkosten enthielten durchaus Ausgaben für Veranstaltungsproduktion, Internetanschlüsse, Inhalte, Anlagen und Beschäftigte. Yahoo schrieb aber, es teile Umsatzkosten und Betriebskosten dem Segment für Geschäftsdienste nicht zu, weil das Management dessen Leistung nicht anhand einer solchen Zuteilung maß. Es gab Kosten; es gab nur keine veröffentlichte Segmentrechnung, die sie den Einnahmen gegenüberstellte. Aus der wachsenden Menge an Übertragungen folgt deshalb kein Gewinn pro zusätzlicher Veranstaltung.

Ein Zuschauer, ein Datenstrom

Der Bericht für 2000 nennt auch den technischen Kostenhebel. Die mit broadcast.com erworbenen Streamingdienste nutzten ursprünglich Unicast: Für jeden Nutzer wurde ein eigener Datenstrom vom Unternehmen aus gesendet. Yahoo hatte begonnen, Multicast einzusetzen, bei dem mehrere Nutzer von einem Ausgangsstrom profitieren können. Test, Einführung und Skalierung standen noch aus. Das Verfahren der Zustellung entscheidet darüber, wie stark eine wachsende Zuschauerschaft die Netzressourcen beansprucht.

Diese Passage ist keine Verlustrechnung. Sie sagt, warum eine Kostenrechnung nötig wäre. Rechte und Produktion fallen neben der technischen Zustellung an. Eine Aufstellung der Umsätze und Kosten des übernommenen Dienstes nach der Integration könnte zeigen, ob zusätzliche Veranstaltungen einen positiven Beitrag brachten. Die veröffentlichten Berichte zeigen den Umbau der Technik, aber keinen eigenen Deckungsbeitrag des Streaminggeschäfts.

Die Bilanzgrenze war eine Entscheidung

Yahoo konnte mehr Programme verteilen, mehr Firmenveranstaltungen verkaufen und höhere Erlöse einer gemischten Dienstesparte melden. Der Konzernabschluss zeigte die Größe des Ganzen. Die eigenständige Ertragskraft von broadcast.com nach der Übernahme zeigte er nicht. Zusammengeführte historische Ergebnisse und die gemeinsame Umsatzrubrik machten es von außen schwerer, den übernommenen Dienst noch als separate wirtschaftliche Einheit zu betrachten.

Das ist keine Lücke, die sich mit einem Taschenrechner schließen ließe. Aktien zählen den Eigentumswechsel, Übernahmekosten die Abwicklung, Veranstaltungen die Arbeit und der Segmentumsatz mehrere Produkte. Für eine Marge müssten Einnahmen und Kosten denselben Geschäftsumfang abdecken. Eine spätere dienstspezifische Erfolgsrechnung würde das Urteil ändern. Die hier veröffentlichten Unterlagen bieten sie nicht.

Der Aktientausch dauerte einen Tag. Rund 550 zusätzliche Veranstaltungen mussten im folgenden Jahr tatsächlich hergestellt und ausgeliefert werden. Yahoo konnte diese Arbeit zählen und einen breiteren Umsatz ausweisen. Die Rechnung, die beides mit den passenden Kosten verbunden hätte, fehlte in der öffentlichen Darstellung. Das ist die weniger berühmte, aber nützlichere Zahlengeschichte der Übernahme.