Summary
- Der Wikimedia-Vorstand bat im Dezember 2007 die FSF, einen Wechsel großer Gemeinschaftswerke von GFDL zu CC BY-SA zu ermöglichen, und versprach eine Beteiligung der Community. GFDL 1.3, Abschnitt 11, erlaubte dem Betreiber eines geeigneten Standorts die erneute Veröffentlichung nur vor dem 1. August 2009.
- Bei der Abstimmung im April und Mai 2009 entfielen 13.242 von 17.462 bestätigten Stimmen auf Ja. Der Vorstand nutzte anschließend die Option mit Wirkung zum 15. Juni. Laut Umsetzungsbericht war die Änderung am 29. Juni auf allen geeigneten Wikis vollzogen.
Das Werk gehörte seinen vielen Stimmen
Wikipedia war ein Gemeinschaftswerk mit Beiträgen aus vielen Jahren. Gerade dieser Erfolg machte den Lizenzwechsel schwierig. Ein anderer Hinweis unter der Seite hätte nicht ausgereicht, um alte Beiträge unter eine zusätzliche Lizenz zu stellen. Wikimedia brauchte eine Berechtigung aus dem Lizenztext, unter dem die Beiträge bereits veröffentlicht worden waren. Alle Autorinnen und Autoren einzeln erneut um Erlaubnis zu bitten, war für eine Enzyklopädie dieser Art keine praktikable Grundlage.
Der Beschluss vom 1. Dezember 2007 richtete deshalb eine Bitte an die Free Software Foundation: Sie solle die GFDL so ändern, dass große kollaborative Projekte zu CC BY-SA wechseln konnten. Vor der endgültigen Entscheidung wollte der Wikimedia-Vorstand diskutieren und abstimmen lassen. Die Formulierung trennte drei Rollen. Die FSF schrieb die Lizenz. Die Mitwirkenden äußerten ihren Willen. Der Betreiber musste das erlaubte Verfahren ausführen.
Am 3. November 2008 veröffentlichte die FSF GFDL 1.3. Abschnitt 11 definierte eine große gemeinschaftliche Website als Server, der urheberrechtlich geschützte Werke veröffentlicht und sichtbar jedem Bearbeitung ermöglicht. Ein öffentliches Wiki war das Beispiel. Der Betreiber durfte ein geeignetes Gemeinschaftswerk auf derselben Website unter CC BY-SA 3.0 erneut veröffentlichen. Das neue Recht hatte ein Verfallsdatum: vor dem 1. August 2009.
Für Material von außerhalb galt zusätzlich eine Schranke. Ein zunächst anderswo unter GFDL veröffentlichtes Werk musste ohne Umschlagtexte und unveränderliche Abschnitte sein und vor dem 1. November 2008 in die Gemeinschaftsarbeit aufgenommen worden sein. Die FSF erklärte, dass diese frühe Grenze eine nachträgliche Einspeisung fremder Werke verhindern sollte. Die August-Frist sollte aus der Ausnahme kein dauerhaftes Umstellungsrecht machen. Der eine Termin bestimmte, was hinein durfte; der andere, wie lange der Betreiber entscheiden konnte.
Eine Mehrheit ist noch keine Lizenzhandlung
Die Abstimmung lief vom 12. April bis 3. Mai 2009. Bestätigt wurden 17.462 Stimmen: 13.242 Ja, 1.829 Nein, 2.391 ohne Meinung. Ja erreichte 75,8 Prozent aller Stimmen; ohne Enthaltungen 87,9 Prozent der Ja-Nein-Stimmen. Beide Werte haben ihren eigenen Nenner. Sie belegten breite Zustimmung, übten aber noch nicht die Betreiberoption aus Abschnitt 11 aus.
Der Wikimedia-Vorstand beschloss im Mai einstimmig, die Möglichkeit zu nutzen; sieben Mitglieder stimmten zu. Der Beschluss setzte den 15. Juni als Wirksamkeitsdatum und beauftragte die Geschäftsführung, die Bedingungen anzupassen. Der Umsetzungsbericht nennt den 29. Juni als Stand, an dem die Änderung auf allen geeigneten Wikis umgesetzt war. Das Votum, die rechtlich bedeutsame Entscheidung und die sichtbaren Bedingungen des Dienstes hatten jeweils eine eigene Etappe.
Für Texte wurde CC BY-SA zur Hauptlizenz, die GFDL blieb als zweite Lizenz bestehen. Neue Beiträge ausschließlich unter GFDL wurden nicht mehr akzeptiert. Bei geeigneten Mediendateien lief die Umstellung laut derselben Seite noch. Das Datum für die Wikis darf also nicht zur Behauptung werden, jedes Bild sei bereits mitgezogen worden.
Wikimedia kam durch die Tür, bevor sie zufiel. Eine Lizenzgeberin schuf das Verfahren, die Beteiligten stimmten darüber ab, der Vorstand entschied und der Dienst setzte die Regeln um. Wikipedia konnte jeden Tag neue Sätze aufnehmen. Für die Rechte, mit denen diese Sätze weiterreisen konnten, brauchte es einen Kalender.
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