Zusammenfassung
- Die 2002 beschriebene Umsetzung holte nachts Seitennamen benachbarter Wikis und verknüpfte gleichnamige Themen.
- Ein lokaler Zwischenhalt ließ Leser zwischen anderen Seiten wählen und Autoren eine eigene Seite anlegen.
Die Nachbarn hatten bereits etwas zum Thema geschrieben. Das war erfreulich. Der eigene Bearbeiten-Knopf durfte trotzdem bleiben. Mit dieser freundlichen Arbeitsteilung verbanden Wiki Sister Sites verschiedene Schreibgemeinschaften: Man konnte hinüberlesen und anschließend am eigenen Tisch anfangen.
Ward Cunningham beschrieb in seinen Implementierungshinweisen vom September 2002 eine nächtliche Runde um 1.15 Uhr. Ein Programm holte die Listen der Seitennamen von benachbarten Wikis. Der Betreiber sollte deren Namen verfolgen, gleichnamige Seiten kenntlich machen und auch einen Namen verlinken, der nur bei einer Schwester vorhanden war. Die Texte blieben jeweils an ihrem Entstehungsort.
Für die fremden Namen legte die Umsetzung leere Dateien an. Hinzu kamen Angaben zum Aufbau der Zieladresse und ein Symbol für das Nachbarwiki. Viel Gepäck brauchte diese Reisegesellschaft also kaum. Mit einer gültigen neuen Liste ließen sich hinzugekommene Namen aufnehmen und weggefallene entfernen.
Die entscheidende Abbiegung lag im Link. Selbst ein ausschließlich auswärts vorhandener Name führte zunächst auf das lokale Wiki. Cunningham behielt diesen Zwischenhalt, damit ein Autor hier eine eigene Seite gleichen Namens beginnen konnte. Hatten mehrere Schwestern passende Seiten, entschied der Leser, welche er zuerst besuchte. Eine leere Seite bot damit erstaunlich gute Gesellschaft.
Nur musste man die Gäste auch bemerken. Die abgebildete Seite zu Extreme Programming zeigt ein Symbol zum anderen Wiki und eine Edit-Schaltfläche für den lokalen Anfang. In einer früheren Fassung hatte die übliche Aufforderung, die leere Seite zu füllen, von den dezenten Schwesterverweisen abgelenkt. Die lauteste Anweisung auf dem Bildschirm hatte das Gespräch an sich gerissen.
Die 2003 archivierte Übersicht verwies Besucher ausdrücklich auf die Symbole am unteren Seitenrand. Dahinter lag eine ausgewählte Nachbarschaft. Die Diskussion über das Verfahren schreibt den Vorschlag Steven Black zu. Cunningham erklärte dort, die damals aufgenommenen Schwestern seien mit seiner Beteiligung aus dem Wiki hervorgegangen; für andere Auswahlregeln sei er offen. Ihn interessierten Gemeinschaften, deren gemeinsame Begriffe zu nützlichen Begegnungen führen konnten.
Der Nachtbetrieb brauchte Pflege. Neue Namen konnten nach der letzten Abfrage entstanden sein, Listen unvollständig oder Namensregeln verschieden. Unerreichbare Server und Fehler in der lokalen Abfrage waren weitere Gründe für ausbleibende Links. Das abgedruckte Ladeprogramm warnte bei einer leeren gültigen Namensliste und kehrte vor der Aktualisierung zurück. Die alten Namen blieben dadurch liegen. Fehlermeldungen der geplanten Aufgabe konnten den Betreiber per E-Mail erreichen; bei anhaltenden Problemen war der Kollege auf der anderen Seite gefragt.
Hinter dem kleinen Symbol steckten somit ein Zeitplan, eine Kontaktadresse und eine Auswahlentscheidung. Für die Leser sah es angenehm schlicht aus: drüben weiterlesen oder hier selbst beginnen. Die Nachbarschaft hatte bereits einen Text. Das eigene Blatt musste sich deshalb noch lange keinen anderen Beruf suchen.
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