• SoftBank und Sceye testeten Mobilfunkdienste über eine HAPS-Plattform, die mehr als 15.000 km von New Mexico nach Japan zurücklegte und länger als sieben Tage im japanischen Luftraum betrieben wurde
  • Die Plattform verband handelsübliche Smartphones über das Netz von SoftBank und führte für einen Edge-Computing-Test zudem ein mobiles Kernnetz an Bord mit

Die Fakten

SoftBank und das US-Luft- und Raumfahrtunternehmen Sceye haben in Japan einen HAPS-Kommunikationstest abgeschlossen. Der japanische Betreiber arbeitet auf einen kommerziellen Dienst ab 2027 hin. Die leichter-als-Luft-Höhenplattform von Sceye legte in 13 Tagen mehr als 15.000 km von New Mexico nach Japan zurück und wurde anschließend länger als sieben Tage im kontrollierten japanischen Luftraum betrieben.

Während des Tests nahe Kap Muroto in der Präfektur Kochi verband eine Mobilfunkbasisstation an Bord der Plattform handelsübliche Smartphones über ein Bodengateway mit dem Kernnetz von SoftBank. SoftBank testete Sprachanrufe, Textnachrichten, Notrufe, Videostreaming und Videoanrufe. Die Plattform kommunizierte außerdem mit Drohnen. Nach Angaben von Sceye operierte das Luftfahrzeug in rund 16,5 km Höhe und hielt seine Position zeitweise trotz wechselnder Bedingungen in der Stratosphäre innerhalb eines Radius von etwa 5 km.

SoftBank installierte für einen Edge-Computing-Test außerdem ein mobiles Kernnetz und einen Webserver an Bord der Plattform. Nach Angaben des Unternehmens konnte der Datenverkehr der Smartphones dadurch direkt auf der HAPS-Plattform verarbeitet werden, ohne das terrestrische Netz zu durchlaufen. SoftBank bezeichnete dies nach eigener Prüfung öffentlich verfügbarer Informationen als Weltpremiere.

Die Einordnung

Der Test ist relevant, weil er mehrere Bestandteile eines HAPS-Dienstes in einer einzigen Mission zusammenführte. Das Luftfahrzeug flog von den USA nach Japan, hielt seine Position über einem festgelegten Gebiet, verband handelsübliche Smartphones und leitete deren Datenverkehr in das Mobilfunknetz von SoftBank weiter. Dies ist ein anspruchsvollerer Test als der bloße Nachweis, dass sich ein Telefon mit einer Basisstation in der Stratosphäre verbinden kann.

SoftBank hat jedoch nicht gezeigt, ob sich der Dienst kontinuierlich betreiben lässt. Bei einem kommerziellen HAPS-Netz müssten die Luftfahrzeuge über lange Zeiträume ihre Position halten, während Funkverbindung, Bodengateways und Kernnetzfunktionen stabil bleiben. SoftBank hat weder die für Nutzer verfügbare Kapazität noch die erwartete Dienstverfügbarkeit oder die Kosten für die dauerhafte Bereitstellung dieser Abdeckung offengelegt.

Für die Leser von BTW besteht die entscheidende Lücke nun zwischen einem erfolgreichen Flug und einem verlässlichen Netzdienst. SoftBank hat gezeigt, dass die einzelnen Komponenten zusammenarbeiten können. Wiederholte Missionen, längere Positionshaltezeiten sowie veröffentlichte Kapazitäts- und Verfügbarkeitswerte werden zeigen, ob dies zuverlässig genug für eine kommerzielle Nutzung gelingt.

Worauf zu achten ist

Zu beobachten ist, ob SoftBank ab 2027 kommerzielle HAPS-Dienste aufnimmt und welchem Zweck die erste Bereitstellung dient. Betriebsdauer, Abdeckungsgebiet, verfügbare Kapazität und die Zahl der für einen dauerhaften Dienst erforderlichen Plattformen werden entscheidend sein. Angaben zu Bodengateways und Netzintegration würden zudem erkennen lassen, wie viel terrestrische Infrastruktur weiterhin erforderlich ist.