Zusammenfassung
- Der neue Vertrag in Columbus sieht 300 kW gesicherte Nachfrage in Spitzenzeiten und 11.000 kW außerhalb der Spitzenzeit vor; die vertragliche Höchstlast beträgt 11 MW.
- 300 kW sind keine absolute Verbrauchsgrenze. PowerCompute zufolge ist Mehrverbrauch gegen Überschreitungsentgelte möglich; derzeit senke das Unternehmen in den Spitzenstunden seine Mining-Last.
- Wenn kein höherer Abrechnungswert aus den vorangegangenen zwölf Monaten greift, ergibt die Tarifformel eine Mindest-Abrechnungsleistung von 3,9 MW außerhalb der Spitze und mindestens 429 MWh Energie pro Monat.
Die 11 MW im Vertrag von PowerCompute für Columbus, Mississippi, gelten nicht zu jeder Stunde als dieselbe gesicherte Leistung. Columbus Light and Water sagt dem Standort 300 kW während der tariflichen Spitzenzeit und 11.000 kW außerhalb dieser Zeit zu. Die Gesamtnachfrage stieg zwar von 8,5 auf 11 MW, doch die Schlagzeile belegt keine 11 MW gesicherte Leistung an jedem Werktag und zu jeder Stunde.
Die Unterscheidung ist für den Geschäftswechsel entscheidend, den das Unternehmen anstrebt. Bitcoin-Miner lassen sich gebündelt herunterfahren, wenn Strom teurer wird oder ein Verkauf der Energie mehr einbringt. PowerCompute erklärt, in Spitzenzeiten Mining-Last abzuschalten. Ein HPC-Kunde kauft dagegen womöglich reservierte GPU-Zeit oder eine bestimmte Verfügbarkeit. Lässt sich die Rechenarbeit nicht verschieben, wird aus dem Tarifzeitfenster eine Frage des Serviceversprechens und der Marge. Der Vertrag stützt eine flexible Last; er weist kein durchgehend verfügbares HPC-Produkt mit 11 MW nach.
Die 300-kW-Marke ist kein Verbot, mehr zu verbrauchen. Sie bezeichnet die gesicherte Vertragsnachfrage in der Spitze. Nach Angaben des Unternehmens kann der Standort gegen Mehrbedarfsentgelte zusätzliche Leistung beziehen; die vertragliche Höchstlast liegt bei 11 MW. Das Unternehmen sagt, die gesicherte Spitzenleistung sei mit der Erhöhung der Gesamtmenge unverändert geblieben. Die frühere Stundenaufteilung der 8,5 MW ist nicht veröffentlicht. Deshalb lässt sich nicht feststellen, auf welche Tarifperiode die zusätzlichen 2,5 MW entfallen. (Mitteilung von PowerCompute; eingereichter Vertrag, Anlage 10.1)
Spitzenzeiten folgen dem Kalender
Schedule DCB legt die Spitzenzeit werktags von 13 bis 19 Uhr zwischen April und Oktober fest. Von Januar bis März sowie November und Dezember gilt sie von 4 bis 10 Uhr; alle Zeiten sind Central Time. Wochenenden, der 1. November und bestimmte Bundesfeiertage sind ganztägig außerhalb der Spitzenzeit. Die Tennessee Valley Authority (TVA) kann diese Fenster mit mindestens zwölf Monaten Vorlauf ändern. „Spitze“ ist damit eine Tarifkategorie, kein Echtzeitmaß für die tatsächlichen Systemkosten.
Mining lässt sich an den Kalender anpassen. Die veröffentlichten Unterlagen enthalten jedoch weder die stündliche Lastkurve in Columbus noch Häufigkeit und Erlös der Abschaltungen. Der Vertrag zeigt eine Option, aber nicht deren realisierten wirtschaftlichen Wert. Dass eine GPU in Oklahoma bei Vast.ai den Status „Verified“ erhielt, ist ein frühes HPC-Signal des Unternehmens, kein Nachweis für dauerhaften HPC-Betrieb oder Kunden in Columbus. (GPU-Mitteilung)
Weniger Verbrauch heißt nicht Mindestkosten null
Schedule DCB berechnet eine Mindest-Abrechnungsleistung außerhalb der Spitze: 30 Prozent der ersten 5.000 kW plus 40 Prozent der folgenden 20.000 kW. Maßgeblich ist der höhere Wert aus aktueller Vertragsnachfrage und dem relevanten Spitzenwert der vorangegangenen zwölf Monate. Für 11.000 kW ohne höheren historischen Wert lautet die Rechnung 1.500 plus 2.400, also 3.900 kW. Die Mindestenergiemenge außerhalb der Spitze beträgt 110 Stunden mal Abrechnungsleistung: 429.000 kWh oder 429 MWh im Monat. Das ist eine Rechnung unter der genannten Annahme, keine Aussage über den tatsächlichen Oktoberverbrauch.
Die FY2027-Tabelle nennt 6,084 US-Cent je kWh für Spitzenenergie im Sommer und 4,873 Cent im Winter. Hinzu kommen Grund-, Nachfrage- und Überschreitungsentgelte, Verbrauchsstufen und TVA-bezogene Anpassungen. Der von PowerCompute genannte durchschnittliche Nettostrompreis von 3,3 Cent je kWh nach Energieverkäufen bezieht sich auf das gesamte 26-MW-Portfolio und ist nicht mit einer einzelnen Bruttotarifposition für Columbus vergleichbar. Ohne Rechnung und Intervallmessungen lässt sich der Standortpreis nicht bestimmen. (Schedule DCB)
Eine weitere offene Position ist der Kapazitätszuschlag. Der Tarif nennt für FY2027 1,521 Mio. US-Dollar je MW oberhalb der ersten 5 MW qualifizierter neuer oder erweiterter Last; für die erste Kohorte sind 2.000 MW vorgesehen. PowerCompute sagt, der Zuschlag sei für die 11 MW nicht erhoben worden, weil die Last vor dem 1. Oktober unter Vertrag stand. Eine schriftliche Einstufung durch TVA oder Columbus Light and Water und eine Rechnung liegen in den geprüften öffentlichen Unterlagen nicht vor. Das Ergebnis bleibt deshalb eine Unternehmensangabe.
Auch die Zeitangaben sind nicht vollständig aufgelöst: Auf dem Deckblatt steht der 16. September, die Unterschriften tragen den 30. September und Abschnitt 2.1 nennt vorbehaltlich Fertigstellung den 1. Oktober als Dienstbeginn. Die Beschreibung der Anlage im 8-K spricht von einem Inkrafttreten am 16. September; die Zusammenfassung nennt den 16. September 2030 als Ende der ersten Laufzeit, während der Vertrag fünf Jahre ab In-Service Date vorsieht. Die Dokumente erklären diese Differenzen nicht. PowerCompute meldet außerdem, eine Kaution von 300.000 US-Dollar durch eine Versorgerbürgschaft ersetzt zu haben; der geschätzte Kapitalbeitrag zu den Anlagen des Versorgers betrage null. Daraus folgen weder die Bürgschaftskosten noch die Gesamtrechnung. (SEC-Form 8-K)
Die übrigen Unternehmenskennzahlen liefern Kontext, keine Standortökonomie. PowerCompute erklärt, rund 22,5 MW in Mississippi und Oklahoma dienten überwiegend dem Mining; ein Teil werde für einen HPC-Pilot genutzt. Im zweiten Quartal 2026 meldete das Unternehmen 2,1 Mio. US-Dollar Umsatz, 4,6 Mio. US-Dollar Nettoverlust und eine Mining-Marge von 29 Prozent nach 41 Prozent im Vorjahr. Diese konsolidierten historischen Zahlen sagen weder etwas über die erste Columbus-Rechnung noch über einen HPC-Kunden dort aus. (Quartalsergebnis; Schulden- und Betriebsupdate)
Quellen und offene Nachweise
- Die Mitteilung vom 6. Oktober beschreibt die Erhöhung und die vom Unternehmen gemeldete Laststeuerung.
- Das 8-K und der vollständige Vertrag belegen Mengen, Zeitfenster und Mindestabrechnung.
- Quartalsergebnis, GPU-Update und Schuldenmeldung sind Unternehmensangaben. Eine Columbus-Rechnung, Lastkurve, schriftliche Zuschlagsentscheidung oder ein örtlicher HPC-Kundenvertrag wurde nicht gefunden.
- Das SEC Form 10-Q enthält Quartalsabschlüsse und Risikohinweise, jedoch weder die Lastkurve noch die Stromrechnung für Columbus.
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