Zusammenfassung
- Das Spendenprogramm der Internet Public Library stufte Besucher nach dem Klick zum Zahlungssystem als Beitragszahler ein. Danach zeigte es ihnen keine automatischen Spendenaufrufe mehr.
- Zwei Kampagnen erbrachten 1.128 Dollar von 24 einzelnen Spendern. Besonders aufschlussreich ist die Übergabe an die Zahlstelle, hinter deren Tür die Beobachtung der Forscher endete.
Die Software war schneller dankbar
Wer 2004 im Spendenprogramm der Internet Public Library auf den Beitragslink klickte, hatte die erste Beförderung bereits geschafft. Die Software führte ihn als Spender und stellte die automatischen Aufrufe an ihn ein. Das Geld durfte sich Zeit lassen: Für die Zahlung ging es erst auf eine andere Website.
Ein kleiner Verwaltungsakt mit handfester Wirkung. Die Einstufung entschied, wer später nochmals automatisch angesprochen würde. Ein Besucher konnte damit aus dem Kreis der weiter Umworbenen verschwinden, während sein Portemonnaie noch unberührt dalag. Die digitale Höflichkeit hatte der Buchhaltung einen Vorsprung abgenommen.
IPL war 1995 aus einem Lehrprojekt der University of Michigan entstanden. Bibliotheksdienste übers Netz anzubieten und ihre Nutzer um Unterstützung zu bitten, war ein einleuchtender Gedanke. Zwischen Wertschätzung und Überweisung lag allerdings eine Strecke, die jeder Besucher selbst zurücklegen musste.
Hinter dem Link wurde es dunkel
Yan Chen, Xin Li und Jeffrey K. MacKie-Mason verglichen in ihrer Originalstudie vier Aufrufe: eine einfache Bitte, kleine Dankeschön-Geschenke, eine bereits gesicherte Startsumme und eine Verdopplung der Spende durch zusätzliche Mittel. Die beiden letzten Angebote waren tatsächlich finanziell unterlegt. Die 1.128 Dollar der 24 beobachteten Einzelspender wurden getrennt von dieser zuvor gesicherten Unterstützung erfasst.
Der Link führte zu University Giving. Dort konnten die Forscher den weiteren Weg nicht verfolgen; wöchentliche Berichte lieferten die abgeschlossenen Spenden. In einem Vortest brauchte selbst eine mit dem Verfahren vertraute Person fünf bis sechs Minuten bis zum Ende.
Das ist reichlich Bedenkzeit für eine Zusage des Zeigefingers. Die vorhandenen Aufzeichnungen lassen offen, welcher Anteil der Besucher nur neugierig war und welcher am Aufwand der Formulare scheiterte. Die Bibliothek sah Interesse, die Zahlstelle einen Abschluss. Dazwischen musste der Nutzer die Verbindung herstellen.
Auch die Versuchsanordnung brauchte Nachhilfe
Fast neun von zehn erfassten Nutzern trugen nichts in ein Fenster ein, das nach einem Teil ihrer Postleitzahl fragte. Die ursprüngliche Voreinstellung schickte Besucher ohne gültige amerikanische oder kanadische Angabe zu einer einzigen Variante. Im November 2004 wurde ihre Zuweisung auf Zufallsverteilung umgestellt. 2005 entfielen die automatischen Fenster ganz; den Aufruf musste der Besucher nun selbst öffnen.
Mit dem Eingang änderte sich die Leserschaft der Spendenbitte. Solche Kleinigkeiten machten aus einem ordentlich geplanten Vergleich eine Begegnung mit dem wirklichen Browseralltag. Die Nutzer hatten eigene Zwecke. Dass sie nebenbei einer sauberen Versuchsanordnung dienen sollten, stand offenbar nicht auf ihrer Tagesordnung.
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