Zusammenfassung

  • GE Vernova hat den Kauf von Trench Group für umgerechnet neun Milliarden Dollar vereinbart. Der Abschluss ist für Ende 2027 vorgesehen; das genannte 13-Fache bezieht sich auf das bereinigte EBITDA, das Trench erst für 2028 erwartet.
  • Trench rechnet dann mit 1,9 Milliarden Dollar Umsatz und etwa 36 Prozent bereinigter EBITDA-Marge. Die Bewertung setzt voraus, dass elf Werke und eine neue Linie die geplanten Geräte ausliefern.

Die Rechnung beginnt vor dem Werktor

Hochspannungsdurchführungen sind in einer Umspannstation kaum das größte Bauteil. Fehlen sie, kann ein ganzes System warten. Laut Übernahmeankündigung produziert Trench solche Komponenten, Messwandler und Spulen an elf Standorten in Europa, Nordamerika und Asien. Das Unternehmen beliefert GE Vernova bereits. Mit dem Kauf würde aus einem externen Lieferproblem eine interne Entscheidung über Kapazität und Reihenfolge.

Neun Milliarden Dollar Gegenwert sollen dem 13-Fachen des für 2028 prognostizierten bereinigten EBITDA entsprechen, noch ohne Synergien. Der Käufer nennt für dieses Jahr 1,9 Milliarden Dollar Trench-Umsatz und eine Marge von rund 36 Prozent. Das ergibt rechnerisch etwa 684 Millionen Dollar bereinigtes EBITDA; der Kaufpreis liegt beim rund 13,2-Fachen dieser gerundeten Größe. Die Rechnung ist nachvollziehbar. Ihr Nenner ist jedoch ein Plan für übermorgen, kein verdienter Betrag aus diesem Quartal.

GE Vernova spricht von etwa fünf Milliarden Dollar aus Trench-Auftragsbestand und Rahmenverträgen, teils bis ins nächste Jahrzehnt. Wie viel auf feste Bestellungen entfällt und wann die Geräte ausgeliefert werden, bleibt offen. Ein Termin ist genauer: Das neue Werk in Charlotte soll Ende 2027 mit der Fertigung von 765-Kilovolt-Geräten beginnen. Auch die Übernahme soll Ende 2027 abgeschlossen werden, sofern Genehmigungen und erforderliche Arbeitnehmerkonsultationen vorliegen. Der Käufer übernimmt die Kontrolle gerade dann, wenn eine neue Produktion ihren Takt erst zeigen muss.

Die Quartalszahlen von GE Vernova liefern die Größenordnung: 29 Milliarden Dollar Auftragseingang, 12,6 Milliarden Umsatz und 197 Milliarden verbleibende Leistungsverpflichtungen im Konzern. Das ist ein anderer Kreis als der gemischte Trench-Wert von fünf Milliarden. Ende September hielt GE Vernova 16,8 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Den Kaufpreis will sie bei Vollzug je zur Hälfte mit Bargeld und Schulden finanzieren. Die Dollarbeträge beruhen auf einem Eurokurs von 1,12 Dollar und können sich ändern.

Der Kauf sichert Zugriff auf Teile, bevor die nächste Bauwelle sie benötigt. Wenn Charlotte planmäßig anläuft und die übrigen Werke Aufträge in Lieferungen verwandeln, bekommt das Gewinnziel für 2028 einen industriellen Unterbau. Die nächste wichtige Veröffentlichung wäre die Trennung von festem Auftragsbestand und Rahmenverträgen samt Lieferterminen. Erst dann ist zu sehen, wie viel des künftigen Gewinns schon einen Platz in der Fabrik hat.

Quellen