Zusammenfassung
- Eine gemeinsame Mailadresse leitete Fragen an geeignete Lehrende und Doktoranden weiter und schützte Einzelne vor einer Flut von Anfragen.
- Der 1997 gestartete Dienst nutzte die Post auch zur Überarbeitung altersgerechter Antworten und zur Entwicklung neuer Inhalte.
Neugier lässt sich schlecht auf Sprechstunden begrenzen. Eine einzelne Wissenschaftlerin mit allen Fragen zu überschwemmen wäre allerdings eine ziemlich einseitige Form des Wissenstransfers. Ask A Biologist setzte deshalb einen gemeinsamen Briefkasten dazwischen. Er nahm die Fragen entgegen und half, sie an passende Fachleute zu verteilen.
Charles Kazilek beschrieb diese Organisation in seinem eigenen Bericht von 2010. Die zentrale Mailadresse führte Fragen zu geeigneten Lehrenden und Doktoranden. Sie bewahrte Einzelne davor, mit Anfragen überhäuft zu werden, und bot Gelegenheit zur Prüfung der Antworten. Eine Erklärung konnte dabei an die Klassenstufe des Fragenden angepasst werden. Fachwissen brauchte mitunter einen zweiten Durchgang, bevor es beim Kind ankam.
Der Anfang war eine einzige Seite im Webauftritt der School of Life Sciences von Arizona State University im Jahr 1997. Bis zum Bericht von 2010 unterstützten mehr als 150 Wissenschaftler und Fachleute den Fragedienst. Für die Besucher blieb der Einstieg übersichtlich. Sie mussten vor ihrer Frage weder eine Fachbereichslandkarte zeichnen noch herausfinden, welcher Doktorand gerade das passende Spezialwissen besaß.
Mail erlaubte außerdem, Annahme und Bearbeitung zeitlich zu trennen. Die Website konnte rund um die Uhr Fragen aufnehmen, ohne rund um die Uhr Personal zu beschäftigen. Die Fachleute gewannen Raum, eine verständliche Antwort vorzubereiten oder Unterrichtsmaterial für eine Lehrkraft zu suchen. Der Eingangsknopf durfte dauernd Dienst haben; die Biologen benötigten weiterhin Zeit zum Denken.
Wie knapp diese Zeit war, zeigt ein Bericht der Universität vom Februar 2006. Damals meldete das Projekt mehr als 18.000 beantwortete Fragen von Schülern und Lehrkräften. Es arbeitete mit Freiwilligen und einem kleinen Budget. Kazilek blieb der wichtigste Entwickler und Betreuer. Als eine der größten Schwierigkeiten nannte er, überhaupt genügend Zeit für die Website zu finden.
Die Post fragte bald nach mehr als Biologie. 2010 berichtete Kazilek, über ein Viertel der eingehenden Fragen betreffe berufliche Wege. Schüler interessierten sich für den Alltag von Wissenschaftlern, ihre Studienfächer, prägende Menschen und hilfreiche Gelegenheiten. Wer die Antworten schrieb, wurde selbst zum Gegenstand der Neugier. Das persönliche Gegenüber konnte einen Zugang zu einem Beruf eröffnen, den eine Sammlung von Definitionen nur schwer bot.
Auch die Gestaltung der Website lernte aus dem Eingang. Schüler wünschten sich Quizfragen, also entstanden Quizangebote. Eltern und Großeltern suchten Beschäftigungen für kleine Kinder; daraus wurden Ausmalbilder. Kazileks Beispiele zeigen, wie einzelne Wünsche in Material für viele Besucher übergingen. Der Briefkasten konnte gewissermaßen auch Aufträge vergeben.
Interviews, Spiele, Fotos, Videos und Unterrichtshilfen erweiterten das Angebot. Illustratoren, Autoren und Übersetzer ergänzten den Kreis der Wissenschaftler. Zugleich kamen mit der wachsenden Informationsmenge im Netz Leser, die unterschiedliche Antworten gefunden hatten und sie verstehen wollten. Eine hilfreiche Reaktion musste auf das eingehen, was jemand bereits gelesen hatte.
Schon 2006 riet Kazilek anderen Gründern, die dauerhafte Fortführung ebenso ernst zu nehmen wie den Start. Dankesbriefe machten Freude, die nächste Anfrage verlangte wieder Arbeit. Ask A Biologist zeigt eine unscheinbare Leistung des frühen Webs: Eine Universität konnte ihre Menschen erreichbar machen, wenn sie das Entgegennehmen, Zuordnen und verständliche Beantworten gemeinsam organisierte.
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