Summary

  • Die WCAG-1.0-Empfehlung vom 5. Mai 1999 umfasste vierzehn Richtlinien, drei Prioritäten für Prüfpunkte und drei Konformitätsstufen.
  • Richtlinie 10 bezeichnete fünf Maßnahmen ausdrücklich als vorläufige Lösungen, bis Benutzerprogramme und unterstützende Technik bestimmte Fähigkeiten beherrschten.

Ein Klick öffnet ein neues Fenster und plötzlich fehlt die Orientierung. Wer alle Fenster gleichzeitig sehen kann, findet vielleicht rasch zurück. Wer die Seite anders durchläuft, steht vor einem abgerissenen Weg. Die Web Content Accessibility Guidelines 1.0 widmeten solchen Lücken 1999 eine ganze Richtlinie: „Use interim solutions“. Die Werkzeuge zur Darstellung von Webseiten hatten Schwächen. Seitenautoren sollten dort eine Brücke einziehen, wo ein Besucher sonst scheiterte.

Das Wort vorläufig hatte eine klare Bedingung. Am 5. Mai 1999 hielt die Arbeitsgruppe diese Prüfpunkte für nötig. Zugleich erwartete sie, dass manche nach Fortschritten der Benutzerprogramme und Hilfstechniken entfallen könnten. Die Seite ließ sich sofort ändern; die fehlenden Fähigkeiten der Software mussten ihre Hersteller nachliefern. Zwischen beiden Arbeitsplänen stand der Mensch, der jetzt ein Formular ausfüllen oder Informationen finden wollte.

Richtlinie 10 nennt fünf erstaunlich handfeste Maßnahmen. Solange Benutzer neue Fenster nicht selbst unterbinden konnten, sollte ein Autor vor dem Öffnen oder Wechsel warnen. Solange Programme die ausdrückliche Zuordnung von Beschriftung und Formularelement nicht unterstützten, musste eine implizit zugeordnete Beschriftung genau platziert werden. Für nebeneinander laufenden Text in Layouttabellen war eine lineare Alternative nötig, solange die Werkzeuge ihn nicht richtig wiedergaben. Leere Eingabefelder bekamen Platzhalterzeichen; benachbarte Links druckbare Trennzeichen. Das klingt nach Werkstattmaterial.

Es half bei alltäglichen Handgriffen.

Die gesamte Empfehlung sortierte die Arbeit in vierzehn Richtlinien mit Prüfpunkten der Prioritäten 1, 2 und 3. Die Stufen A, Double-A und Triple-A standen dafür, die erste, die ersten beiden oder alle drei Prioritäten zu erfüllen. Innerhalb von Richtlinie 10 gehörten Fenster und Beschriftungen zur Priorität 2; Layouttabellen, leere Felder und Nachbarlinks zur Priorität 3. Jede provisorische Bohle hatte einen Platz im Bauplan.

WCAG 1.0 trennte außerdem die länger haltbare Empfehlung von einem Technikdokument, das mit dem Wandel der Werkzeuge häufiger aktualisiert werden sollte. Das ist die eigentliche Pointe des Provisoriums: Menschen sollen einen Weg durch die Seite finden; welche zusätzliche Stütze dafür nötig ist, hängt von der vorhandenen Software ab. Die Richtlinie zeigt eine Webwelt im laufenden Betrieb und im laufenden Umbau. Der Laden war offen. Hinten wurde noch am Türscharnier gearbeitet.