Zusammenfassung
- WAIS verband lokale Serverindizes über ein gemeinsames Client-Verfahren; zuerst musste der Nutzer aber eine Quellenbeschreibung oder einen Verzeichniseintrag finden, der auf die gewünschte Datenbank verwies.
- Projektmeldungen zählten im Juli 1991 44 und im Oktober 80 Server. Das belegt gemeldetes Wachstum, aber weder ein vollständiges weltweites Verzeichnis noch eine unabhängige Zählung.
Bei einer verteilten Suche konnte das Problem schon vor der Eingabe der Suchanfrage beginnen. Am 31. Juli 1991 kündigte Brewster Kahle WAIS Beta 2 an und nannte 44 Server. Der Nutzer musste dennoch wissen, welcher davon die gesuchten Unterlagen enthielt.
WAIS bot dafür ein zweites durchsuchbares Objekt: das Serververzeichnis. Die Beta-2-Mitteilung führte das Verzeichnis als einen Dienst auf Quake auf und beschrieb Software, mit der sich lokale Dateien indexieren ließen. Eine Quellenbeschreibung nannte dem Client ein konkretes Ziel; der Server durchsuchte anschließend seine eigene Datenbank. So konnte eine Institution ihre Sammlung auffindbar machen, ohne zuvor sämtliche Dokumente in einem einzigen netzweiten Index zusammenzuführen.
Das Verzeichnis lokalisierte Indizes, ersetzte sie aber nicht. Im Oktober meldete eine Nachricht an die WAIS-discussion-Liste 80 Server in vier Ländern auf drei Kontinenten. Als neue Quellen nannte sie unter anderem eine FidoNet-Knotenliste, Robotikmaterial, einen australischen Ressourcenführer und FAQ-Sammlungen. Hinter jedem neuen Eintrag stand Arbeit: Jemand musste die Quelle vorbereiten, erreichbar halten und dem gemeinsamen Verzeichnis ihre Existenz mitteilen.
Eine später im W3-Archiv erhaltene Übersicht bezeichnete das Verzeichnis als „master index of indexes“. Sie sprach von mehr als 80 Indizes und hielt zugleich fest, dass eine WAIS-Suche höchstens 40 Ergebnisse lieferte. Der W3-Vergleich mit WAIS benannte noch eine Bediengrenze: Im WAIS-Client ließ sich das Masterverzeichnis durchsuchen, aber man konnte nicht von einer Übersichtsseite aus per Link zwischen Indizes stöbern. Ein Web-Gateway konnte eine verlinkte Übersicht ergänzen; das war eine zusätzliche Darstellung und keine Funktion des WAIS-Clients selbst.
1994 beschrieb RFC 1580 die directory-of-servers-Datenbank als an mehreren Orten verfügbar und empfahl, sie zur Suche nach Datenbanken zu einem Thema abzufragen. Die Abfolge war damit klar: Quelle finden, auswählen, dann durchsuchen. Dieser spätere Leitfaden beweist weder, dass jede Quelle eingetragen war, noch dass das Verzeichnis stets aktuell blieb.
WAIS brachte lokale Veröffentlichung und gemeinsame Suche zusammen. Die Pflege des Verzeichnisses blieb jedoch eine Koordinationsaufgabe außerhalb des Suchprotokolls. Die Projektzahlen zeigen Beteiligung, wie die Organisatoren sie meldeten; sie zählen weder unsichtbare Datenbanken noch veraltete Einträge oder Nutzer, die keine passende Quelle fanden. WAIS konnte eine ausgewählte Datenbank durchsuchen. Sie zu finden, blieb eine eigene Systemschicht.
Quellen und Grenzen
- Ankündigung von WAIS Beta 2, Brewster Kahle, 31. Juli 1991
- WAIS-discussion-Digest 31, 17. Oktober 1991
- Historischer WAIS-Quellenüberblick im W3-Archiv und archivierte Quellenliste
- W3-FAQ zu WAIS, Gopher und WWW
- RFC 1580, Leitfaden für Netzwerk-Ressourcenwerkzeuge (März 1994)
Die Serverzahlen von 1991 stammen aus Projektmitteilungen, nicht aus einer unabhängigen Zählung. Die historischen W3-Seiten sind ein später bewahrter Ausschnitt und kein vollständiges Verzeichnis der WAIS-Verbreitung. Der RFC von 1994 beschreibt eine spätere Praxis; er belegt nicht, dass jeder Client von 1991 identisch arbeitete.
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