Summary

  • Im August 1996 galten zwei Gateways zum internationalen Netz als fertig; verbunden werden durften sie erst mit staatlicher Genehmigung.
  • Dekret 21/CP regelte internationale Gateways, Serverstandorte und die Verantwortung für Informationen. Der offizielle Öffnungstag am 19. November 1997 belegt weder universellen Zugang noch allein den Beginn einer permanenten Verbindung.

E-Mail-Verbindungen gab es schon vor dem permanenten Anschluss

Vietnams Internetgeschichte beginnt nicht mit einem Schalter, der an einem bestimmten Tag umgelegt wurde. 1992 richtete das Institute of Information Technology (IOIT) in Hanoi eine Wählverbindung zur Australian National University (ANU) ein, um E-Mails auszutauschen. Die International Telecommunication Union (ITU) berichtet in ihrer Vietnam-Fallstudie von 2002, dass Nachrichten zunächst gesammelt übertragen wurden; in Hanoi sortierte man sie und brachte sie teils per Motorrad in der Stadt weiter. Aus dieser akademischen Arbeit entstand VARENet.

NetNam nutzte später UUCP-Verbindungen zur ANU, um Forschungsstellen, Hochschulen und NGOs E-Mail anzubieten, und betrieb zusätzlich ein lokales Bulletin Board.

Das waren echte Netzdienste, aber noch keine permanente internationale Internetverbindung, die als kommerzieller Zugang angeboten wurde. Die ITU-Studie zu Vietnam schätzt, dass 1996 rund 300 wissenschaftliche und akademische Einrichtungen mit IOIT verbunden waren und NetNam mehr als 800 Nutzer hatte. Das sind rückblickende Angaben zu Einrichtungen und Konten, keine landesweite Zählung der Internetbevölkerung.

Der 19. November 1997 bleibt deshalb ein wichtiger offizieller Termin, aber er löscht die früheren Verbindungen nicht aus. E-Mail über Telefonleitungen, UUCP und lokale Netze gehörten bereits zur Vorgeschichte.

1995 beschloss das Komitee eine Untersuchung

Am 6. September 1995 befasste sich der Lenkungsausschuss des Nationalen IT-Programms mit einem nationalen Internetgateway. Eine Rückschau der vietnamesischen Regierungszeitung, verfasst von Nguyễn Công Hóa, damals stellvertretender Büroleiter des Ausschusses von 1995 bis 1998, berichtet von einem Beschluss, Untersuchungen, Befragungen und Tests vorzunehmen. Anschließend sollte der Premierminister einen Bericht erhalten, damit er über eine Genehmigung entscheiden konnte.

Der Beschluss gab also die Vorbereitung in Auftrag. Er erlaubte nicht selbst den Betrieb einer nationalen Verbindung. Diese Trennung macht die Zuständigkeit sichtbar: Ein Gremium kann prüfen und empfehlen, während die Genehmigung bei einer anderen Stelle liegt.

Zwei fertige Gateways – unter Vorbehalt

Bei der Plenarsitzung am 29. August 1996 war der stellvertretende Premierminister Nguyễn Khánh anwesend. Đặng Văn Thân, Generaldirektor des General Department of Post, berichtete, zwei Gateways zum internationalen Netz seien fertiggestellt. Sobald die Regierung zustimme, könnten sie verbunden werden. Die überlieferte Formulierung hält technische Bereitschaft und fehlende Erlaubnis in einem Satz fest.

Die verfügbare Rückschau nennt weder Standorte noch Betreiber, Geräte, Kapazitäten oder Produktionsprüfungen. Aus der Zahl zwei lässt sich daher keine Netzkarte ableiten. Die ITU urteilte später, Vietnam sei 1996 wahrscheinlich bereit für eine permanente internationale Verbindung gewesen, doch habe es an geeigneten Regeln gefehlt. Das ist eine rückblickende Deutung der ITU und keine Messung, wie viel Zeit eine einzelne Vorschrift kostete.

Dekret 21/CP regelte mehr als den Anschluss

Am 5. März 1997 unterzeichnete Premierminister Võ Văn Kiệt das Dekret 21/CP. Der amtliche Regierungseintrag bestätigt Datum und Unterzeichner; der englische Dekrettext überträgt der Regierung die einheitliche Verwaltung und Kontrolle des Internets und seiner Dienste, die Verwaltung internationaler Gateways sowie die Kontrolle über übertragene Informationen. Organisationen und Unternehmen, die ihre Computernetze verbinden wollten, mussten eigene Server in Vietnam installieren, die vorgeschriebenen internationalen Gateways nutzen und Verantwortung für abgerufene, gesendete oder empfangene Informationen übernehmen. Als Dienste nennt das Dekret unter anderem E-Mail, Datenübertragung, Fernzugriff und Datenbankzugriff.

Die Regel behandelte den Internetzugang somit nicht nur als Leitung über eine Grenze. Sie verband den internationalen Übergang mit Serverstandort und Informationsverantwortung. Das ist der Inhalt des Textes; er belegt für sich genommen weder die tatsächliche Durchsetzung jeder Auflage noch deren Wirkung auf einzelne Nutzer.

Was der 19. November belegt

Die Regierungsrückschau nennt den 19. November 1997 als Tag der offiziellen Öffnung des nationalen Gateways. Ein späterer Bericht des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie zitiert den früheren Generaldirektor Mai Liêm Trực, der sich an diesen Tag erinnert und Dekret 21 als später revisionsbedürftig beschreibt. Laut ITU begannen die ersten Internetprovider im November mit kommerziellem Zugang. Der Bericht ist jedoch nicht ganz konsistent: In seiner Einleitung datiert er die erste permanente internationale Verbindung auf Dezember, im Geschichtskapitel auf November.

Darum sollte man die Angaben nicht ohne Beleg auf einen einzigen technischen Startzeitpunkt reduzieren. Offizielle Eröffnung, Beginn des kommerziellen Angebots und permanente internationale Verbindung hängen zusammen, sind aber verschiedene Maßstäbe. Die Quellen beweisen auch nicht, dass am 19. November alle Menschen im Land Zugang hatten.

Die Abfolge erklärt mehr als ein einzelnes Jubiläumsdatum: Ein Ausschuss sollte untersuchen, die Technik wurde als bereit gemeldet, die Regierung setzte Regeln, dann folgte die offizielle Öffnung. Zwei fertige Gateways beantworteten noch nicht, wer sie unter welchen Bedingungen verbinden durfte und wann ein Anbieter Kunden bedienen konnte. Genau diese Lücke zwischen Technik und Genehmigung ist der entscheidende Teil der Geschichte.