• Auf Grundlage von TEMPO-Satellitendaten wurden die durchschnittlichen NOx-Emissionen des Standorts Southaven für die Zeit nach Februar 2026 auf etwa 730 kg pro Stunde geschätzt
  • SpaceXAI zufolge haben lokale Messstationen keinen ähnlichen Anstieg gezeigt; das Unternehmen plant, alle 69 temporären Turbinen bis Juli 2027 zu entfernen

Die Faktenlage

Forschende, die den TEMPO-Satelliten der NASA nutzen, haben einen starken Anstieg der Stickoxidemissionen rund um den Gasturbinenstandort von SpaceXAI in Southaven im US-Bundesstaat Mississippi gemeldet. Der Standort versorgt das Rechenzentrum Colossus 2 auf der anderen Seite der Bundesstaatsgrenze in Tennessee mit Strom. Ihre Studie wurde im August als Preprint veröffentlicht und noch nicht im Peer-Review-Verfahren begutachtet.

Die Forschenden erfassten die Emissionen erstmals im Dezember 2025; die geschätzte Rate lag bei 460 kg pro Stunde. Ab Februar 2026 stieg der geschätzte Durchschnittswert auf etwa 730 kg pro Stunde. Laut der Studie war dies ungefähr das 16-Fache der Emissionsrate, die für die 41 fest installierten Turbinen erwartet wird. Diese Turbinen sind von der luftrechtlichen Genehmigung für SpaceXAI vom März erfasst und für wirksamere Emissionsminderungssysteme ausgelegt.

SpaceXAI widersprach dieser Darstellung der Emissionslage. Das Unternehmen stellte New Scientist einen Gerichtsschriftsatz eines externen Luftqualitätsexperten zur Verfügung, dem zufolge lokale Messstationen seit der Inbetriebnahme der temporären Generatoren keinen nennenswerten Anstieg verzeichnet hätten. SpaceXAI hat mit den Regulierungsbehörden von Mississippi vereinbart, alle 69 temporären Turbinen bis Juli 2027 zu entfernen und zugleich ein genehmigtes dauerhaftes Kraftwerk mit 1,2 GW Leistung zu errichten.

Die Einordnung

Für den Stromerzeugungsstandort in Southaven gibt es nun zwei unterschiedliche Beobachtungsansätze. Bodenmessstationen erfassen die Schadstoffbelastung an bestimmten Orten, während TEMPO das Gebiet aus dem Orbit beobachtet und Veränderungen der Schadstofffahne in der Atmosphäre über ein größeres Gebiet verfolgt. Die beiden Ansätze zeichnen unterschiedliche Bilder davon, was nach der Inbetriebnahme der temporären Turbinen geschah.

Dieser Unterschied lässt sich nicht allein mit Satellitendaten klären. TEMPO schätzt die Emissionen anhand der Schadstofffahne, anstatt die Einhaltung rechtlicher Vorgaben an einzelnen Turbinen festzustellen; Bodenmesswerte hängen dagegen davon ab, wo die Messstationen stehen und wie sich die Schadstoffe in der Umgebung verteilen. Betriebsstunden und Emissionsdaten der Turbinen könnten helfen, beide Messreihen miteinander zu verknüpfen.

Für die Leserinnen und Leser von BTW gibt es zur Umstellung in Southaven nun eine Umweltmessreihe, die sich weiterverfolgen lässt, während die temporären Turbinen entfernt werden und das dauerhafte Kraftwerk den Betrieb aufnimmt. Der Vergleich von Satellitenbeobachtungen, Bodenmessungen und Turbinenbetriebsdaten während dieses Wechsels könnte deutlich klarere Belege dafür liefern, wie sich das neue Stromversorgungssystem auf die lokalen Emissionen auswirkt.

Worauf zu achten ist

Zu beobachten sind die Entfernung der 69 temporären Turbinen und die Inbetriebnahme des dauerhaften Kraftwerks sowie neue TEMPO-Messungen und Ergebnisse der lokalen Überwachung. Emissionsdaten der einzelnen Turbinen könnten Unterschiede zwischen den Satellitenschätzungen und den am Boden erhobenen Messwerten erklären.