Zusammenfassung

  • In prop-072-v001 vom 10. März 2009 schlug Philip Smith vor, Organisationen nach einer IPv4-Übertragung gemäß prop-050 für zwei Jahre von neuen APNIC-Zuweisungen und -Zuteilungen auszuschließen.
  • Laut APNIC-Chronik zog er den Entwurf am 1. Juni zurück. Seine eigene Nachricht nennt den Grund: prop-050 war an die Policy SIG zurückgegeben worden; zwei Nachbesserungen für deren frühere Fassung verloren damit ihre Aufgabe. prop-050 trat 2010 in Kraft, die Zweijahressperre nicht.

Ein Register kann eine IPv4-Übertragung buchen und fertig sein. Smith wollte aus dieser Buchung eine Folge für den bisherigen Inhaber ableiten: Wer Adressen abgibt, bekommt 24 Monate lang keine neuen IPv4-Adressen aus APNICs freiem Bestand. Der Anlass war eine Lücke in der damals verhandelten Transferregel. Ein Unternehmen konnte übertragen und mit einem begründeten neuen Antrag fast sofort zurückkehren. Bei Wiederholung, schrieb Smith, könne der restliche freie Bestand schneller schrumpfen.

Die Märzfassung beschreibt diese Möglichkeit präzise. Sie nennt aber keinen tatsächlichen Fall, keine Zahl solcher Rückkehrer und keinen gemessenen Verlust an Adressen. Der Entwurf zielte vorsorglich auf alle Organisationen, die unter prop-050 abgaben: APNIC-Mitglieder ebenso wie Mitglieder nationaler Internet-Register. Seine Rubrik zu Nachteilen enthält nur „None“. Für die Betroffenen wären zwei Jahre allerdings ein sehr konkreter Nachteil gewesen.

Denn eine Abgabe kann ungenutzte Adressen zu einem aktiven Netz bringen. Derselbe Abgeber kann später an anderer Stelle echten Bedarf haben. Die pauschale Sperre hätte ihn genauso behandelt wie jemanden, der durch wiederholtes Übertragen und Neubeantragen den freien Pool ausnutzt. APNIC prüfte ohnehin den Bedarf für einen neuen Antrag. Smith wollte eine zweite Prüfung hinzufügen, die auf einer früheren Marktbewegung beruhte statt auf dem aktuellen Bedarf.

Die politische Grundlage dieses Zusatzes hielt nicht einmal drei Monate. Die prop-050-Chronik verzeichnet einen Konsens über eine geänderte Fassung bei APNIC 27 im Februar 2009. Am 21. Mai gab der Exekutivrat sie zur erneuten Diskussion an die Policy SIG zurück. Smith schrieb am 1. Juni, prop-071 und prop-072 hätten Mängel beheben sollen, die mehrere Beteiligte in jener Fassung sahen. Nach der Wiederöffnung des Haupttextes zog er beide Ergänzungen zurück.

prop-050 bekam eine fünfte Fassung, erreichte im August Konsens und wurde am 10. Februar 2010 umgesetzt. prop-072 blieb zurückgezogen. APNIC erhielt ein Verfahren für IPv4-Transfers, aber keinen Automatismus, der den Abgeber zwei Jahre von neuem Bestand fernhielt. In diesem kurzen Entwurf liegt eine große Grenzfrage: Wann wird aus einer wahrheitsgetreuen Registerzeile eine Erlaubnis, das nächste Geschäft des Eingetragenen zu begrenzen?

Quellen

Originaltext von prop-072 · APNIC-Chronik zu prop-072 · Smiths Rückzugsnachricht · Chronik zu prop-050 · Namentlich zugeordnetes APNIC-Foto als Porträtvorlage