• NTT DOCOMO hat die neueste Basisbandausrüstung von Nokia zusammen mit Funkeinheiten mehrerer Anbieter in den kommerziellen Betrieb genommen
  • Mit der LTE- und 5G-Implementierung geht Open RAN mit mehreren Anbietern in den laufenden Betrieb über; als Nächstes müssen sich Softwareaktualisierungen und die Störungsbehebung bewähren

Die Fakten

NTT DOCOMO hat in Japan den kommerziellen Betrieb der neuesten Basisstationsausrüstung von Nokia aufgenommen; das System ging am 9. September in Betrieb. Die Implementierung unterstützt sowohl LTE als auch 5G. DOCOMO verwendet die Datenverarbeitungskarten Levante und die Steuerkarten Ponente von Nokia zusammen mit über O-RAN-Schnittstellen angebundenen Funkeinheiten mehrerer Anbieter. Diese standardisierten Schnittstellen sollen es Betreibern ermöglichen, kompatible Komponenten eines Funkzugangsnetzes verschiedener Anbieter miteinander zu kombinieren.

Nach Angaben von DOCOMO kann die neue Ausrüstung mehr Funkeinheiten unterstützen und dabei weniger Strom verbrauchen als die damit ersetzte Ausrüstung von Nokia; DOCOMO hat jedoch keine netzweiten Messwerte veröffentlicht. Der Betreiber plant, das System auf dicht bebaute Stadtgebiete, Stadien und andere stark frequentierte Veranstaltungsorte auszuweiten. Die Mitteilung bestätigt, dass diese Konfiguration kommerziellen Netzverkehr überträgt. Sie belegt jedoch nicht, dass bereits jeder Anbieter von Funkeinheiten, jede Softwareversion oder jede Funktion für den Betrieb mit dem neuen Basisband von Nokia qualifiziert worden ist.

Die Einordnung

DOCOMO hat diese konkrete Kombination aus Komponenten mehrerer Anbieter aus der Testphase in ein kommerzielles Netz überführt. Das Basisband von Nokia kann nun im kommerziellen LTE- und 5G-Betrieb mit Funkeinheiten anderer Anbieter zusammenarbeiten. Dadurch erhält der Betreiber mehr Freiheit bei der Kombination von Ausrüstung, wenn er Standorte ergänzt oder modernisiert.

Diese Flexibilität bringt für DOCOMO zugleich mehr zu verwaltende Kombinationen mit sich. Eine neue Funkeinheit oder Softwareversion muss weiterhin mit dem übrigen System funktionieren, und bei einer Störung, an der Ausrüstung mehrerer Anbieter beteiligt ist, kann die Fehlersuche länger dauern, wenn die Zuständigkeit unklar ist. Die Herausforderung besteht daher darin, diese Kombinationen ebenso routinemäßig zu aktualisieren und zu unterstützen wie ein von einem einzigen Anbieter geliefertes Netz.

Für die Leserinnen und Leser von BTW wird die Ausweitung auf stark ausgelastete städtische Netze und Netze an Veranstaltungsorten zeigen, ob DOCOMO den Integrationsaufwand auch in größerem Maßstab beherrschbar halten kann. Stabil verlaufende Softwareaktualisierungen, eine planbare Störungsbehebung und gemessene Stromeinsparungen wären belastbarere Belege dafür, dass Open RAN mit mehreren Anbietern als alltägliches Betriebsmodell funktioniert.

Worauf zu achten ist

Zu beobachten ist, wie schnell DOCOMO die Konfiguration ausweitet und ob das Unternehmen gemessene Stromeinsparungen oder Ergebnisse der Implementierung veröffentlicht. Softwareaktualisierungen werden besonders aussagekräftige Belege liefern: Reibungslose Aktualisierungen über Funkeinheiten verschiedener Anbieter hinweg würden zeigen, dass die Interoperabilität auch nach der Erstinstallation fortbesteht und nicht nur bei der ersten Inbetriebnahme der Ausrüstung gegeben ist.