Zusammenfassung
- Die öffentliche Liste der moldauischen Agentur für Öffentliche Dienstleistungen (ASP) zeigte am 21. Oktober 2026 insgesamt 9.318 Einträge zu nicht zugelassenem Glücksspiel.
- ASP erklärt, keine Daten zur Zahl der Zugriffe auf diese Angebote zu besitzen. Das Register misst benannte Ziele, nicht Nutzer oder bestätigte unterbundene Zugriffe.
9.318 Einträge sind noch kein Wirkungstest
Die Zahl steht oben auf der öffentlichen Liste von ASP: 9.318. Der Datensatz war am 21. Oktober aktualisiert worden und umfasst Webseiten, Plattformen und Apps, über die nicht genehmigte Glücksspiele erreichbar sind. Er zählt Einträge. Er zählt weder Betreiber noch Menschen noch Zugriffe, die ein Anbieter nach einer Sperre tatsächlich abgewiesen hat.
Am 2. September hatte ASP mehr als 7.600 nicht zugelassene Webseiten und Plattformen im Sperrmechanismus gemeldet, gegenüber 735 im Jahr 2021. Die Mitteilung und die spätere Liste verwenden unterschiedliche Zeitpunkte und Begriffe. Eine gemeinsame Rechenbasis für eine saubere Wachstumsrate fehlt. Beide Veröffentlichungen zeigen, welche Kennzahl die Behörde schnell liefern kann: erkannte und registrierte Ziele.
Bei den Nutzern zieht ASP eine klare Grenze. Die Agentur sagt, sie verfüge über keine Daten zur Zahl der Personen, die nicht zugelassene Plattformen aufrufen, und habe weder den Auftrag noch die technischen Mittel, den Internetverkehr der Bürger abzufangen, zu überwachen oder zu analysieren. Ein Staat kann also seine Sperrobjekte nummerieren und zugleich die Zahl der erreichten Menschen offenlassen.
Die Sperre wandert durch mehrere Zuständigkeiten
ASP beschreibt eine Kette. Gemeinsam mit der Nationalen Lotterie und lizenzierten Anbietern beobachtet sie das Online-Angebot, erkennt nicht genehmigte Webseiten, Apps und Plattformen und pflegt die Liste. Danach informiert sie ARCOM, die nationale Kommunikationsregulierungsbehörde. ARCOM ordnet Internetanbietern die technische Sperre an. In einer Mitteilung an Anbieter beruft sich ARCOM auf Gesetz Nr. 291/2016 und eine Verwaltungsentscheidung aus dem Jahr 2021 und fordert die sofortige Sperre der genannten Quellen.
Daneben verlaufen andere Eingriffe. ASP zufolge verfolgt das Innenministerium die Organisatoren strafrechtlich. Banken und Zahlungsdienste erhalten täglich Kennungen, um Transaktionen zu blockieren. Die nationale Cyber-Sicherheitsagentur überwacht Netzresilienz und hybride Bedrohungen; wirtschaftlich begründete Seitensperren führt sie laut ASP nicht durch. Zielerkennung, Verfügung, Netzfilter, Ermittlungen und Zahlungsstopp gehören zu verschiedenen Stellen.
Darum ist „gesperrt“ ohne Prozessschritt eine halbe Aussage. Der Eintrag belegt die Aufnahme in die Liste. Eine Mitteilung belegt, dass der Hinweis versandt wurde. Die Anordnung ist ein weiterer Vorgang. Erst die Rückmeldung des Anbieters zeigt, dass die Maßnahme im Netz umgesetzt wurde. Die Liste allein dokumentiert nicht die gesamte Strecke.
Der Kassenstand beantwortet eine andere Frage
ASP führte die gestiegenen Staatseinnahmen in einer Mitteilung vom 2. September auf die gemeinsamen Maßnahmen der Agentur und zugelassener Anbieter zurück: 65.467.363 moldauische Lei im Jahr 2021, 504.560.848 Lei 2025 und 436.253.595 Lei im ersten Halbjahr 2026.
Das sind gemeldete Einnahmen. Sie sagen nicht, wie viele Menschen geschützt wurden. Die Mitteilung trennt den Beitrag von Seitensperren, Lizenzen, Zahlungsmaßnahmen und anderen Veränderungen des Glücksspielmarkts nicht auf. Für die behauptete Wirkung fehlt eine nachvollziehbare Rechnung, die einzelne Instrumente mit Einnahmen verbindet. ASP veröffentlicht Zahlen und Deutung, keine isolierte Wirkungsbilanz.
Automatisierung braucht eine öffentliche Uhr
Am 2. September erklärte ASP, gemeinsam mit der Agentur für Öffentliches Eigentum und der Nationalen Lotterie eine intelligente Plattform zur Erkennung nicht zugelassener Webseiten vorzubereiten. Sie befand sich damals in der letzten Genehmigungsphase. Der automatische Datenaustausch über MConnect sollte die Zeit zwischen Erkennung und Sperre verkürzen. Ein Betriebsstart oder eine Leistungsreihe stand nicht in der Mitteilung.
ASP beschreibt zugleich die bewegliche Gegenseite: Spiegelangebote können binnen Stunden auftauchen; VPN und alternative DNS umgehen Sperren; die endgültige Löschung einer .md-Domain verlangt ein Verfahren mit mehreren Behörden. Ein schnellerer Datentransfer verkürzt eine Verwaltungsstrecke. Er hält eine Adresse nicht davon ab, sich zu ändern.
Das Aktualisierungsdatum der Liste zeigt, wann der Bestand verändert wurde. Eine belastbare öffentliche Prozessspur würde außerdem Erkennung, Meldung an ARCOM, Anordnung, Anbieterbestätigung und erneutes Auftauchen einer Spiegeladresse datieren. So ließe sich die Arbeit prüfen, ohne den Datenverkehr der Bürger zu untersuchen.
Die moldauischen Behörden haben eine umfangreiche Liste, verteilte Zuständigkeiten und einen Automatisierungsplan. Was fehlt, ist die Zahl der Zugriffe, die tatsächlich unterbunden wurden. Dafür braucht es keine Überwachung einzelner Nutzer. Es braucht eine Trennung zwischen gezählten Verwaltungsakten und dem Schutz, den die Politik verspricht.
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