Zusammenfassung

  • Der ICANN-Vertrag für .kids bezieht die Zeichenfolge der Domain in die Kinderschutzregeln ein; Verstöße können zur Sperrung oder Löschung führen.
  • Forscher sahen allein in den Namen 176 mutmaßliche Verstöße. Der öffentliche Vortrag nennt weder Einzelfallentscheidungen noch die Zeiten bis zur Reaktion.

Manchmal verrät schon das Schild an der Tür, was drinnen schieflaufen könnte. Bei .kids ist das Schild sogar Vertragsgegenstand. Matteo Liberatos RIPE-93-Studie meldet 176 mutmaßliche Verstöße, die sich allein an Domainnamen erkennen lassen. Für diese Zahl mussten die Forscher keine Inhalte hinter den Adressen besuchen.

Der von ICANN veröffentlichte .kids-Vertrag benennt DotKids Foundation Limited als Betreiberin. Spezifikation 12 zählt den Namen selbst zum Inhalt, der für Kinder geeignet sein muss. Sie nennt Sperrung oder Löschung als mögliche Folgen einer Verletzung und beschreibt einen Beschwerdeweg. Damit steht das erste Prüfgerät am Eingang, nicht erst auf der Webseite.

Die Forscher verfolgten rund 1.400 tägliche Aufnahmen von Mai 2022 bis März 2026. Die 176 sind ihre Einschätzung möglicher Vertragsverstöße, keine Liste rechtskräftiger Registerentscheidungen. Im Vortragsabstract fehlen die Namen sowie Meldedatum, Prüfung und Ergebnis für jeden Fall. Ein nachprüfbares Protokoll würde genau diese Schritte neben die Vertragsregel stellen.

Zusätzlich berichtet die Studie, dass Namen mit Blocklisten-Markierung im Median 34 Tage in der Zone blieben; zu einem gegebenen Zeitpunkt war mehr als 30 Prozent der Zone nicht funktionsfähig. Ein geparkter Name ist etwas anderes als ein gefährlicher, und ein Alarm ist noch kein Betreiberentscheid. ICANNs monatliche .kids-Berichte zeigen Registrierungen mit drei Monaten Verzögerung. Über die Arbeit am einzelnen Verdachtsfall sagen diese Transaktionszahlen wenig.