Zusammenfassung

  • Regionale Anbieter können über die Netze großer Konkurrenten neue Kunden erreichen und währenddessen selbst bauen. Die Pflicht zur Bereitstellung dieses Zugangs endet am 9. Mai 2030.
  • Mit Vertrags-, Kunden- und Ausbaudaten, die bis zum 13. November 2026 eingehen müssen, will die CRTC sehen, welche Anlagen neben den neuen Kunden hinzugekommen sind.

Freedom Mobile kündigte im Mai 2024 den Verkaufsstart in Manitoba an. Die Ankündigung von Quebecor im November 2025 betraf dagegen ein für 2026 geplantes Netz, beginnend in Winnipeg. Neue Kunden und ein neues eigenes Netz kamen in diesen Mitteilungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten vor.

Für Kunden kann also eine weitere Wahlmöglichkeit entstehen, bevor der neue Anbieter selbst vor Ort gebaut hat. Er nutzt zunächst ein fremdes Netz. Für ihn bleibt damit eine Rechnung offen: Er zahlt für diesen Zugang und muss entscheiden, wo sich eigene Anlagen lohnen. Die damalige Bauankündigung belegt nicht, dass das geplante Netz inzwischen fertig ist.

Er braucht entweder einen tragfähigen Vertrag über fremde Technik oder eigene Anlagen. Kanada gibt ihm Zeit, diese Anlagen aufzubauen. Am 9. Mai 2030 endet aber die Pflicht der großen Anbieter, diesen Zugang bereitzustellen. Kommerzielle Vereinbarungen können darüber hinaus bestehen; das Ablaufdatum der gesetzlichen Pflicht ersetzt nicht das Ablaufdatum des einzelnen Vertrags.

Die siebenjährige Regelung nähert sich ihrer Halbzeit. Mit einem Schreiben vom 13. Oktober verlangt die CRTC deshalb einen regional aufgeschlüsselten Zwischenstand: Welche Verträge bestehen, wo werden Kunden versorgt, und welche eigenen Funkanlagen sind seit Beginn des Zugangs hinzugekommen? Die Antworten müssen bis zum 13. November eingehen.

Wo aus einem Vertrag ein eigenes Netz wird

Für den Kunden zählt zunächst, dass er einen weiteren Anbieter wählen kann. Für die Dauerhaftigkeit dieser Wahl macht es jedoch einen Unterschied, wie der Anbieter sein Netz sichert. Eigene Funktechnik kann einen Teil der Abhängigkeit von Zugangsverträgen verringern. Ein Vertrag wiederum kann die Zeit abdecken, in der noch gebaut wird. Eine landesweite Kundenzahl verrät nicht, welche dieser Voraussetzungen vor Ort schon erfüllt ist.

Bell Mobility, Rogers, TELUS und SaskTel müssen ihre Vereinbarungen mit regionalen Anbietern einschließlich Vertragspartnern, tatsächlichem Beginn und Ablaufdatum vorlegen. Bragg Communications unter dem Namen Eastlink, Cogeco, Iristel sowie Quebecor für Videotron und Freedom Mobile müssen ebenfalls ihre Verträge offenlegen.

Die regionalen Unternehmen sollen ihre Kundenzahlen und Anlagen für dieselben Gebiete ausweisen. Dafür verwendet die Aufsicht die geografische Einteilung der Frequenzlizenzen, genannt Tier 4. Gefragt sind alle Gebiete, in denen ein Unternehmen über den Zugang Endkunden versorgt, und die jeweils jüngste Kundenzahl.

Daneben steht die Funktechnik, die Mobilgeräte mit dem Netz verbindet: das Funkzugangsnetz, kurz RAN. Gemeldet werden die seit Beginn des Zugangs neu eingerichteten Standorte dieser Technik. So lässt sich für ein Gebiet erkennen, wie Kunden und eigene Anlagen hinzugekommen sind, statt nur zwei landesweite Gesamtzahlen zu vergleichen.

Gezählt wird der Ort, an dem neue Funktechnik installiert wurde. Das kann ein vorhandener Mast sein, den mehrere Unternehmen nutzen. Ein Standort ist deshalb nicht automatisch ein neu gebauter Mast. Nur neue Masten zu zählen würde Investitionen übersehen; alle Standorte als neue Masten auszugeben würde den Bauumfang übertreiben.

Gefragt sind außerdem die Ausgaben für die Expansion, ersatzweise die bestmögliche Schätzung, und weitere bis Mai 2030 geplante Standorte. Bereits installierte Technik, geschätzte Ausgaben und künftige Vorhaben müssen dabei unterscheidbar bleiben.

Kein Bauprogramm mit festen Quoten

Der Großhandelszugang für MVNO, also virtuelle Mobilfunknetzbetreiber, steht nicht jedem Wiederverkäufer offen. Die Entscheidung von 2022 verlangt unter anderem Frequenzrechte, ein eigenes Funk- und Kernnetz im Heimatgebiet sowie einen laufenden Mobilfunkdienst für Endkunden.

Die Regelung verändert für solche Anbieter die Reihenfolge beim Eintritt in weitere Gebiete. Sie müssen nicht mit dem ersten Kunden warten, bis sämtliche eigenen Anlagen stehen. Die Zugangspreise werden aber kommerziell ausgehandelt; bei gescheiterten Verhandlungen ist ein Schiedsverfahren nach dem Prinzip des letzten Angebots möglich. Konkrete Investitionsziele schrieb die Regelung nicht vor. Die aktuelle Abfrage prüft folglich keine Bauquote.

Aufschlussreich wird der Vergleich innerhalb desselben Gebiets und für passende Zeiträume sein. Wächst dort neben der Kundschaft auch das eigene Netz? Selbst wenn beides zunimmt, ist damit noch nicht gezeigt, dass der Zugang den Ausbau verursacht hat. Dafür braucht es einen plausiblen Vergleich mit dem Ausbau ohne diese Regelung. Ebenso wenig lassen sich aus Standorten Empfangsqualität oder aus Kundenzahlen Gewinne ablesen.

Die Berichtspflichten sind ein eigenes Thema

Parallel prüft die CRTC in einer gesonderten Konsultation, ob jährliche MVNO-Fortschrittsberichte bereits anderweitig erhobene Daten doppeln. Stellungnahmen sind bis zum 20. November möglich. Bisher wurden weder die Regeln geändert noch die einmalige Oktober-Abfrage aufgehoben.

Die Unternehmen müssen öffentliche, gekürzte Fassungen ihrer Unterlagen einreichen und begründen, was vertraulich bleiben soll. Ohne nachvollziehbare Definitionen und Zeitangaben wären auch veröffentlichte Zahlen nur begrenzt vergleichbar.

Im November sollte klarer werden, wo Kunden bereits gewonnen und Anlagen tatsächlich installiert wurden — und wo der Ausbau noch auf dem Papier steht. Diese Unterscheidung ist für den Blick auf 2030 nützlicher als die bloße Summe angekündigter Standorte.