Zusammenfassung

  • Von 99 Anfragen der Strafverfolgungsbehörden an das RIPE NCC im Jahr 2025 verlangten 81 die Identität von Nutzern hinter bestimmten IP-Adressen; das Register erklärt, diese Daten nicht zu besitzen.
  • Der Bericht trennt diese fehlenden Angaben von zehn Anfragen nach nichtöffentlichen Informationen, sechs nach öffentlichen Informationen, einer sachfremden Anfrage und einer Aufforderung zu einer konkreten Maßnahme.

Eine IP-Adresse wirkt wie eine Spur. Sie ist keine Kundenakte. 2025 forderten Strafverfolgungsbehörden das RIPE NCC 81-mal auf, Internetnutzer bestimmten Adressen zuzuordnen. Im Jahresbericht steht, dass die Registrierungsstelle diese Identitäten nicht liefern konnte. Stattdessen erläuterte sie ihre Rolle als Regional Internet Registry und zeigte, wie sich in der öffentlichen RIPE Database der für einen Adressblock eingetragene Ressourcennutzer finden lässt.

Die Fragen werden leicht vermischt, weil sie mit derselben Zahl beginnen. „Wer hat diese Adresse um 14:03 Uhr genutzt?“ und „Welche Organisation ist für diesen Block registriert?“ Eine IP kann beide Fragen auslösen. Die Antworten liegen in unterschiedlichen Datenbeständen.

Ein RIR verwaltet Internetnummernressourcen und deren Registrierungsdaten. Der öffentliche Datensatz kann den eingetragenen Ressourcennutzer nennen. Daraus wird das RIPE NCC weder zum Kundensystem jedes Zugangsanbieters noch zeigt ein Blockeintrag, wer eine bestimmte Sitzung verwendet hat. Die Adresse ist ein Hinweis; die Akte hat einen Besitzer.

Die Aufstellung für 2025 macht die Grenze sichtbar. Das RIPE NCC erhielt 99 Anfragen von Behörden. 81 betrafen Informationen, die es nicht hatte: die Identität von Internetnutzern zu bestimmten IP-Adressen. Zehn Anfragen zielten auf nichtöffentliche Informationen, sechs auf öffentliche Informationen, eine auf einen Sachverhalt außerhalb des RIPE NCC und eine auf eine bestimmte Maßnahme.

Bei den zehn Anfragen nach nichtöffentlichen Informationen zählten Rechtswirkung und Herkunft. Niederländische Behörden stellten acht verbindliche Anfragen; das RIPE NCC kam allen nach. Sie betrafen einen von einem Mitglied gesponserten End User, fünf aktuelle Mitglieder und zwei ehemalige Mitglieder. Zwei weitere, unverbindliche Anfragen kamen von Behörden außerhalb der Niederlande. Das RIPE NCC gab die nichtöffentlichen Daten nicht heraus, stellte öffentliche Informationen bereit und verwies auf den Weg über eine niederländische gerichtliche Anordnung.

Die sechs Anfragen nach öffentlichen Informationen betrafen Verfahren oder die Organisation selbst. Vier fragten nach dem Verfahren für nichtöffentliche Angaben, zwei nach den Sanktionsabläufen des RIPE NCC. Darauf konnte die Stelle mit veröffentlichten Regeln und Unterlagen antworten. Die Bitte um eine konkrete Maßnahme war anders gelagert: Eine ausländische Behörde wollte das in öffentlichen Einträgen geführte Land eines Mitglieds ändern lassen. Das RIPE NCC erklärte, dafür sei eine niederländische gerichtliche oder anderweitig nach niederländischem Recht vollstreckbare Anordnung nötig.

Die verfügbaren öffentlichen Angaben stützten die Behauptung der Behörde nicht.

Auch die Jahresreihe hat ihre Wendung. Von 2016 bis 2021 lag kein Jahr über 60 Anfragen. 2022 waren es 187, 2023 dann 200; danach sank die Zahl auf 115 im Jahr 2024 und 99 im Jahr 2025. Der Anstieg setzte sich nicht fort. Nach dem Höchststand sagt die Aufteilung mehr als die Gesamtsumme: Viele Anfragen zielten auf Datenbestände anderer Stellen, eine kleinere Gruppe erreichte die eigenen Akten und Rechtsverfahren des RIPE NCC.

Frankreich war 2025 mit 32 Anfragen das Land mit der höchsten Zahl. Laut RIPE NCC betrafen sie Informationen, die die Organisation nicht besaß. Die Zahl zeigt den Herkunftsort der Anfragen, nicht die Zahl der Fälle, Personen oder Ermittlungen. Der Bericht zählt Anfragen; genau diese Einheit veröffentlicht er.

Im Juli 2026 veröffentlichte das RIPE NCC das aktuelle Verfahren RIPE-865. Es unterscheidet öffentliche und vertrauliche Mitgliederdaten. Niederländische Behörden erhalten nichtöffentliche Informationen auf Grundlage einer verbindlichen niederländischen Anordnung; Behörden aus der EU können die eEvidence-Verordnung nutzen. Deren Vertraulichkeitsregeln untersagen dem RIPE NCC, Mitglieder zu benachrichtigen. Bei anderen Anordnungen gilt die Benachrichtigung als Grundsatz, sofern Gesetz oder Gericht sie nicht verbieten. Das RIPE NCC veröffentlichte dieses Verfahren 2026. Der Bericht von 2025 bleibt der Beleg für die Anfragen dieses Jahres.

Die praktische Folgerung ist weniger fernsehtauglich und deutlich nützlicher: Ein Register kann bestätigen, was in seinen eigenen Daten steht. Die Identität des Anschlussinhabers hinter einer Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt liegt bei einem anderen Datenhalter. Rechtliche Befugnis verschiebt keine Datensätze zwischen Organisationen. Die Anfrage muss den tatsächlichen Verwahrer erreichen und dessen geltendem Verfahren folgen.

Der Bericht des RIPE NCC veröffentlicht die Zahl der Anfragen, nicht die Zahl identifizierter Nutzer oder abgeschlossener Ermittlungen. Seine Aussage reicht dennoch weit: 81-mal wurde eine Art von Identität verlangt, die das RIR nach eigener Aussage nicht besaß. Damit ist die Grenze zwischen dem Nummernregister des Internets und den Kundendateien anderer Stellen sauber gezogen.

Quellen: RIPE NCC, Bericht über Anfragen von Strafverfolgungsbehörden 2025 (RIPE-854); RIPE NCC, Verfahren für Informationsanfragen, Anordnungen und Ermittlungen (RIPE-865).