Zusammenfassung
- Im Februar 2012 öffnete die British Library ihren Georeferencer-Piloten: Besucher markierten übereinstimmende Orte auf historischen Karten und Referenzkarten, um geografische Koordinaten zu gewinnen.
- Sofortige Ansichten, Prüfhilfen und sichtbare Beiträge unterstützten die Mitarbeit. Nach der Fallstudie der Projektverantwortlichen erledigten fünf Personen die Hälfte der ersten Runde; Mitarbeiter korrigierten anschließend Fehler.
Drei Punkte verlangte das Programm mindestens. Auf einer Karte der British Library setzte ein Teilnehmer 352. Die Zahl steht im Projektbericht vom November 2012 und lässt ahnen, wie wenig ein schlichtes „eine Karte fertig“ manchmal über geleistete Arbeit verrät. Hier hatte sich jemand offenkundig Zeit für die Gegend genommen.
Die Aufgabe bestand darin, Orte auf einer alten Karte mit denselben Stellen auf einer Referenzkarte zu verbinden. Solche Passpunkte gaben der Software eine Grundlage, um das historische Bild geografisch auszurichten. Daraus entstanden eine überlagerte Ansicht und Koordinaten, mit denen sich die Karte nach ihrem Gebiet finden ließ. Zur Webadresse kam eine maschinenlesbare Ortsangabe.
Der öffentliche Versuch begann im Februar 2012. Ausgewählt waren die Ordnance Survey Drawings von England und Wales und die Crace Collection mit Londoner Karten. Die bei der Bibliothek hinterlegte Fallstudie der Autoren beschreibt die Ausgangslage: Die Scans waren bereits online, die Suche stützte sich weitgehend auf Textbeschreibungen. Seit der Veröffentlichung im Jahr 2003 hatten Nutzer geografische Suchhilfen verlangt.
Die Projektankündigung vom 15. Februar 2012 bot zwei Einstiege. Man konnte sich eine zufällige Karte zuteilen lassen oder in der Online Gallery selbst eine auswählen. Wer eine bestimmte Gegend im Kopf hatte, konnte ihr folgen. Alle anderen bekamen von der Bibliothek einen Arbeitsausflug vorgeschlagen.
Im Browser standen historische Karte und Referenz nebeneinander. Ortssuche und Zoom halfen, passende Stellen zu finden. Die Suchergebnisse wurden auf das Vereinigte Königreich begrenzt, weil viele britische Ortsnamen auch anderswo vorkommen. Die menschliche Vorliebe für wiederverwendbare Namen hatte der Suchfunktion eine kleine Zusatzaufgabe beschert.
Die Anmeldung wartete bis zum Speichern der erledigten Arbeit. Nutzer konnten ein vorhandenes Konto bei Google, Facebook oder Twitter verwenden oder eines mit einer E-Mail-Adresse anlegen. Die Autoren erklären diese Reihenfolge mit dem Aufwand, den eine Registrierung verursachen kann. Der Besucher durfte erst ausprobieren, ob die Karte ihn interessierte. Das Formular musste sich etwas gedulden.
Nach dem Speichern zeigte die Visualisierung das historische Blatt über Google-Earth-Bildern im Browser; dafür war damals das entsprechende Plug-in nötig. Die eigenen Punkte lieferten also unmittelbar etwas zu sehen. MapAnalyst ergänzte rote Kreise und ein Verzerrungsgitter, die Unstimmigkeiten sichtbar machten. Der Nutzer konnte das Ergebnis seiner Auswahl prüfen und erkennen, wo es sich genauer hinzuschauen lohnte.
Die Fallstudie beziffert die Beteiligung der ersten Runde auf ungefähr 90 Personen. In weniger als einer Woche war die Arbeit erledigt. Die fünf aktivsten Teilnehmer hatten die Hälfte übernommen. Später besuchten alle fünf die Bibliothek, wo Mitarbeiter ihnen danken und von ihren Erfahrungen hören konnten. Die Einladung galt dem ganzen Netz, ein erheblicher Teil der Arbeit lag bei wenigen ausdauernden Menschen.
Für die Bibliothek folgte noch eine weitere Runde Arbeit. Mitarbeiter korrigierten Fehler von Hand, die durch Berichte und Visualisierungen aufgefallen waren. Die Autoren beschreiben diesen Vorgang als vergleichsweise aufwendig. Das Ziel waren geografische Metadaten für die Suche; innerhalb weniger Tage gelangten die Koordinaten in das Portal Old Maps Online. Die digitalisierten Bilder bekamen damit einen zusätzlichen Zugang.
Bei der zweiten Veröffentlichung im Oktober 2012 änderte sich die Zählweise für Beiträge: Erfasste Punkte ersetzten fertiggestellte Karten. Laut Novemberbericht wurden ungefähr 700 Karten in sechs Tagen georeferenziert. Der Zähler berücksichtigte nun mehr von der Arbeit innerhalb eines einzelnen Blatts.
Ein Scan hatte die alten Karten auf Bildschirme gebracht. Die Mitarbeit verband sie anschließend mit Orten, Rückmeldungen und Korrekturen. Wer später in einer Gegend suchte, konnte dadurch auf eine Karte stoßen, deren Textbeschreibung er vielleicht nie eingegeben hätte. Nach der Wegauskunft durch die Leser wusste auch der Katalog besser Bescheid.
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