Zusammenfassung
- Die FICS-Hilfe vom September 1995 erklärte, dass die Übertragung von Zügen und Stellungen Zeit auf der Spieleruhr verbrauchen konnte. Zugeständnisse des Gegners blieben freiwillig.
- Timeseal erfasste die Bedenkzeit und nahm die Übertragungszeit aus der Abrechnung. Die amtlichen Uhren führte der Server; der Spieler brauchte eine passende und tatsächlich benutzte Verbindung über das Hilfsprogramm.
Eine Null auf der Schachuhr sieht nach einem ziemlich eindeutigen Befund aus. Beim frühen Internetschach musste man gelegentlich noch fragen, wessen Null das war. Die Zahl auf dem eigenen Bildschirm konnte vom offiziellen Zeitstand abweichen. Selbst das Ende der Bedenkzeit hatte einen Übertragungsweg.
So erklärt es die FICS-Hilfe zum Befehl „flag“, überarbeitet im November 1995. Der Server führte die maßgeblichen Uhren und übermittelte die Zeitstände nach den Zügen erneut. Verzögerungen und das Programm Timeseal konnten Unterschiede zur lokalen Anzeige verursachen. Der Bildschirm zeigte eine Ansicht des Geschehens, die selbst von der Verbindung abhing.
Wer einen Zeitablauf reklamierte, ließ deshalb beide Uhren auf dem Server prüfen. Hatte der Gegner keine Zeit mehr und der Antragsteller noch welche, wurde ein Sieg beansprucht. Waren beide Zeiten abgelaufen, ging es um ein Remis. Hatte der Gegner noch Zeit, kam eine Fehlermeldung. Automatisches Reklamieren war ebenfalls erlaubt. Eine klare Regel brauchte einen klaren Ort, an dem die Zeit galt.
Free Internet Chess Server, kurz FICS, datierte seine damalige Form in der FAQ vom Juli 1998 auf März 1995. Seine Hilfetexte zeigen, welche Alltagsfragen das Spielen über das Netz aufwarf. Figuren ließen sich übertragen. Schwieriger war die Rechnung für die Sekunden unterwegs.
Die Hilfe zu Netzverzögerungen vom September 1995 beschrieb die Ursache: Züge und Stellungen benötigen Übertragungszeit, und diese kann die Uhr eines Spielers belasten. In einer Partie mit Zeitbegrenzung ist die Bedenkzeit ohnehin knapp bemessen. Nun nahm sich auch noch die Leitung einen Anteil. Sie hatte keinen einzigen guten Zug gefunden, stellte aber ihre Rechnung.
Die vorgeschlagenen Gegenmittel waren zunächst pragmatisch. Längere Partien wählen. Den Zeitbonus erhöhen, der mit jedem Zug hinzukommt. Bei schlechter Verbindung vorübergehend ohne Wertung spielen. Oder den Gegner informieren. Dieser konnte Zeit hinzufügen, mit der Reklamation warten, einem Abbruch oder einer Vertagung zustimmen. Er durfte ebenso normal weiterspielen. Die Anleitung überließ die Großzügigkeit ausdrücklich dem Menschen auf der anderen Seite.
Timeseal änderte die Berechnung. Der im August 1995 verfasste und im Mai 1998 überarbeitete Hilfetext beschreibt ein Zwischenprogramm, das Übertragungszeiten verfolgte und die Bedenkzeit aufzeichnete. Die Zeit auf dem Netzweg konnte dadurch aus dem Verbrauch des Spielers herausgehalten werden. Die Leitung blieb langsam; ihr Zeitbedarf erhielt einen anderen Platz in der Buchführung.
Damit das funktionierte, musste die Verbindung durch dieses Programm laufen. Einige Benutzeroberflächen brachten Timeseal mit. Andere benötigten eine passende Fassung auf dem Rechner, der die Verbindung zum Schachserver herstellte. Die Unix-Anleitung, zuletzt im April 1998 überarbeitet, enthielt eine Plattformliste mit Stand Januar 1996. Sie reichte über Varianten von AIX, BSD und Linux bis zu NeXTSTEP, SunOS und weiteren Systemen.
Der Spieler musste also sein System bestimmen, das passende Programm besorgen und die Schachoberfläche entsprechend verbinden. Bei einem lokal laufenden Zwischenprogramm bedeutete das: Die Oberfläche musste sich an dieses Programm auf dem eigenen Rechner wenden. Eine direkte Verbindung zum entfernten Schachserver umging Timeseal. Ein korrekt heruntergeladenes Hilfsmittel konnte so vollkommen unbeteiligt auf der Festplatte liegen.
Die FAQ verwies Nutzer zunächst an die Hilfedateien und anschließend an den Hilfekanal 1. Diese Unterstützung gehörte zur praktischen Umsetzung der Zeitregel. Zwischen einer Idee von gerechter Bedenkzeit und einer laufenden Partie lagen Betriebssysteme, Programme und eine Adresse in den Verbindungseinstellungen.
FICS bot damit zwei Antworten auf denselben Ärger. Ein Spieler konnte um Entgegenkommen bitten. Oder er konnte die Verbindung so einrichten, dass das System anders zählte. Der Server entschied weiterhin über die offiziellen Uhren. Timeseal half dabei, überhaupt zu bestimmen, welche Sekunden auf ihnen zu Lasten des Spielers vergehen sollten. Für eine Leitung mit ausgeprägtem Hang zum Trödeln war das eine überfällige Trennung der Konten.
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