Zusammenfassung

  • Im Brief vom 26. Februar 1996 forderte Pierre Omidyar die AuctionWeb-Gemeinde auf, sich anzumelden und Lob wie Beschwerden öffentlich zu machen. Er nannte knapp 10.000 Auktionen und wenige Dutzend Beschwerden seit dem Start.
  • Im Bericht für 1998 mussten neue Konten fünf Tage auf das Bewertungsrecht warten; ein Konto durfte die Nettobewertung eines anderen höchstens um einen Punkt verändern. eBays SafeHarbor-Gruppe wurde mit 28 Beschäftigten und Auftragnehmern beschrieben.
  • Der Bericht für 1999 band Bewertungen an konkrete abgeschlossene Geschäfte zwischen Handelspartnern und nannte 182 SafeHarbor-Mitarbeiter. Konten sperren konnte eBay, Zahlung oder Lieferung erzwingen konnte es laut eigener Angabe nicht.

Der gute Ruf sollte aus öffentlicher Erfahrung entstehen

Die Plattform kannte die Ware nicht so wie der Käufer, der sie ausgepackt hatte. Sie konnte aber dessen Erfahrung dem nächsten Käufer zeigen. Genau dazu lud Pierre Omidyar im Originalbrief vom 26. Februar 1996 auf eBays Website ein. Nutzer sollten Lob und Beschwerden offen aussprechen. Er sprach von beinahe 10.000 Auktionen und nur einigen Dutzend Beschwerden in etwa sechs Monaten. Das waren zeitgenössische Zahlen des Gründers, keine unabhängig geprüfte Betrugsquote.

Aus einem privaten Tausch wurde damit ein öffentlich lesbarer Hinweis. Wer vor dem ersten Gebot wissen wollte, ob ein unbekannter Verkäufer schon geliefert hatte, sollte frühere Partner fragen können, ohne sie persönlich zu kennen. Käufer und Verkäufer lieferten die Berichte. eBay stellte das Profil bereit. Mit jedem neuen Geschäft konnte diese Geschichte nützlicher werden. Die Gesellschaft musste nicht selbst jede Sendung öffnen und jede Überweisung kontrollieren, um den Handel mit Fremden zu erleichtern.

Ein wertvoller Ruf zieht allerdings Manipulation an. Ein Nutzer kann sich mit Zweitkonten selbst empfehlen oder einem Rivalen mehrfach schaden. Eine schlechte Note kann einen tatsächlichen Mangel beschreiben oder eine Waffe in einem Streit sein. Sobald das Profil über den nächsten Verkauf mitentscheidet, wird die Herstellung des Profils zur geschäftlichen Frage. eBay musste nicht nur Händler beobachten lassen, sondern auch bestimmen, welche Beobachtungen in die Wertung eingehen.

Die Stimme bekam eine Uhr und eine Obergrenze

Im Form 10-K für 1998, im März 1999 bei der SEC eingereicht, schilderte eBay Profile mit Lob, Kritik und weiteren Kommentaren. Hinweise zu einzelnen Geschäften ließen sich von allgemeinen Kommentaren unterscheiden. Ein farbiger Stern verdichtete angesammelte positive Bewertungen. Leser konnten das Profil vor einem Gebot oder vor der Entscheidung über Zahlung und Versand prüfen.

Der Bericht erklärte zugleich die Regeln hinter dem Zeichen. Selbstlob über andere Konten und gehäufte negative Einträge unter mehreren Identitäten waren untersagt. Unabhängig von der Zahl seiner Kommentare konnte ein einzelnes Konto die Nettowertung einer anderen Person nur um einen Punkt verändern. Erst nach fünf Tagen Registrierung war ein Konto zum Bewerten berechtigt. Eine ausreichend schlechte Nettowertung konnte zur Sperre führen. Der offene Appell von 1996 war in eine kontrollierte Stimmenzählung übergegangen.

Auch Menschen saßen an dieser Schnittstelle. Für SafeHarbor nannte der Bericht 28 Personen, darunter Angestellte und Auftragnehmer. Sie untersuchten Beschwerden über manipulierte Gebote, böswillige negative Bewertungen und rechtswidrige Angebote. Auf eine formelle schriftliche Betrugsmeldung folgte nach Darstellung des Unternehmens gewöhnlich eine Kontosperre. Das war eine echte Sanktion innerhalb des Dienstes. eBay erklärte aber ebenfalls, Verkäufer und Bieter nicht zum Abschluss des Geschäfts zwingen zu können.

Das Form 10-K für 1999, eingereicht im März 2000, beschreibt eine enger gefasste Berechtigung. Eine jüngste Änderung band die Bewertung an ein bestimmtes abgeschlossenes Geschäft; nur dessen Handelspartner durften einander beurteilen. Die Ein-Punkt-Grenze blieb bestehen. SafeHarbor umfasste laut diesem Bericht 182 Personen für Ermittlungen, Beobachtung der Gemeinschaft und Betrugsprävention. Die Zahl registrierter Mitglieder stieg von rund 2,1 Millionen Ende 1998 auf über 10 Millionen Ende 1999. Die Berichte ordnen den Personalzuwachs nicht allein Bewertungsmissbrauch zu. Dafür wäre eine interne Aufstellung der Aufgaben nötig.

Eine Sperre verschickt kein Paket

Der Bericht für 1999 trennte den Schutz des Marktes vom Ersatz eines Schadens. eBay konnte Konten säumiger Nutzer sperren. Es konnte die Zahlung oder Lieferung nicht erzwingen und einen Geschädigten nur im Rahmen einer begrenzten Versicherung entschädigen. Außerhalb dieses Programms ersetzte es Nutzern, die sich betrogen fühlten, den Verlust nicht. Die negative Bewertung war eine Warnung für das nächste Geschäft, keine Rückabwicklung des letzten.

Das Unternehmen tat also mehr als nur ein Meinungsforum anbieten. Es setzte technische Grenzen, ließ Beschwerden prüfen und kontrollierte den Zugang. Gerade diese Arbeit macht die Konstruktion sichtbar: Die Gemeinschaft erzeugte Informationen über ihre Mitglieder. eBay legte fest, wer diese Informationen liefern durfte und welche Folgen eine schlechte Bilanz hatte. Der Gründer wollte Öffentlichkeit als Gegenmittel zum Risiko. Das wachsende Unternehmen musste die Regeln dieser Öffentlichkeit selbst verwalten.

Quellen