Zusammenfassung

  • UserLand Software übertrug am 15. Juli 2003 seine RSS-2.0-Spezifikation an das Berkman Center. Dessen Mitteilung vom 17. Juli stellte den Text unter Creative Commons Attribution/ShareAlike und kündigte einen unabhängigen Beirat an.
  • Das Format war nicht Teil der Übertragung: UserLand hatte laut Berkman schon zuvor erklärt, es nicht zu besitzen. Die Fassung 2.0.1 erklärte den Kern praktisch für eingefroren; neue Funktionen sollten in Modulen, Namensräumen oder neuen Formaten entstehen.

Wer das Regelbuch besitzt, besitzt noch lange nicht die Maschinen, die nach ihm arbeiten. Das Berkman Center teilte am 17. Juli 2003 mit, UserLand habe ihm zwei Tage zuvor das Eigentum an der RSS-2.0-Spezifikation übertragen. Der vormals urheberrechtlich gebundene Text durfte nun unter Creative Commons Attribution/ShareAlike angepasst, auszugsweise verwendet und neu veröffentlicht werden. Berkman fügte eine entscheidende Grenze hinzu: UserLand hatte Eigentum am beschriebenen Format ausdrücklich verneint. Das Format wechselte keinen Eigentümer.

Bei RSS war diese Grenze technisch greifbar. Die Spezifikation bei Berkman beschreibt XML-Dateien mit einem äußeren Element rss, das Version 2.0 angibt. Darin liegt ein channel mit mindestens Titel, Link und Beschreibung. Eine Website konnte solche Dateien schreiben, ein Programm sie abrufen und lesen. Die Übertragung des erklärenden Texts ließ diese Software unverändert weiterarbeiten.

Der Text war dennoch ein wertvoller Gegenstand. UserLand hatte ihn verfasst und stellte Werkzeuge her, die RSS-Dateien erzeugten und nutzten. Die alten Hinweise zu Copyright und Haftung blieben bei Harvard als Archiv erhalten; für die neue Veröffentlichung der Spezifikation galten sie nicht mehr. Entwickler bekamen damit eine offen weitergebbare Referenz, statt bei jeder Weiterverwendung des Handbuchs an eine einzelne Softwarefirma gebunden zu sein.

Mit dem Dokument entstand ein unabhängiger Beirat. Zu seinen ersten Mitgliedern gehörten Dave Winer, Autor der Spezifikation, Jon Udell und Brent Simmons. Berkman beschrieb seine Aufgabe als Förderung des Verständnisses von RSS und Anleitung für Anwendungsentwickler. Der Beirat konnte die öffentliche Beschreibung pflegen. Er konnte aber bereits installierten Feed-Readern keine neue Grammatik aufzwingen. Ob seine Arbeit Folgen hatte, hing von denen ab, die Programme schrieben und veröffentlichten.

Die archivierte Spezifikation 2.0.1 band die Pflege zusätzlich an einen technischen Kompromiss. Ihr Fahrplan erklärte den RSS-Kern für praktisch eingefroren. Fassungen mit Nummern wie 2.0.2 oder 2.0.3 sollten Klarstellungen liefern, keine neuen Kernfunktionen. Erweiterungen gehörten in Module mit Namensräumen oder in anders benannte neue Formate. So mussten bestehende Leser ihren gemeinsamen Wortschatz nicht verlieren, während Entwickler am Rand Neues ausprobieren konnten.

Die Übergabe ordnete also drei Tätigkeiten. Berkman veröffentlichte und lizenzierte das Dokument. Der Beirat half beim Deuten und Pflegen. Publisher und Entwickler von Readern entschieden, welche Dateien sie in der Praxis erzeugten und akzeptierten. Wer diese Aufgaben zu einer einzigen Herrschaft über RSS zusammenzog, machte aus einem Urheberrechtsgeschäft einen Befehl an fremde Software. Die Mitteilung von 2003 gab dafür gerade keinen Anhaltspunkt.

Der eigentliche Gewinn war unspektakulär und dauerhaft. Das Handbuch bekam eine öffentliche Adresse und eine Wiederverwendungslizenz. Sein Kern versprach Stabilität. Die Feeds brauchten für diese Übergabe keine Pause, weil ihre Verständigung in Dateien und laufenden Programmen steckte.

Originaldokumente