Summary
- Ofcom verhängte gegen Tismi eine Geldbuße von 437.500 Pfund: Kunden wurden vor der Weitergabe von Rufnummern nicht angemessen geprüft, Risiken danach nicht ausreichend überwacht und Missbrauchsmeldungen nicht systematisch dokumentiert.
- Rund 366.000 weitergegebene Nummern waren nach Angaben der Aufsicht mehr als zwei Jahre einem möglichen Missbrauch ausgesetzt. Tismi muss nun die neuen Kontrollverfahren belegen.
Wer einen Alarmruf rasch beantwortet, hat deshalb noch kein Alarmsystem. Im abgeschlossenen Verfahren gegen Tismi erkennt Ofcom ausdrücklich an, dass das Unternehmen auf Fragen und Beschwerden externer Stellen zügig reagierte. Zugleich fehlte ein förmliches, dokumentiertes Verfahren, um Hinweise auf Rufnummernmissbrauch zuverlässig zu bearbeiten und festzuhalten. Das war eine von drei Beanstandungen, die am 21. Oktober in eine Geldbuße von 437.500 Pfund mündeten.
Ofcom weist britische Rufnummern zunächst Telekommunikationsanbietern zu. Diese können sie an Geschäftskunden weitergeben. Die Pflichten des ursprünglichen Zuteilungsinhabers bleiben dabei bestehen. Tismi gab nach den Feststellungen der Aufsicht vom 15. November 2022 bis mindestens zum 1. Januar 2025 Nummern ohne angemessene Prüfung der Kunden und des vorgesehenen Einsatzes weiter. Danach fehlten ausreichende Abläufe, um das Missbrauchsrisiko erneut zu bewerten, die Nutzung zu beobachten und Regelverstöße aufzugreifen. Auch für eingehende Hinweise gab es keinen belastbaren schriftlichen Weg.
Die Nummer wanderte weiter, die Aufsichtspflicht blieb zurück.
Laut Ofcoms Mitteilung waren etwa 366.000 weitergegebene Rufnummern mehr als zwei Jahre einem möglichen Missbrauch ausgesetzt. Die Ermittler fanden Hinweise auf belästigende und betrügerische Anrufe mit einem Teil dieser Nummern. Im Juni 2025 ordnete Ofcom die Sperrung von Anrufen und Nachrichten für bestimmte Mobilnummern an; Tismi setzte sie um. Diese Sperre griff an einzelnen Nummern, während das abgeschlossene Verfahren die Kontrollarbeit vor und nach jeder Weitergabe prüfte.
Auch der Bußgeldbetrag erzählt etwas über die Entscheidung. Ofcom setzte zunächst 625.000 Pfund an und gewährte wegen des Schuldeingeständnisses und ersparter Ermittlungsarbeit einen Nachlass von 30 Prozent. Die verbleibenden 437.500 Pfund fließen an die britische Staatskasse. Kooperation und wenige Monate nach der Benachrichtigung eingeführte Abhilfemaßnahmen wurden ebenfalls berücksichtigt. Tismi muss nun belegen, wie es Kunden prüft, Risiken laufend überwacht und Missbrauchsmeldungen nach den neuen Regeln bearbeitet.
Der Ofcom-Leitfaden zur Weitergabe von Nummern erschien im November 2022, am Anfang des beanstandeten Zeitraums. In diesem Fall wurden seine Grundsätze zu überprüfbaren Fragen: Wer wurde vor der Übergabe geprüft? Was wurde danach beobachtet? Wo landete eine Warnung, und welche Handlung folgte?
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