Zusammenfassung
- Der Vorschlag verbindet die Nutzung von State Trust Companies mit anfänglichen und jährlichen Prüfungen ihrer rechtlichen Befugnisse und Schutzvorkehrungen durch Anlageberater und erfasste Fonds.
- Finanzabschluss und interner Kontrollbericht erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Am 26. Oktober 2026 handelt es sich weiterhin um einen Entwurf; Stellungnahmen sind bis zum 7. Dezember möglich.
Wer Kryptoanlagen für Kunden verwahren lässt, möchte die wirtschaftliche Lage des Verwahrers kennen. Ein testierter Jahresabschluss gehört deshalb zu den nützlichen Unterlagen. Nur beantwortet er nicht automatisch die Frage, wer auf die privaten Schlüssel zugreifen und damit eine Übertragung von Vermögenswerten ermöglichen kann.
Diese Lücke erklärt einen wesentlichen Teil des SEC-Vorschlags vom 1. Oktober. Für die Verwahrung über State Trust Companies sollen Anlageberater und bestimmte regulierte Fonds unterschiedliche Nachweise zusammenführen: über rechtliche Befugnisse, finanzielle Berichterstattung und die tatsächlich wirksamen Verwahrkontrollen. Ihre Entscheidung müssten sie dokumentieren und jährlich überprüfen.
Erst die Befugnis, dann der Auftrag
State Trust Companies sind nach dem Recht eines US-Bundesstaats errichtete Treuhandgesellschaften. Für den vorgeschlagenen Weg müssten sie unter Aufsicht und Prüfung einer einzelstaatlichen Bankenaufsichtsbehörde stehen und zur Ausübung treuhänderischer Befugnisse berechtigt sein.
Damit wäre die Arbeit des Auftraggebers noch nicht erledigt. Nach Abschnitt II.C des Entwurfs im Federal Register müsste der Anlageberater oder Fonds nach angemessener Erkundigung schriftlich feststellen, dass er eine vernünftige Grundlage für die Annahme hat, die Gesellschaft dürfe nach dem einschlägigen einzelstaatlichen Rechtsrahmen Kryptoanlagen verwahren. Diese Feststellung wäre vor Beauftragung und danach jährlich erforderlich.
Es geht also um die Befugnis für das konkrete Geschäft. Eine Rechtsauskunft oder eine Bestätigung des Unternehmens könnte neben anderen Nachforschungen helfen. Der Entwurf macht daraus keinen automatischen Ersatz für die eigene Beurteilung. Ebenso wenig verlangt er eine grenzenlose Untersuchung oder die Entdeckung sämtlicher denkbarer Risiken.
Gesellschaften, die bereits die jeweils geltende Definition einer Bank erfüllen, könnten den bestehenden Weg weiter nutzen. Die neue Regelung wäre weder Beleg für ein heutiges Verbot sämtlicher State Trust Companies noch eine pauschale Zulassung aller Unternehmen mit einzelstaatlicher Erlaubnis. Sie beträfe Kryptoanlagen sowie damit verbundene Barmittel und Zahlungsmitteläquivalente.
Vom Aktenordner zum Schlüsselzugriff
Der zweite Teil der Beurteilung führt in den Betrieb. Der Berater oder Fonds müsste vernünftige Gründe für die Annahme haben, dass die Gesellschaft schriftliche Schutzvorkehrungen gegen Diebstahl, Verlust, Missbrauch und Veruntreuung vorhält und umsetzt. Die Verwaltung privater Schlüssel und die Cybersicherheit wären dabei unverzichtbare Themen.
Die SEC nennt anschauliche Prüffragen: Wie werden Schlüssel erzeugt? Wer darf auf das Schlüsselmaterial zugreifen? Wo liegt es? Wie viele Personen müssen eine Transaktion freigeben? Damit lässt sich die Aussage „sichere Verwahrung“ in überprüfbare Abläufe zerlegen.
Diese Beispiele sind jedoch keine verbindliche Einheitsarchitektur. Der Vorschlag schreibt nicht jedem Anbieter dieselbe Speichertechnik oder eine feste Zahl von Freigaben vor. Entscheidend wäre, ob die Vorkehrungen des jeweiligen Unternehmens angemessen gestaltet sind und tatsächlich angewandt werden. Neue Technik und neue Angriffe können diese Beurteilung verändern.
Hier kommen die zwei Arten unabhängiger Prüfung ins Spiel. Vor Beginn der Geschäftsbeziehung und danach jährlich müssten Berater oder Fonds den jüngsten Jahresabschluss erhalten und prüfen. Sie müssten sich vergewissern, dass er nach US-Rechnungslegungsgrundsätzen erstellt und von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft wurde. Daneben stünde ein Bericht über interne Verwahrkontrollen für das laufende oder vorangegangene Kalenderjahr. Dessen Prüfungsurteil müsste sich auf die wirksame Gestaltung, Implementierung und Durchführung der Kontrollen während des Berichtszeitraums beziehen.
Das eine Dokument kann das andere nicht ersetzen. Die Verlässlichkeit der Rechnungslegung und die Funktionsfähigkeit von Verwahrkontrollen sind verschiedene Bestandteile einer verantwortbaren Auswahl.
Warum der Kalender wichtig wird
Die Trennung von Kundenvermögen und eigenem Vermögen der Gesellschaft gehört ebenfalls zu den vorgeschlagenen Bedingungen. Sie setzt ein langjähriges Verwahrprinzip fort. Fragen nach zusätzlichen Versicherungs- oder Reserveanforderungen sind dagegen Gegenstand der Konsultation und dürfen nicht als bereits beschlossene Pflichten dargestellt werden.
Mit der jährlichen Wiederholung würde die anfängliche Auswahl zur laufenden Aufgabe. Änderungen des einzelstaatlichen Rechts können die rechtliche Grundlage verschieben; Veränderungen bei Technik und Bedrohungen können die Schutzmaßnahmen betreffen. Erneuert würde die Begründung dafür, den Verwahrer weiter zu nutzen, nicht dessen staatliche Erlaubnis. Bestehende treuhänderische Sorgfaltspflichten des Anlageberaters bei Auswahl und Überwachung blieben bestehen.
Für den Anbieter könnte die regelmäßige Bereitstellung brauchbarer Nachweise damit zu einem wichtigen Teil der Kundenbeziehung werden. Für den Berater bestünde die Kunst darin, die Unterlagen zusammenzulesen, ohne ihre Aussagekraft zu verwechseln. Ein Rechtsgutachten erläutert Befugnisse; es dokumentiert nicht, wie der Schlüsselzugriff im vergangenen Jahr funktioniert hat.
Noch ist das ein Vorschlag. Die SEC nennt den 7. Dezember 2026 als Ende der Kommentierungsfrist. Der Fondsweg erfasst Management-Investmentgesellschaften und Business Development Companies, nicht jede Fondsform. Er ist Teil eines größeren Pakets, das auch die Eigenverwahrung von Kryptoanlagen behandelt.
Ein guter Abschluss bleibt wertvoll. Der Entwurf macht nur deutlich, welche zusätzliche Arbeit nötig wäre, bevor aus Vertrauen in die Bücher Vertrauen in die Verwahrung werden kann.
Aktualisierung vom 26. Oktober 2026: Die zuvor zugeordnete thailändische SEC wurde durch die für diesen Vorschlag zuständige US-SEC ersetzt. Ursprüngliche URL und Veröffentlichungsdatum bleiben erhalten; die vorgeschlagenen Bedingungen werden ausführlicher erläutert.
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