Zusammenfassung
- Napsters Server sammelten Dateinamen aus den Bibliotheken verbundener Nutzer in einem gemeinsamen Index.
- Nach einem Treffer übertrugen zwei Nutzer die MP3 direkt zwischen ihren Rechnern.
Die MP3 lag nicht auf Napsters Server. Trotzdem führte der Weg zur Datei zunächst dorthin. Dieser Umweg war kein Detail der Technik, sondern der entscheidende Unterschied zwischen dem Ort einer Datei und dem Ort ihrer Auffindbarkeit.
Der MusicShare-Client erfasste die MP3-Dateien in der lokalen Bibliothek und übermittelte deren Namen an Napster. Die Server führten die Angaben in einem gemeinsamen Verzeichnis zusammen, das sich mit den verbundenen Nutzern änderte. Eine Suchanfrage wurde mit Dateinamen abgeglichen, nicht mit dem Toninhalt. Wählte der Nutzer einen Treffer aus, lieferte Napster die Internetadresse des Rechners, der die Datei anbot. Anschließend verbanden sich die beiden Clients direkt; die Datei kam vom Rechner des anderen Nutzers. Das Berufungsgericht des Ninth Circuit beschreibt den Ablauf 2001 auf den Seiten 3 bis 6.
Damit verteilte Napster Speicherung und Übertragung, bündelte aber die Suche. Die Nutzer stellten Festplattenplatz und Verbindung bereit. Napster hielt das Verzeichnis, das die verstreuten Dateien auffindbar machte. Der Dienst war also kein zentraler Musikserver. Ein Netzwerk ohne Mittelpunkt war er ebenfalls nicht.
Gerade dieses Verzeichnis war eine Stelle, an der der Betreiber handeln konnte. Der Ninth Circuit prüfte 2001 eine einstweilige Verfügung; über Napsters endgültige urheberrechtliche Haftung entschied er dabei nicht. Das Gericht stellte fest, dass das bloße Bestehen des Systems ohne konkrete Kenntnis und unterlassene Entfernung für eine Beihilfehaftung nicht genügte. Zugleich konnte Napster seinen Index durchsuchen und Nutzer ausschließen. Die geänderte Verfügung verlangte von Rechteinhabern konkrete Angaben zu geschützten Werken und Dateien. Napster sollte im Rahmen dessen handeln, was sein System leisten konnte.
Dieser Rahmen war eng. Laut Aktenlage schien Napster keinen Zugriff auf den Inhalt der MP3-Dateien zu haben. Die Nutzer wählten ihre Dateinamen selbst; sie konnten falsch oder irreführend sein. Ein Indexeintrag belegte, dass ein Name gemeldet worden war, nicht dass auf dem entfernten Rechner die richtige Aufnahme lag. Trotzdem konnte Napster einen Treffer aus der Suche nehmen oder einem Konto den Zugang verwehren. Kontrolle über den gemeinsamen Zugang bedeutete nicht Kontrolle über jede fremde Festplatte.
„Peer-to-Peer“ beschreibt den letzten Abschnitt des Weges: Rechner zu Rechner. Es sagt wenig darüber, wie beide Seiten einander fanden. Die Suche hing an einem gemeinsamen Index. Wer die Übertragung dezentralisiert, verteilt damit noch nicht automatisch die Macht über Sichtbarkeit und Teilnahme.
Auch das Ende verlangt eine genaue Formulierung. Napster stellte den Dienst im Juli 2001 ein, nachdem das Unternehmen eine geänderte einstweilige Verfügung nicht eingehalten hatte; im Juni 2002 beantragte es Insolvenz. 2007 hielt der Ninth Circuit fest, dass Napsters endgültige urheberrechtliche Haftung nie abschließend entschieden worden war. Die Schließung war also kein abschließendes Urteil, wonach schon der zentrale Index für sich rechtswidrig gewesen sei.
Der Song wechselte direkt zwischen Nutzern. Der Weg zu ihm führte über Napster. Die Architektur machte genau diese Trennung zugleich zum Nutzen des Produkts und zum Ansatzpunkt der gerichtlichen Kontrolle.
Primärquellen
- A&M Records, Inc. v. Napster, Inc., 239 F.3d 1004 (9th Cir. 2001), pp. 3–6, 45–46
- In re Napster, Inc., Nos. 06-15886 et al. (9th Cir. 2007), p. 3073
- In re Napster, Inc. Copyright Litigation, Document 935 (N.D. Cal. 2006), p. 4
Die Entscheidung des Bezirksgerichts von 2006 dient hier nur als Beleg für eine gesonderte These zur unmittelbaren Verbreitung durch Indexierung in einem anderen Verfahren; sie entscheidet nicht über die Fragen des Eilverfahrens von 2001.
Mitgliederbriefing
Detaillierter Profilkontext
Melden Sie sich mit der richtigen Mitgliedschaftsstufe an, um das vollständige Briefing und die Quellennotizen freizuschalten.
Nur für den Strategischen Kreis
Strategic Circle
Offen für alle Leser. Schalten Sie Profil-Briefings nach Beitritt und Anmeldung frei.
Strategic Circle beitretenNur für Leadership Alliance
Leadership Alliance
Für qualifizierte Inhaber von IP-Assets und Management; melden Sie sich an, um Leadership-Alliance-Briefings freizuschalten.
Leadership Alliance beitreten





