Zusammenfassung
- Die Library of Congress meldete jährliche Kontogebühren von 24,95 Dollar für Flickr Pro; die Betreuung der Community beanspruchte wöchentlich 15 bis 20 Stunden einer Fachkraft oder ihrer Vertretung.
- Bis August 2008 waren mehr als 500 Katalogeinträge durch geprüfte Beiträge ergänzt worden. Die verbesserten Angaben gingen anschließend zurück an Flickr.
Die Rechnung passte in jede Westentasche: 24,95 Dollar im Jahr für ein Flickr-Pro-Konto mit unbegrenzten Foto-Uploads. Die Library of Congress bekam 2008 dafür Gesellschaft für ihre alten Bilder. Menschen erkannten Orte, entzifferten Namen und wussten Dinge, die im Katalog noch fehlten.
Die Gesellschaft brachte Hausaufgaben mit.
Unter einem Foto hatte lediglich „Reid Funeral“ gestanden. Nun ließ sich die Menschenmenge vor der Cathedral of St. John the Divine in New York zuordnen: Sie gehörte zur Beisetzung von Whitelaw Reid, dem amerikanischen Botschafter in Großbritannien. Ein Bild des Sylvia Sweets Tea Room wiederum lockte Erinnerungen aus der Familie des Restaurantbesitzers hervor. Die Mitteilung der Bibliothek vom Dezember 2008 schilderte beide Erträge: genauere Beschreibungen und persönliche Geschichten, die den Bildern wieder Leben gaben.
Die Leute waren längst dort
Der Versuch begann am 16. Januar 2008 mit zwei Beständen. Die Pressefotos aus der Bain-Sammlung hatten oft knappe Beschreibungen; die FSA/OWI-Farbaufnahmen waren bereits teilweise nach Themen erschlossen. Digitalisierte Bilder und Katalogdaten besaß die Bibliothek schon. Auf Flickr traf sie auf Menschen, die Fotos ansahen, verschlagworteten und besprachen. Sie konnte ihre Bilder zu diesem Publikum bringen.
Der Projektbericht vom Oktober 2008 verzeichnete bis Ende Oktober 67.176 von der Community vergebene Tags und 7.166 Kommentare. Hinter diesen Zahlen steckten verschiedene Leistungen. Ein Schlagwort erleichterte die Suche. Ein Kommentar konnte einen Zeitungshinweis liefern, einen vollständigen Namen oder eine erinnerte Adresse. Eine Familiengeschichte durfte in der Diskussion wertvoll sein, auch wenn sie sich kaum für einen kurzen Katalogeintrag eignete.
Am Schreibtisch musste jemand unterscheiden. Das Personal prüfte Ergänzungen und Korrekturen, bevor es sie in den Prints and Photographs Online Catalog übernahm. Bis August waren mehr als 500 Datensätze verbessert und mit einem Quellenhinweis auf Flickr Commons versehen worden. Anschließend kamen die korrigierten Angaben wieder auf die Fotoplattform. So blieb der Erkenntnisgewinn in beiden Beschreibungen erhalten.
Auf der Quittung stand kein Bibliothekar
Die 24,95 Dollar waren die im Bericht ausgewiesenen jährlichen externen Ausgaben. Die Arbeitszeit fiel erheblich größer aus. Eine Fachkraft beziehungsweise ihre Vertretung verbrachte durchschnittlich 15 bis 20 Stunden pro Woche mit den Aktivitäten rund um die Community: Quellen prüfen, über ihre Eignung für den Katalog entscheiden, Fragen beantworten und Anfragen zu Fotogruppen bearbeiten. Die Änderung eines ursprünglichen Katalogeintrags dauerte ungefähr zehn Minuten je Foto. Für das Aussortieren von Spam und obszönen Inhalten nannte der Bericht rund zwei Wochenstunden.
Gute Hinweise erzeugten Arbeit. Genau darin lag ein Teil des Erfolgs. Die Beschäftigten brachten das Projekt zwischen anderen Aufgaben unter; Fristen wurden angepasst, eine Vollzeitstelle war ihm nicht zugeordnet. Hinzu kamen die bereits digitalisierten Bestände und das vorhandene Fachwissen. Unter der kleinen Kontorechnung stand eine ziemlich große Bibliothek.
Die Projekt-FAQ bittet Mitwirkende deshalb, ihre Erkenntnisse zu belegen, möglichst mit Publikation, Seitenzahl oder URL. Wer einen Namen erkennt und gleich die Fundstelle nennt, erspart dem nächsten Menschen einen Teil der Suche. Die Begeisterung bekommt eine brauchbare Adresse.
Flickr brachte den Bildern Besucher. Die Bibliothek sorgte dafür, dass aus einer guten Bemerkung ein belastbarer Eintrag werden konnte. Im Dezember meldete sie zahlreiche weitere Beiträge, die noch auf Prüfung und Aufnahme warteten. Das günstige Konto hatte sein Publikum gefunden. Der Stapel auf dem Schreibtisch zeigte, was die Institution als Nächstes investieren musste.
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