Summary
- CamNet brachte Kambodschas Post- und Telekommunikationsministerium mit dem kanadischen IDRC zusammen und eröffnete 1997 eine dauerhafte Internetverbindung mit Bildungs- und Gemeinwohlzielen.
- Die gemietete Leitung auf Ministeriumsseite und Telstras kommerzieller Dienst erfüllten verschiedene Aufgaben; eine Verbindung bedeutete weder allgemeinen noch bezahlbaren Zugang.
Schon im Februar 1996 zeigte sich das Problem am geplanten Leitungsweg. Ein US-Anbieter konnte eine Satellitenverbindung anbieten, doch für die kambodschanische Seite fehlte noch die Finanzierung; außerdem wurde ein lokal lizenzierter Betreiber gebraucht. Das Ministerium erwog einen exklusiven Anbieter und eine 64-Kilobit-Leitung. Zeitgenössische Berichte bezifferten die Miete auf etwa 6.200 US-Dollar pro Monat. Das waren Planungen, nicht der später gestartete Dienst.
Sie zeigen, warum „das Land anschließen“ mehr bedeutete, als Bandbreite zu finden: Jemand musste das lokale Ende bezahlen und festlegen, wer die Verbindung weiterverkaufen oder nutzen durfte.
Rich Garella von The Cambodia Daily verfolgte, wie sich die Debatte verschob. Im Juni 1996 prüften die Verantwortlichen Wettbewerb und nichtkommerziellen Zugang, darunter eine japanische Satelliteninitiative mit Computern in einem öffentlichen Zugangszentrum. Zwei Hürden waren zu unterscheiden: eine funktionierende internationale Route und Orte, Geräte, Kenntnisse sowie Telefonleitungen, über die Menschen sie nutzen konnten. Auch die Regeln waren entscheidend. Kontrollierte ein privater Anbieter das Gateway, konnten Schulen und gemeinnützige Organisationen ohne ausdrückliche Zusage außen vor bleiben.
CamNet bot eine institutionelle Antwort. Ein Bericht vom 7. Mai 1997 hielt fest, dass ein Ministeriumscomputer um 9:34 Uhr an einem Dienstag einen Rechner in Kalifornien erreichte. CamNet wurde als Partnerschaft des Post- und Telekommunikationsministeriums (MPTC) mit dem kanadischen International Development Research Centre (IDRC) beschrieben. Der Bericht nannte sie Kambodschas erste dauerhafte Internetverbindung. Die Formulierung muss genau gelesen werden: Ein älterer E-Mail-Dienst tauschte Nachrichten bereits per Speicher-und-Weiterleitung aus; am 24. Mai erreichte ein Traceroute aus Großbritannien einen CamNet-Host, noch vor der für den 1.
Juni angekündigten offiziellen Eröffnung. „Erste E-Mail“, „erstmals beobachtete vollständige Verbindung“, „dauerhafter Dienst“ und „offizielle Eröffnung“ sind verschiedene Ereignisse.
CamNets Vereinbarung verband einen öffentlichen Anspruch mit einer schmalen Leitung. Manager Moa Chakrya schrieb 1998, dass die Verbindung zu SingNet/STIX in Singapur am 6. Mai 1997 mit 64 kbit/s begann und das MPTC die kambodschanische Hälfte der internationalen Mietleitung bereitstellte. Bis April 1998 sei die Kapazität auf 128 kbit/s gestiegen. Chakrya schätzte rund 2.000 Nutzer in kommerziellen und geförderten Gruppen, darunter Bildung, Forschung, NGOs und Verwaltung. Das ist eine zeitgenössische Schätzung eines Beteiligten, keine Erhebung; sie sagt auch nicht, wie viele Menschen einzelne Zugangspunkte nutzten.
Der kommerzielle Teil war nicht einfach CamNet unter anderem Namen. Garella berichtete 1997 vom nahezu gleichzeitigen Eintritt von Telstras BigPond; Telstra betrieb zudem internationale Telekommunikationsinfrastruktur. Ein Bericht besagte, das Unternehmen habe den Betrieb des internationalen Fernverkehrs übernommen, einschließlich der von CamNet genutzten Mietleitung. CamNet konnte also geförderten öffentlichen Zugang anstreben und zugleich auf den internationalen Transport eines kommerziellen Unternehmens angewiesen sein; BigPond verkaufte einen eigenen kommerziellen Internetdienst. Die Funktionen waren getrennt, die Abhängigkeit blieb.
Hier liegt der wirtschaftliche Kern. Eine Satellitenleitung nach Singapur machte kambodschanische Hosts erreichbar, machte den Zugang aber nicht automatisch günstig oder flächendeckend. Eine spätere USAID-Bewertung unterscheidet den günstigen, auf E-Mail beschränkten Open-Forum-Dienst seit 1994 von den späteren Voll-Internet-Anbietern. Eine ITU-Fallstudie beschreibt geförderte CamNet-Zugänge für Schulen, Universitäten und NGOs bis 1999. Diese späteren Quellen belegen nicht, dass jede vorgesehene Gruppe Unterstützung erhielt. Sie zeigen, dass Dienstumfang, Preis und Zugangsbedingungen zur Architektur gehörten.
Die erste Verbindung war damit eine Betriebsvereinbarung: Das Ministerium stellte Befugnis und einen Teil der Leitung, IDRC unterstützte Ausstattung und gemeinwohlorientierte Dienste, ein kommerzieller Anbieter betrieb den internationalen Transport und sein eigenes Endkundengeschäft. Die Reichweite hing von Entscheidungen außerhalb des Routerraums ab: Wer erhielt eine Lizenz, wer bezahlte die internationale Leitung, und welche Einrichtungen bekamen geförderte Tarife? Kambodscha war 1997 verbunden; Teilhabe auszubauen blieb eine eigene Aufgabe.
Quellen
- Rich Garella, zeitgenössische Berichte in The Cambodia Daily (1996–97): https://www.garella.com/rich/caminet.htm
- Moa Chakrya, “CamNet connectivity and the Internet in KH”, NSRC, Mai 1998: https://www.nsrc.org/db/lookup/report.php?fromISO=KH&id=896336825592%3A488984505
- Olivier M. J. Crepin-Leblond, “First Ping KH”, NSRC, 24. Mai 1997: https://www.nsrc.org/db/lookup/report.php?fromISO=KH&id=890202379877%3A497429844
- USAID, “ICT Assessment for Cambodia”, Juni 2001: https://pdf.usaid.gov/pdf_docs/pnaea909.pdf
- ITU, “Khmer Internet: Cambodia case study”, März 2002: https://www.itu.int/itudoc/gs/promo/bdt/cast_int/79475.pdf
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