Zusammenfassung
- James Spenceley und Jonny Martin legten in prop-070-v001 vom 23. Januar 2009 eine Obergrenze je einzelner IPv4-Zuteilung durch APNIC fest:
/8, dann/9,/12,/14,/16und schließlich/18, abhängig vom schrumpfenden freien IANA-Pool. - Das Protokoll von APNIC 27 dokumentiert den Streit um kleinere Antragsteller, belegten Bedarf großer Netze, Mehrarbeit und mögliche NAT-Anreize. Laut APNIC-Chronik wurde der Vorschlag am 26. Februar 2009 aufgegeben.
Spenceleys Rechnung hatte einen Gegner mit Kundenanschlüssen. Wenn APNIC einem großen Netz nur einen Teil seines nachgewiesenen Bedarfs gibt, wartet dieses Netz auf den nächsten Antrag, und seine Kunden warten mit. Genau diesen Preis brachte die Debatte über prop-070 ans Licht. Der Vorschlag wollte eine andere Rechnung verhindern: Ein großer Antrag könnte den Rest des IPv4-Vorrats verschlingen, bevor zwanzig oder dreißig kleinere Mitglieder zum Zug kämen.
Die Tabelle im Original gibt der Sorge eine Mechanik. Solange IANA noch 30 freie /8-Blöcke hält, dürfte eine einzelne APNIC-Zuteilung höchstens /8 umfassen. Bei 25 sinkt das Maximum auf /9, bei 20 auf /12, bei 15 auf /14, bei zehn auf /16 und bei fünf auf /18. Die beiden Endpunkte entsprechen 16.777.216 und 16.384 Adressen. Der Grenzwert galt je Zuteilung, nicht für den Gesamtbesitz eines Mitglieds. Die gesonderte Reserve des letzten /8 gehörte zu einem anderen Regelwerk.
Spenceley beschrieb im Policy SIG von APNIC 27 die mögliche Bevorzugung eines großen Mitglieds oder nationalen Registers gegenüber vielen kleinen. Der Entwurf enthält keinen Beleg für einen bereits geschehenen solchen Zugriff. Er war ein vorbeugender Schutz. Die Autoren versteckten die Nachteile nicht: Eine allein in der APNIC-Region geltende Grenze könnte diese gegenüber anderen Regionen benachteiligen; kleinere Zuteilungen würden mehr Anträge und damit mehr Arbeit erzeugen.
Izumi Okutani fragte, ob APNIC einem großen Betreiber trotz Bedarf für seine Kunden eine kleinere Zuteilung aufzwingen sollte. John Schnizlein hielt dagegen, längeres Rationieren könne NAT und abgeschottete Netze attraktiver machen. Mitautor Martin sah wenig Unterstützung für die starre Grenze und zeigte einen Ansatz über die Reihenfolge der Anträge. Philip Smith sprach die wiederholte Antragsarbeit an. Spenceley gab zu, dass der Entwurf komplizierter geworden war, wollte aber den Schutz gegen eine überraschend große einzelne Entnahme nicht preisgeben.
Er bat an diesem Tag nicht um Konsens für die harte Obergrenze. APNIC führt prop-070 seit dem 26. Februar 2009 als aufgegeben. Kein Betreiber wurde durch dieses /18 gestoppt. Der Fall legt den Konflikt offen, den eine hübsche Treppe nicht beseitigt: Wer Vorrat für künftige Antragsteller bewahrt, begrenzt womöglich Netze mit bereits belegter Nachfrage.
Quellen
Originaltext von prop-070 · APNIC-27-Protokoll · APNIC-Chronik · Offizielles namentliches Foto als Porträtvorlage
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