Zusammenfassung

  • Verwaltungen aus dem asiatisch-pazifischen Raum schlagen vor, in ITU-Resolution 203 die passive und aktive Infrastrukturteilung zwischen Netzbetreibern sowie die Abstimmung über Branchengrenzen hinweg zu verankern.
  • Weitere Punkte betreffen Netzplanung, Energieverbrauch, belastbare Anschlüsse und das Zusammenspiel terrestrischer und nichtterrestrischer Netze. Über konkrete Zugangsregeln entscheiden die Staaten.

Ein vorhandener Mast ist auf einer Versorgungskarte ein Punkt. Für einen zweiten Betreiber ist er zunächst eine Verhandlung. Nachtrag 21 zu ITU-Beitrag 79, am 18. Oktober im Dokumentenregister veröffentlicht, macht aus dieser Verhandlung einen Gegenstand der Breitbandpolitik. Die asiatisch-pazifischen Verwaltungen wollen Mitgliedstaaten einladen, passive und aktive gemeinsame Nutzung sowie die Koordination von Infrastruktur verschiedener Sektoren zu erleichtern, soweit nationale Verhältnisse es tragen.

Passiv heißt: die tragende Einrichtung mitbenutzen. Aktiv heißt: auch Teile des laufenden Netzes gemeinsam einsetzen. Wer Zugang zum Standort hat, verfügt damit noch nicht über Übertragungskapazität oder Betriebsrechte. Der Text unterscheidet beide Ebenen, setzt aber weder einen Preis noch einen einklagbaren Zugang oder eine Frist. Er ergänzt Anregungen für bessere Planung und Betrieb mit Blick auf Dienstqualität und Energie, für zuverlässige und erschwingliche Hochleistungsverbindungen sowie für die Integration terrestrischer und nichtterrestrischer Netze.

Die 2022 beschlossene Resolution 203 sprach bereits von kostengünstigem Ausbau, bezahlbarem Zugang und Satelliten- wie Landnetzen. Ihre sechs Einladungen an Staaten nannten passive und aktive Teilung oder sektorenübergreifende Koordination jedoch nicht ausdrücklich. Der neue Entwurf fügt diese Hebel hinzu. Die ITU-Entwicklungsabteilung soll praktische Hilfsmittel für nationale Strategien bereitstellen; Funk- und Standardisierungsabteilung sollen Wissen zur IMT-Entwicklung für unterversorgte Gebiete vermitteln.

Der Unterschied klingt klein, bis eine neue Trasse geplant wird. Wer bestehende Anlagen nutzen kann, braucht möglicherweise weniger neue Strecke. Ob das gelingt, hängt nicht an einer Formulierung aus Doha, sondern an nationalen Regeln, Verhandlungen und dem Verhalten des bisherigen Eigentümers. Der Mast steht schon. Die zweite Unterschrift fehlt.

Amtliche Quellen