- 59 indische Kohlekraftwerke hatten kritisch niedrige Brennstoffvorräte; Ende August waren es 45
- Indien verfügte landesweit weiterhin über beträchtliche Kohlevorräte. Das zeigt, dass die verfügbare Menge und der bereits an Kraftwerke gelieferte Brennstoff unterschiedliche Messgrößen sind
Die Fakten
Wie Reuters berichtete, hatten 59 indische Kohlekraftwerke kritisch niedrige Brennstoffvorräte; Ende August waren es 45 gewesen. Die Einstufung gilt, wenn der Kohlebestand eines Kraftwerks unter 25 % seines normativen Sollbestands fällt. Sie bedeutet nicht, dass das Kraftwerk die Stromerzeugung eingestellt hat.
Gesonderte Regierungsangaben bezifferten Indiens gesamte Kohlevorräte auf 123,7 Millionen Tonnen, darunter rund 100 Millionen Tonnen bei Bergwerken oder auf dem Transportweg und 23,7 Millionen Tonnen in Wärmekraftwerken. Kohleminister G. Kishan Reddy sagte, die Ministerien stimmten die Lieferungen täglich aufeinander ab; bei höherer Nachfrage und monsunbedingten Störungen ergänzten Straßentransporte die Beförderung auf der Schiene.
Eine Momentaufnahme der Central Electricity Authority für den 7. September hatte 61 Kraftwerke mit kritischen Vorräten erfasst. Die spätere Zahl von 59 zeigt, dass sich die Lage mit eintreffenden Lieferungen verändern kann, statt sich stetig nur in eine Richtung zu entwickeln.
Die Einordnung
Indien mag insgesamt über reichlich Kohle verfügen, doch das hilft einem Kraftwerk nicht, wenn der Brennstoff dort noch nicht angekommen ist. In manchen Kraftwerken können die Vorräte knapp werden, obwohl große Bestände noch an den Bergwerken lagern oder per Schiene beziehungsweise Straße transportiert werden. Für Betreiber von Rechenzentren ist die wichtigere Frage, ob die Kraftwerke, von denen ihre Standorte versorgt werden, den benötigten Brennstoff erhalten.
Auch die Zahl von 59 Kraftwerken bedarf der Einordnung. Sie bedeutet nicht, dass 59 Kraftwerke außer Betrieb sind. Mit neuen Lieferungen können sich die Vorräte erholen, und die Zahl der Kraftwerke mit kritischen Vorräten war bereits von 61 zwei Tage zuvor auf 59 gesunken. Eine einzelne Momentaufnahme sollte daher nicht als Anzeichen dafür gelesen werden, dass großflächige Stromausfälle unmittelbar bevorstehen.
Für die Leserinnen und Leser von BTW ist entscheidend, ob sich diese niedrigen Bestände auf die Stromversorgung auszuwirken beginnen. Warnungen von Versorgungsunternehmen, eine gedrosselte Stromerzeugung oder anhaltende Rückgänge der Kraftwerksvorräte wären wichtigere Warnzeichen als der landesweite Kohlegesamtbestand allein.
Worauf zu achten ist
Beobachtet werden sollten die nächsten Bestandsdaten auf Kraftwerksebene sowie die Frage, ob Lieferungen per Schiene und Straße die Vorräte der betroffenen Erzeuger wieder auffüllen. Für Betreiber von Rechenzentren wären Warnungen der Versorgungsunternehmen, Drosselungen der Stromerzeugung oder Änderungen an vertraglich zugesicherten Stromlieferungen unmittelbarere Risikosignale als die Zahl der Kraftwerke mit kritischen Vorräten allein.
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