Zusammenfassung
- Jolly Host beantragte am 30. September 2026 unter RSEP 2026027 eine täglich geöffnete, vom Hauptregister getrennte EPP-Umgebung für kürzlich gelöschte Namen in
.circle,.jot,.gotund.safety. ICANNs Liste nennt den Vorgang „Approved, Pending Contract Amendment“; ein laufender Betrieb ist damit nicht belegt. - Mehrere Anträge für denselben Namen sollen nach Eingang sortiert werden. Scheitert die Belastung des Kontos des ersten Registrars an fehlendem Guthaben, rückt der nächste nach. Zusätzliche Antragsgebühren wären je TLD konfigurierbar; Höhe und tatsächliche Einführung nennt das Dokument nicht.
Der Zeitstempel ist nur eine Vorrunde
Man kann eine Warteschlange auf die Millisekunde genau sortieren und dennoch erst später über den Sieger entscheiden. Jolly Hosts Antrag an ICANN beschreibt genau diesen Ablauf. Nach einer vorab angekündigten Öffnung reichen Registrare Anträge über einen eigenen Server ein. Wenn das Fenster schließt, prüft der Betreiber die Bewerbungen pro Name, wählt den zuerst eingegangenen Antrag und belastet das bestehende Registerkonto des Registrars. Fehlt Geld für die Transaktion und liegt ein weiterer Antrag vor, geht der Name automatisch an den nächsten in der Reihe.
Das ist keine aus dem Dokument herausgelesene Unterstellung über verdeckte Vorzugsbehandlung. Die Zahlungsbedingung steht ausdrücklich darin. Sie macht aus dem Zeitstempel eine Chance auf die Zuteilung, keine endgültige Zuteilung. Wer den Mechanismus verstehen will, muss deshalb beides sehen: die Reihenfolge der eingegangenen Anträge und das Ergebnis des Lastschrifttests. Der öffentliche Antrag beschreibt kein Belegformat, das Eingangszeit, Preis, Prüfung des Guthabens und Weitergabe zusammenführt. Interne Protokolle mögen vorhanden sein; deren Inhalt oder Zugänglichkeit steht hier nicht.
Die offizielle RSEP-Liste nennt vier betroffene TLDs und den Status „Approved, Pending Contract Amendment“. Jolly Host schreibt, der Dienst werde nach Genehmigung und öffentlichem Start der jeweiligen TLD eingeführt. Die Liste ist kein Verzeichnis abgewickelter Zuteilungen. Wer aus der Genehmigung schon einen laufenden Markt oder einen geschädigten Registrar macht, überspringt die noch ausstehende Vertragsstufe und die fehlenden Betriebsdaten.
„Nicht verfügbar“ bedeutet nicht überall dasselbe
Die Dropzone soll ein eigener EPP-Server neben dem Hauptregister sein. Namen, die aus dem primären System gelöscht wurden, stehen dort für eine kurze tägliche Phase zur Beantragung bereit. Nach der Vergabe kehren Namen ohne erfolgreiche Bewerbung in die offene Registrierung des Hauptsystems zurück. Die Architektur lässt den Betreiber eine stark nachgefragte Freigabe zeitlich bündeln; für Registrare entsteht ein zusätzlicher Anschluss, der vor Beginn eingerichtet sein muss.
Während ein Name in der Dropzone liegt, soll eine Prüfung über das primäre EPP „Unavailable“ zurückgeben, mit der Begründung „Domain held in the Dropzone“. WHOIS soll zugleich auf den alternativen Antragsweg verweisen. Beide Angaben können technisch richtig sein: Der direkte Kauf im Hauptsystem ist gesperrt, die Bewerbung im Nebensystem offen. Für den Markt sind sie aber nur dann sinnvoll, wenn beide Wege konsistent erklärt werden. Gleichberechtigter Zugriff auf den Nebenserver hilft wenig, wenn Uhrzeit, Adresse oder Preislogik nur ein Teil der Teilnehmer rechtzeitig versteht.
Für gewöhnliche Namen genügt laut Antrag auf dem alternativen Host ein standardmäßiger EPP-create-Befehl. Bei Premium-Namen kann eine Preiskategorie-Erweiterung erforderlich sein. Ein Registrar muss also nicht nur schneller sein, sondern den Anschluss testen, die Liste der freizugebenden Namen kennen und sein Konto ausreichend finanzieren. Jolly Host verspricht präzise Zeitstempel und Systemtransparenz als Vorteil beim Wettbewerb um begehrte Namen. Gerade dieses Versprechen macht eine vorab veröffentlichte Startregel und einen prüfbaren Vergabebeleg wertvoll.
Im Preisabschnitt eröffnet der Antrag eine weitere Möglichkeit: Eine zusätzliche Antragsgebühr kann pro TLD eingerichtet und zum Standard- oder Premiumpreis hinzugerechnet werden. Die Belastung würde über dasselbe bestehende Registrar-Konto laufen. Weder eine Zahl noch eine Entscheidung zur Erhebung in den vier TLDs wird genannt. Eine heutige Gebühr zu behaupten wäre falsch. Die offene Option ist dennoch entscheidend, weil der Zahlungstest nur verständlich ist, wenn vor dem Wettlauf feststeht, welchen Betrag der erste Bewerber decken muss.
ICANN bewertet im RSEP-Verfahren mögliche erhebliche Auswirkungen eines neuen Registry-Dienstes auf Sicherheit, Stabilität und Wettbewerb. Der Status auf der ICANN-Seite beschreibt eine Entscheidung in diesem Verfahren. Er bescheinigt nicht, dass jede spätere Weitergabe eines Namens nachvollziehbar sein wird. Der Antrag enthält einen Entwurf für die Aufnahme des Dienstes in Anlage A der Registerverträge. Gerade dort könnte aus einer Werbeformel eine überprüfbare Betriebsregel werden.
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