Zusammenfassung

  • Auf ICANNs Statistikseite stehen 481 Antragsteller und 1.615 aktive Anträge. Zahlen nach Antragsart und Bearbeitungsstand fehlen derzeit; weitere Kategorien sind für den String Confirmation Day im November vorgesehen.
  • Der Regierungsbeirat GAC zählt vorläufig 21 IDN-Anträge, rund 1,3 Prozent aller Anträge. Er bezweifelt, dass der erhoffte Zuwachs sprachlicher und geografischer Vielfalt damit erreicht wird.

Der Gesamtwert führt die Sitzung

Eine Zahl, die sich ohne Erläuterung in eine Überschrift setzen lässt, hat in Institutionen einen Startvorteil. ICANNs offizielle Application Publication and Statistics-Seite bietet gleich zwei davon: 481 Antragsteller und 1.615 aktive Anträge. Als letzte Veröffentlichung nennt sie den 7. Oktober 2026, 15:41 Uhr UTC. Die erste Zahl beschreibt die Antragsteller, die zweite die laufenden Anträge. Für den Umfang des Verfahrens sind beide wichtig. Wer später über Vielfalt sprechen will, braucht allerdings einen Blick in die Zusammensetzung dieses Umfangs.

Genau dort endet die aktuelle Tabelle. Bei Anträgen nach Antragsart und Bearbeitungsstand zeigt die Seite noch keine Daten. Die APS-Hilfe kündigt Angaben zu Antragsarten und TLD-Arten für den String Confirmation Day im November an. Auf der Informationsseite zum Statistikportal erklärt ICANN, dass das Portal keine Echtzeitquelle ist und erst zu diesem Termin wieder aktualisiert wird. Die Gesamtsumme ist also schon zitierfähig, während die Einordnung einen Termin im Kalender hat. Dieser Veröffentlichungsrhythmus strukturiert die erste öffentliche Bewertung des Programms.

Am 26. Oktober legte das Governmental Advisory Committee (GAC) in seinem Kommuniqué zur ICANN87 in Bali eine andere Zahl vor: 21 vorläufige Anträge auf internationalisierte Domainnamen (IDNs), ungefähr 1,3 Prozent der Anträge. Der endgültige Wert soll nach dem String Confirmation Day feststehen. Für den GAC deuten die vorläufigen Angaben darauf hin, dass der Durchgang die von der ICANN-Gemeinschaft erwartete Steigerung sprachlicher und geografischer Vielfalt womöglich verfehlt. Das ist die Einschätzung des Beirats, gestützt auf eine ausdrücklich vorläufige Zählung. Sie lässt sich weder mit dem großen Gesamtwert wegwischen noch über dessen Informationsgehalt hinaus aufblasen.

Die 21 zählen Anträge. Sie zählen keine 21 Sprachen, Schriften, Gemeinschaften, Antragsteller oder später delegierten Domains. Das Kommuniqué nennt die betroffenen Sprachen und Schriften nicht. Gerade deshalb ist der Befund interessant: Schon eine eng definierte Zwischenzahl reicht, um die Frage nach dem Mix des Durchgangs zu stellen. Die Gesamtsumme beantwortet sie nicht. Der Beirat hat die Frage öffentlich gemacht, bevor das Portal die dafür vorgesehene vollständige Aufschlüsselung veröffentlicht.

Was zuerst auf dem Bildschirm steht, prägt das Urteil

Ein Antragszähler ist eine ordentliche Verwaltungsleistung. Anträge müssen bearbeitet werden, und ihr Umfang hat praktische Folgen. Sprachliche und geografische Vielfalt wird hingegen am Inhalt des Antragsfeldes und an dessen Einordnung geprüft. Das verlangt Kategorien, Definitionen und saubere Einheiten. Eine frühe Gesamtsumme lässt sich mühelos in Präsentationen übernehmen. Später veröffentlichte Kategorien müssen gegen den bereits etablierten Eindruck arbeiten. Die PowerPoint-Folie ist oft schneller als das Kleingedruckte der Wirklichkeit.

Dabei muss niemand eine Absicht zur Verschleierung unterstellen. Die offiziellen Veröffentlichungsdaten und leeren Felder genügen, um den Effekt zu beschreiben. ICANN setzt den Zeitpunkt und die Form ihrer Statistik. Der GAC setzt mit seiner vorläufigen IDN-Zahl einen Maßstab daneben. Auf diese Weise konkurrieren zwei legitime öffentliche Funktionen um die erste Erzählung: den Betrieb der Runde zu zählen und ihre Teilnahme zu beurteilen.

Im November kommt es besonders auf die Begriffe an. Antragsart und TLD-Art sind getrennte Größen. ICANN weist darauf hin, dass TLD-Arten sich überschneiden können. Wer ihre Zeilen addiert, als verteilten sie alle Anträge auf exklusive Schubladen, erzeugt einen falschen Gesamtwert. Auch der endgültige IDN-Wert allein beschreibt noch nicht die Sprachen oder Gemeinschaften hinter den Anträgen. Erst Daten, die diese Dimensionen tatsächlich erfassen, können solche Aussagen tragen.

Der nächste offizielle Datensatz hat daher eine klare Aufgabe. Er sollte den endgültigen IDN-Wert nennen und die geplanten Kategorien so erläutern, dass sich der Gesamtwert und die Sorge des GAC sinnvoll zusammen lesen lassen. Heute fehlt auf APS die Aufschlüsselung nach Antragsart. Eine bestätigte Zahl mit verständlich definierten Kategorien würde die Bewertung ändern. Bis dahin steht ein offizieller Aktivitätszähler neben einer vorläufigen politischen Warnung. Diese Konstellation ist bereits ein Stück Governance: Sie zeigt, wie stark öffentliche Rechenschaft von der Reihenfolge ihrer Messinstrumente abhängt.