Zusammenfassung

  • Zwei am 28. Oktober veröffentlichte Regierungsdokumente trennen zwei Entscheidungen: den nationalen Planungsweg für ein Vorhaben und staatliche Hilfe, die dessen Stromanschluss beschleunigen soll.
  • Der Entwurf der Planungserklärung nennt einen Richtwert von 100 MW. Der Covenant führt mögliche Netzmaßnahmen auf, verschiebt aber die Definition strategischer Rechenzentren und ihre zusätzlichen Auswahlkriterien.

Ein Rechenzentrum kann groß genug für ein nationales Planungsverfahren sein und trotzdem keinen Anspruch auf bevorzugten Netzzugang haben. Die britische Regierung hat zwei Tore aufgestellt. Über dem ersten steht eine Zahl. Für das zweite fehlt noch das Schild mit den Eintrittsregeln.

Der Entwurf der National Policy Statement (NPS) für Rechenzentren gilt für England. Er beschreibt das Verfahren für Nationally Significant Infrastructure Projects (NSIP) als möglichen Weg und setzt dessen vorläufige Mindestschwelle bei 100 MW an. Die Planning Inspectorate prüft den Antrag und legt einen Bericht vor; anschließend entscheidet der zuständige Secretary of State über die Zustimmung. Die Größe kann den Zugang zu diesem Verfahren eröffnen. Sie ersetzt weder die Prüfung noch die Entscheidung.

Der Entwurf ging am 28. Oktober in die Konsultation, die am 8. Januar 2027 endet. Schwelle und Text sind noch vorläufig. Auch im nationalen Verfahren bleiben örtliche Folgen Teil der Akte: Kommunen können Berichte zu Auswirkungen einreichen, und die Beteiligung der Bevölkerung fließt in die Prüfung ein. Der Entscheidungspfad wird nationaler; der Standort bleibt konkret.

Der am selben Tag veröffentlichte Covenant des Finanzministeriums richtet den Blick auf staatliche Unterstützung. Er legt allen Rechenzentren fünf Erwartungen nahe: Kosten für das Energiesystem, lokale Vorteile, Umweltleistung, Arbeitsplätze und Lieferketten sowie Sicherheit. Strategische Zentren müssen diese Tests erfüllen, um zusätzliche staatliche Maßnahmen zu erhalten. Damit nennt das Papier Bedingungen für die Unterstützung, aber noch nicht die Regel, nach der ein Projekt in die strategische Kategorie gelangt.

Die angekündigten Instrumente reichen weit in die Planung des Netzes hinein. Ein Ministerial Control Centre unter Vorsitz des KI-Ministers und mit Beteiligung von Treasury und Energieministerium soll koordinieren. Genannt werden die Neuverteilung von Kapazität, die frei wird, wenn andere Vorhaben die Anschlusswarteschlange verlassen, zusätzliche Kapazitätssuche mit NESO und Netzbetreibern, die Vermittlung bei der Übertragung von vor 2030 geschlossenen Anschlussverträgen und ein streng begrenzter Rahmen für vorübergehende Stromerzeugung am Standort außergewöhnlich strategischer Projekte.

Das sind angekündigte künftige Schritte. Der Covenant nennt kein Vorhaben, das bereits einen übertragenen Anschlussvertrag oder eine Genehmigung für temporäre Stromversorgung erhalten hat. Er kündigt auch die Definition strategischer Rechenzentren und zusätzliche Kriterien erst für später an. Die Werkzeuge liegen auf dem Tisch; die Auswahlregel folgt noch.

Die Regierung schätzt, dass Großbritannien bis 2030 sechs Gigawatt KI-Rechenzentrumskapazität benötigen wird. Das ist eine staatliche Bedarfsschätzung, keine unabhängig erhobene Zahl bereits gebauter Kapazität. Strategische Entwickler sollen mit den Standortgemeinden einen Plan mit „substantial“ lokalen Investitionen vereinbaren, der zur Größe des Projekts passt. Der Covenant nennt weder einen Mindestbetrag noch eine Berechnungsmethode. Wer eine Zusage prüfen will, braucht aber mehr als ein Adjektiv.

Ofgem behandelt einen anderen Teil der Frage. Die vorgeschlagene Anschlussreform mit Verpflichtungsentgelt und Fortschrittsmarken soll zeigen, ob Projekte anschlussreif sind. Am 31. Oktober führte die Behörde die Konsultation als „closed (awaiting decision)“. Anschlussreife und strategischer Wert sind zwei Prüfungen. Wer sie zusammenzieht, macht aus einem Netzverfahren stillschweigend ein Auswahlverfahren für staatliche Förderung.

Die Rechenschaftspflicht beginnt deshalb mit getrennten Entscheidungsakten. Die Planungsentscheidung sollte zeigen, wie die Prüfung und die örtlichen Belege gewichtet wurden. Die Entscheidung über Stromhilfe sollte Quelle und Umfang der Kapazität, Auswahlgrund, zuständige Stelle, Sicherheitsbedingungen und lokale Zusagen nennen. Eine Reservierung oder Vertragsübertragung prägt Bauzeiten, Finanzierung und den Spielraum späterer Netznutzer. Die Auswahlregel muss sichtbar sein, bevor solche Festlegungen das Feld verändern.

Quellen: HM Treasury, The Data Centre Covenant; Entwurf der National Policy Statement (PDF); NPS-Konsultation; Ofgem, Anschlussreform für Rechenzentren; Regierungsantwort zur Infrastrukturplanung.; Britische Regierung, Stromnetzanschlüsse für strategische Nachfrage beschleunigen