Summary
- RFC 1691 beschrieb das digitale Buch als geordnete Seiten, Strukturdateien und durchsuchbaren Datenbankeintrag. Eine logische Buchseite war dabei vom Speicherort ihrer Bilddatei getrennt.
- Zugriffsrechte sollten vor allem für Sammlungen gelten, konnten aber bis zur einzelnen Datei geprüft werden. Eine Mitteilung an den Nutzer war erst beim Öffnen des Dokuments oder eines Bestandteils vorgesehen.
Beim Scannen eines Buches verschwindet die Bindung, bevor der Inhalt im Rechner ankommt. Genau diese Bindung musste Cornells System aus Dateibeziehungen neu herstellen. Seit 1989 hatten Cornell University und Xerox Corporation an einem digitalen Erhaltungsprojekt gearbeitet. Xerox entwickelte CLASS für Erstellung und Speicherung; Cornell entwickelte den Netzwerkzugang und Bestellungen von Ausdrucken. William Turner veröffentlichte die Architektur im August 1994 als RFC 1691.
Die logische Struktur legte fest, in welcher Reihenfolge Seiten und Kapitel erscheinen. Ein Verweis zu jeder Stelle führte zur passenden Bild- oder Textdatei; erst diese Datei enthielt den lesbaren Inhalt. Eine relationale SQL-Datenbank machte Bücher nach Autor, Titel und Dokumentkennung auffindbar. Wer einen Treffer sah, hatte damit erst die Adresse des Buches erhalten.
Das zeigt schon die banale Frage, wie man Bilddateien benennt. Eine alphabetische Liste ordnet 1.TIF, 10.TIF, 2.TIF. Cornells Anforderungen verlangten deshalb führende Nullen wie in 0001.TIF, damit FTP und Gopher die Seiten in der richtigen Reihenfolge ausgeben. Kleine Vorschaubilder sollten das Blättern erleichtern, größere Fassungen den Druck. Beide Fassungen einer Seite mussten denselben Inhalt darstellen.
Der tatsächliche UNIX-Pfad durfte variieren. Bibliothekskennung, Sammlung, Dokument, Dateityp und Dateiverweis bildeten zusammen einen Schlüssel; ein Suchprogramm übersetzte ihn in den Speicherpfad. Ein Beispiel ordnete Dateien nach Dateityp, bevor es zur Sammlung ging. So konnten niedrig aufgelöste Bilder auf schneller Platte liegen, Druckbilder auf langsamerem, günstigerem Speicher. Gleichzeitig ließ sich der Zugriff auf die kleinen Bilder über FTP oder Gopher erlauben und auf die großen beschränken.
Beim Lesen kam die Entscheidung über Rechte hinzu. Der RFC sah primär eine Prüfung auf Sammlungsebene vor, erlaubte im Entwurf aber Kontrollen bis zur einzelnen Datei. Erst beim Öffnen sollte der Nutzer eine Mitteilung bekommen. Ein korrekter Katalogeintrag konnte also auf eine gesperrte Seite führen. Der RFC-Editor-Eintrag führt das Papier als informativen RFC. Seine Sicherheitssektion prüft die Wirksamkeit dieser Zugangskontrollen nicht. Sie markiert den Umfang des Dokuments, während die Zugriffsstelle im Architekturtext beschrieben ist.
Die SQL-Suche lieferte eine Dokumentkennung; der Dateifinder und die Zugriffskontrolle entschieden über die konkrete Seite. Diese zwei Messergebnisse — gefundene Titel und ausgelieferte Seiten — konnten auseinanderfallen. Genau dort lag die Verantwortung für einen funktionierenden digitalen Bestand.
Sources
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