Summary
- AOL erwarb Bebo im Mai 2008 für 859,8 Millionen US-Dollar nach Abzug des übernommenen Bargelds. Am 16. Juni 2010 verkaufte der Konzern nahezu sämtliche Vermögenswerte. Der endgültige Jahresbericht weist dafür einen Vorsteuerverlust von rund 1,8 Millionen Dollar aus.
- AOL erwartete weiter Werbeumsätze auf eigenen Angeboten von Kunden, die vorher auf Bebo inseriert hatten. Deshalb stellte der Konzern Bebo nicht als aufgegebenen Geschäftsbereich dar. Daneben verbuchte er einen latenten Steueranspruch von 300 Millionen Dollar aufgrund eines erwarteten Abzugs für wertlos gewordene Aktien.
Die Plattform ging, der Vertrieb blieb im Bild
Der entscheidende Satz steht in AOLs Jahresbericht 2010 unmittelbar nach der Beschreibung des Verkaufs. AOL hatte nahezu alle Bebo-Vermögenswerte abgegeben, erwartete aber weiterhin Werbeeinnahmen auf AOL Properties von früheren Bebo-Werbekunden. Deshalb ordnete es Bebos Vermögenslage, Ergebnisse und Geldflüsse nicht den aufgegebenen Geschäftsbereichen zu. Ob jeder einzelne Kunde wieder buchte, steht dort nicht. Die Erwartung selbst war für die Bilanzdarstellung maßgeblich.
Der Bericht für 2009 zeigt, welche Wette AOL eingegangen war. Am 14. Mai 2008 schloss es den Erwerb für 859,8 Millionen Dollar netto ab. 765,8 Millionen entfielen auf Geschäfts- oder Firmenwert, 86,5 Millionen auf immaterielle Vermögenswerte. AOL wollte mit den erworbenen Firmen Internetnutzer gewinnen und Werbedienstleistungen anbieten. Bebo war ein soziales Angebot, aber der Käufer bezahlte auch für die Aussicht, Reichweite in Anzeigenverkäufe zu verwandeln.
Im April 2010 nannte AOL Verkauf und Schließung als mögliche Wege. Im Juni verkaufte es fast alle Bebo-Vermögenswerte. Der Quartalsbericht bezifferte den Verlust aus dieser Veräußerung zunächst auf 2,2 Millionen Dollar vor Steuern; der Jahresbericht nennt rund 1,8 Millionen. Das ist ein Ergebnis der Anlagenveräußerung, kein ausgewiesener Kaufpreis des neuen Eigentümers und keine Gesamtabrechnung des Erwerbs von 2008.
Ein zweiter Ausgang führte durch die Steuererklärung
AOL plante, die Bebo-Stammaktien für US-Steuerzwecke als wertlos zu behandeln. Der Jahresbericht weist dafür einen latenten Steueranspruch und einen entsprechenden Steuerertrag von 300 Millionen Dollar aus. 141,6 Millionen Dollar dieses Anspruchs wurden 2010 mit Bundes- und einzelstaatlichen Steuerpflichten verrechnet. Dieser Betrag kam nicht vom Käufer der Bebo-Vermögenswerte. Der kleine Vorsteuerverlust aus dem Verkauf und der große steuerliche Posten beantworten verschiedene Fragen.
Der Vergleich im selben Bericht ist aufschlussreich: Die Verkäufe von buy.at und ICQ wurden als aufgegebene Geschäftsbereiche ausgewiesen. Bebo nicht, weil AOL von den alten Werbekunden noch Geschäft auf den verbliebenen AOL-Seiten erwartete. Die Unterlagen nennen weder die Käufer der Anzeigen nach Juni noch deren Ausgaben. Bestell- und Umsatzlisten könnten aus der Erwartung eine überprüfbare Erlösreihe machen.
Eine Schlagzeile über einen gescheiterten sozialen Dienst würde die Buchungspfade zusammenwerfen. AOL verkaufte das Produkt, suchte einen steuerlichen Vorteil aus dem Aktienwert und wollte frühere Kunden weiter bedienen. Genau dort lag die kommerzielle Nachgeschichte des Bebo-Kaufs.
Originalunterlagen
- AOL-Jahresbericht 2009: Erwerb und Zweck.
- AOL-Ergebnisse vom April 2010: Verkauf oder Schließung als Optionen.
- AOL-Quartalsbericht 2010: Veräußerung und erster Verlustansatz.
- AOL-Jahresbericht 2010: endgültige Zahlen, Steuern und Geschäftsbereichsausweis.
Mitgliederbriefing
Detaillierter Profilkontext
Melden Sie sich mit der richtigen Mitgliedschaftsstufe an, um das vollständige Briefing und die Quellennotizen freizuschalten.
Nur für den Strategischen Kreis
Strategischer Kreis
Offen für alle Leser. Schalten Sie Profil-Briefings nach Beitritt und Anmeldung frei.
Strategischem Kreis beitretenNur für Leadership Alliance
Leadership Alliance
Für qualifizierte Inhaber von IP-Assets und Management; melden Sie sich an, um Leadership-Alliance-Briefings freizuschalten.
Leadership Alliance beitreten





