Zusammenfassung
- Der Beschluss vom April 1997 erlaubte öffentlichen Zugang, bestimmte aber die KACST als einzigen internationalen Anschlusspunkt. Lizenzierte Anbieter mussten ihre Verbindung über diese Stelle führen.
- Am 9. Januar 1999 sollten die Anbieterleitungen aktiviert werden. Noch im Februar fand ein Bericht keinen ISP, der bereits für die Öffentlichkeit geöffnet hatte. Genehmigung, Zusammenschaltung und Kundendienst waren getrennte Schritte.
Ein Startdatum vor dem eigentlichen Start
Am 9. Januar 1999 sollte das öffentliche Internet in Saudi-Arabien beginnen. Das Datum bedeutete jedoch nicht, dass Haushalte an diesem Morgen bereits einen Anschluss bestellen konnten. Ein Update des Projekts Global Diffusion of the Internet erklärte im Februar, dass die Anbieter für diesen Tag die Aktivierung ihrer Verbindungen über die Saudi Telecommunications Company (STC) und die King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST) erwarteten. Anschließend mussten sie ihre Anlagen fertigstellen und Kunden anschließen. Mitte Januar fanden die Forscher ungefähr 500 aktive IP-Adressen; mehr als 80 Prozent davon waren der KACST oder ihrer Internet Service Unit (ISU) zugeordnet. Einen bereits für die Öffentlichkeit geöffneten ISP konnten sie nicht feststellen.
Die Chronologie hat deshalb mehrere Schwellen. Nach rund zwei Jahren behördlicher Beratungen wurde der öffentliche Zugang im April 1997 genehmigt. Danach entstanden zentrale Netzeinrichtungen, private Anbieter erhielten Lizenzen, und nationale wie internationale Leitungen wurden vorbereitet. Erst wenn diese Schritte abgeschlossen waren, konnte ein Kundendienst laufen. Wer alles als „Start“ bezeichnet, macht aus einer Verwaltungsentscheidung eine bereits nutzbare Verbindung.
Saudi-Arabien hatte vorher Internetverbindungen, aber noch keinen allgemeinen Dienst. Der Bericht von 1999 datiert den ersten Anschluss auf 1994: Das King Faisal Specialist Hospital and Research Center war über eine Satellitenleitung und das International Medical and Educational Data Link mit Bethesda in Maryland verbunden. Der Zugang blieb vor allem ausgewählten Beschäftigten des Krankenhauses, der KACST und der King Saud University vorbehalten. Da es keine eigene Leitung zum KSU-Campus gab, nutzten dessen Beschäftigte die Verbindung an der KACST.
Einige Unternehmen, darunter Saudi Aramco, verfügten über private Leitungen für betriebliche Zwecke. Daraus folgt nicht, dass Einwohner 1994 einen gewöhnlichen privaten Anschluss kaufen konnten.
Viele Anbieter, ein internationaler Ausgang
Der Beschluss von 1997 legte die Grundstruktur fest: Die KACST sollte der einzige internationale Anschlusspunkt sein; lizenzierte ISPs mussten sich über sie mit dem Internet verbinden. Außerdem sollte die KACST eine Firewall oder andere Filtertechnik betreiben. Bis Mai 1998 war ihre ISU für den nationalen Knoten, die Firewall und das Lizenzverfahren zuständig. Anbieter konnten also um Einzelkunden konkurrieren, während der Weg zu ausländischen Hosts in einer staatlichen Stelle gebündelt blieb.
Die Zahl der Bewerber entsprach nicht der Zahl der laufenden Anbieter. 1998 bekundeten mehr als 200 Unternehmen ihr Interesse, mindestens 160 stellten einen formellen Antrag. Im August nannte die KACST 71 qualifizierte Bewerber. Im Dezember kündigte sie 40 private Lizenzen an; auch der staatliche Telekommunikationsanbieter STC trat als kommerzieller ISP in den Markt ein. Interessenten, qualifizierte Bewerber, private Lizenznehmer und tatsächlich geöffnete Anbieter sind verschiedene Gruppen. Im Februar war das Netz für lizenzierte ISPs geöffnet worden, doch der öffentliche Dienst wurde noch eingerichtet.
STC stellte die Leitungen zwischen den ISPs und der KACST bereit und baute die internationale Verbindung. Der Februarbericht beschreibt eine Satellitenverbindung über AlterNet, damals eine Tochter von UUNET. Er nennt auch die angekündigten Kosten: Eine gemietete STC-Leitung mit 512 Kilobit pro Sekunde sollte schätzungsweise 56.000 Riyal oder 15.000 US-Dollar pro Monat kosten, zusätzlich zu den Portgebühren der KACST. Die ISU begrenzte zugleich die Endkundenpreise; zunächst durfte jeder ISP höchstens 130 Modemverbindungen anbieten.
Das sind berichtete Startbedingungen, weder eine abschließende Kostenaufstellung aller Anbieter noch ein Nachweis für die später erbrachte Servicequalität.
Eine Lizenz schafft noch keine Kapazität
Selbst mit Lizenz blieb ein ISP von einer engen Vorleistungskette abhängig: lokalen Telefonleitungen der STC, einer Mietleitung zur ISU, einem Port bei der KACST und dem gemeinsamen internationalen Ausgang. Der Bericht warnte, dass Netzkapazität und die wechselhafte Qualität der Teilnehmeranschlüsse den Dienst begrenzen könnten. Ein unabhängiges nationales IP-Backbone beschreibt er nicht als bereits verfügbar. Die Lizenzzahl allein sagt daher weder aus, wie viel Bandbreite Kunden kaufen konnten, noch wann der Zugang außerhalb Riads verfügbar war.
Das Gateway bestimmte auch, wo eine Filterung stattfinden konnte. Human Rights Watch berichtete 1999, dass die lizenzierten ISPs an einen KACST-Hauptserver angeschlossen werden sollten und die KACST den einzigen Zugang zum World Wide Web kontrollierte. Die Organisation zitierte KACST-Präsident Saleh al-‘Adhel zu geplanter Software und Hardware, mit der Behörden als unangemessen eingestufte Inhalte sperren wollten. Auch der technische Bericht vom Februar leitete aus Adressdaten ein Netz aus Gateway-Routern, Firewalls und Proxys ab; manche Angaben zu Adressen und Geräten kennzeichnete er jedoch als vorläufig.
Die Architektur ist belegt, der genaue Betrieb jedes Filters und jeder Verkehrsroute weniger vollständig.
Im Februar 1999 meldete die saudische Zeitung Al-Jazirah eine neue Website der Internet Service Unit der KACST. Diese kleine zeitgenössische Notiz grenzt die Schritte weiter voneinander ab: Informationen über die Einheit waren online, während die Anbieter ihre Anlagen noch fertigstellten. Eine Informationsseite, ein aktivierter internationaler Kreis und ein nutzbarer Einwahlvertrag sind unterschiedliche Belege.
Was sich 1999 öffnete
Die Öffnung war real: Private Unternehmen durften einen Dienst anbieten, der zuvor vor allem ausgewählten Einrichtungen und wenigen Firmenleitungen vorbehalten gewesen war. Die Lizenzen verteilten jedoch nicht die Kontrolle über den internationalen Weg. Die Anbieter konkurrierten am Kundenrand, während Vorleistungen, zentrale Zusammenschaltung und Filterpunkt gebündelt blieben. Um den Übergang 1997–1999 zu verstehen, muss man die ganze Abfolge verfolgen: Genehmigung, gemeinsames Gateway, Bereitschaft der Anbieter und schließlich nutzbarer Kundenzugang.
Eine später veröffentlichte Arbeit im Bestand der King Saud University datiert die Einführung des Internets auf den 1. Januar 1999 und nennt bis zu 40 ausgewählte Anbieter; auch ein späteres offizielles Länderprofil Saudi-Arabiens setzt den öffentlichen Zugang auf 1999. Diese Jahresangaben belegen weder den ersten privaten Vertragsabschluss noch widerlegen sie die Unterscheidung des Berichts vom Februar 1999 zwischen der Aktivierung der ISP-Leitungen und dem Kundendienst.
Quellen: The Global Diffusion of the Internet, Update zu Saudi-Arabien (Februar 1999); Human Rights Watch, Länderprofil Saudi-Arabien (1999); Al-Jazirah, Meldung zur Website der KACST-Interneteinheit (10. Februar 1999, Arabisch); Institutionengeschichte der KACST. Arbeit der King Saud University; offizielle Ländergeschichte Saudi-Arabiens.
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