Zusammenfassung
- Der RFC 1290 nannte im Dezember 1991 den Rechner madlab.sprl.umich.edu und Port 3000 als Zugang zur Wetterauskunft.
- Aus dem Hochschulprojekt gingen grafische Werkzeuge für den Unterricht und später eine kommerzielle Website hervor; den Zugang hielten konkrete Entwickler und Geldgeber in Bewegung.
Die Frage lautete: Wie wird das Wetter? Die Vorbedingung lautete: telnet madlab.sprl.umich.edu 3000. So stand der Zugang im RFC 1290 vom Dezember 1991. Wer die richtige Maschine und ihren Dienst am richtigen Port erreichte, kam der Antwort näher. Das Internet konnte schon Wetter liefern. Beim Empfangsschalter hatte es noch Übungsbedarf.
Der Verfasser des Leitfadens beschrieb an anderer Stelle, warum Hochschulen Menüs vor ihre Informationsdienste setzten. Die Nutzer sollten auswählen können, was sie brauchten; Adressen und Befehle erledigte die Software im Hintergrund. Ein Wetterdienst bot dafür einen erfreulich alltäglichen Anlass.
An der University of Michigan war dieser Anlass ausgesprochen pünktlich. Perry Samson wollte Material für seine Lehrveranstaltung um neun Uhr. Wie er in der Rückschau der Hochschule von 2017 erzählte, hatte er zuvor einen frühen Wetterbericht vom Fernsehen auf Videokassette aufgenommen. Die Bildqualität ließ zu wünschen übrig. Jeff Masters schrieb als Kursprojekt ein Textprogramm, das eingehende Wetterdaten ordnete und zugänglich machte. Eine Sun-Workstation und die Satellitenantenne auf dem Dach versorgten das Labor bereits mit Daten von National Weather Service.
Zunächst war das Programm nur im Hochschulnetz erreichbar. Masters erinnerte sich daran, dass Ingenieure von Merit die nötige Ergänzung für den Zugang aus dem Internet lieferten. Der veröffentlichte Anschlussweg von 1991 hält fest, wie Außenstehende den Dienst damals finden konnten.
Mit Unterstützung von NSF arbeiteten Alan Steremberg, Chris Schwerzler und Jeff Ferguson am Projekt. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf den Unterricht an Schulen und auf grafische Darstellung. Samson hatte eine interaktive HyperCard-Karte im Sinn. Steremberg entwickelte einen Gopher-Client: Blue Skies. Wer mit dem Zeiger über eine Stadt fuhr, konnte deren Wetter sehen. Die Handbewegung übernahm einen Teil der Arbeit, die vorher beim Gedächtnis lag.
Eine Originalarbeit der digitalen Bibliothek von 1995 beschreibt interaktive aktuelle Wetterbilder neben archivierten Daten, Bildern und Dokumenten. Der beispielhafte Katalogeintrag führt Macintosh- und Windows-Software, Englisch sowie Schüler und Lehrkräfte als Zielgruppen auf. Der Zugang hatte damit ein Gesicht bekommen — und weiterhin Voraussetzungen, die auf dem Schreibtisch des Nutzers erfüllt sein mussten.
Mosaic brachte das Team nach Samsons späterer Schilderung unter Zugzwang. Die gewählte Oberfläche musste mit neuen Nutzungsgewohnheiten Schritt halten. Die Hochschulgeschichte datiert den kommerziellen Webauftritt auf 1995. In seinem 2012 bei Unidata veröffentlichten Brief schilderte Samson, wie die beteiligten Studenten und der frühere Mitarbeiter das Vorhaben kommerziell fortführten.
So stecken zwischen dem langen Rechnernamen und der bequemen Wetterseite auch Fördergeld, Studienabschlüsse und Zuständigkeitswechsel. Das Wetter bekam eine bequemere Adresse. Den Umzug bezahlte allerdings weiterhin jemand.
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