Zusammenfassung

  • Thryv erzielte im zweiten Quartal 2026 einen SaaS-Umsatz von 114,5 Millionen US-Dollar, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Marketing Services sanken um 62 Prozent auf 36,2 Millionen. Damit stieg SaaS auf 76 Prozent einer deutlich kleineren Umsatzbasis; starkes SaaS-Umsatzwachstum zeigt die Quote nicht.
  • In den USA realisiert Thryv die Erlöse gedruckter Verzeichnisse bei der Auslieferung; der typische Zyklus beträgt 24 Monate. Das macht Quartalsvergleiche ungleichmäßig. Nach der eigenen Bereinigung des Unternehmens fiel der durchschnittliche Monatsumsatz je Verzeichnis gegenüber der vorherigen Ausgabe dennoch um 26 Prozent.
  • Thryv überführt ausgewählte digitale Marketingprodukte ohne Aufschlag auf den Grundpreis in SaaS. Das kann Vertriebskosten senken, aber die migrierten Produkte haben niedrigere Bruttomargen. Das Unternehmen räumt zudem ein, dass die Kunden kündigen könnten.

Ein gedrucktes Verzeichnis liefert Umsatz nicht wie ein Monatsabonnement. Thryv erfasst den Erlös, wenn die veröffentlichte Ausgabe ihren Zielmarkt erreicht. Für US-Verzeichnisse galt 2026 meist ein Zyklus von 24 Monaten. Derselbe Titel erzielt daher üblicherweise erst mit der nächsten Ausgabe wieder vergleichbare Druckerlöse. Werden in einem Quartal weniger Verzeichnisse zugestellt, kann der Softwareanteil steigen, obwohl die SaaS-Umsätze kaum wachsen.

Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 im Form 10-Q machen den Unterschied zwischen Anteil und absolutem Umsatz sichtbar. Thryv meldete 114,480 Millionen US-Dollar SaaS-Umsatz, 36,248 Millionen aus Marketing Services und insgesamt 150,728 Millionen. SaaS entsprach damit rund 76,0 Prozent. Ein Jahr zuvor standen 115,005 Millionen SaaS-Umsatz einem Gesamtumsatz von 210,470 Millionen gegenüber; der Anteil lag bei etwa 54,6 Prozent. Die Quote legte um mehr als 21 Prozentpunkte zu, während der SaaS-Umsatz um 525.000 US-Dollar beziehungsweise 0,5 Prozent sank.

Rechnerisch erklärt vor allem der schrumpfende Nenner diese Verschiebung. Marketing Services verloren im Jahresvergleich 59,217 Millionen US-Dollar oder 62 Prozent; der Gesamtumsatz fiel um 59,742 Millionen beziehungsweise 28,4 Prozent. Über jeden Vergleichszeitraum sank SaaS nicht: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 2,2 Prozent. Die Quartalsquote von 76 Prozent ist dennoch keine Wachstumsrate von 76 Prozent und belegt nicht, dass die Software-Nachfrage allein das Geschäft verändert hat.

Der Veröffentlichungsrhythmus erklärt einen Teil der Schwankungen. Laut Thryvs Quartalsbericht haben die meisten US-Verzeichnisse inzwischen einen Zyklus von 24 Monaten; den Umsatz je gedruckter Ausgabe erfasst das Unternehmen gewöhnlich einmal bei der Auslieferung. Im vierten Quartal 2024 begann es, die US-Zyklen von 18 auf 24 Monate zu verlängern. Im zweiten Quartal 2026 wurden weniger Verzeichnisse zugestellt als im Vorjahresquartal. Thryv warnt deshalb, dass der Veröffentlichungszeitpunkt den Jahresvergleich weniger aussagekräftig für die zugrunde liegende Nachfrage macht.

Der Zeitplan beseitigt den Rückgang je Verzeichnis aber nicht. Durch die Verlängerung von 18 auf 24 Monate lag der durchschnittliche Gesamterlös je im Quartal veröffentlichter Ausgabe um 10 Prozent über der vorherigen Ausgabe desselben Verzeichnisses. Auf die Monate des Zyklus umgelegt sank der durchschnittliche Monatsumsatz je Verzeichnis dagegen um 26 Prozent. Für die im Quartal veröffentlichten Ausgaben meldete Thryv einen Netto-Rückgang von 16 Prozent je Verzeichnis. Das sind Unternehmensberechnungen und kein unabhängiger Nachfrageindex.

Sie trennen dennoch zwei Effekte: wann eine Ausgabe ausgeliefert wird und welchen Wert sie über ihren gesamten Zyklus erzielt.

Marketing Services umfassen mehr als Print. Dazu zählen auch die Internetverzeichnisse Yellowpages.com, Superpages.com und Dexknows.com sowie bezahlte Suchmaschinenwerbung. Der Druckumsatz sank im Quartal um 42,1 Millionen US-Dollar oder 62,8 Prozent auf 24,9 Millionen. Der digitale Marketingumsatz fiel um 17,1 Millionen beziehungsweise 60,2 Prozent auf 11,3 Millionen. Thryv verweist beim Digitalgeschäft auf eine kleinere Kundenbasis, stärkeren Wettbewerb bei Suche und Displaywerbung sowie Produktmigrationen auf die Plattform. Diese verschiedenen Entwicklungen lassen sich nicht alle dem Druckkalender zurechnen.

Berichtender Rechtsträger ist Thryv Holdings, Inc. (NASDAQ: THRY), das Unternehmen legt die Ergebnisse seiner selbst und seiner Tochtergesellschaften vor. Thryv bedient kleine und mittlere Unternehmen, vor allem in den USA, Australien, Neuseeland, Kanada und Europa. Die älteren Produkte verkaufen Anzeigen in Verzeichnissen und digitale Sichtbarkeit; SaaS bündelt Verwaltungs- und Marketingfunktionen auf der Thryv-Plattform. Eine Migration kann die Kundenbeziehung erhalten und später zusätzliche Funktionen verkaufbar machen.

Nach eigenen Angaben begann Thryv Ende 2023 damit, für ausgewählte Kunden digitaler Marketingdienste außerhalb des üblichen Vertriebsprozesses Plattform-Upgrades einzuleiten, ohne beim Wechsel den Grundpreis zu erhöhen. Für diese vom Unternehmen initiierten Upgrades fällt auch keine Vertriebsprovision an. In den zwölf Monaten bis zum 30. Juni 2026 wechselten etwa 11.000 Kunden mit digitalen Marketingprodukten, die zuvor kein SaaS nutzten; zum Quartalsende waren rund 9.000 davon weiterhin SaaS-Kunden. Thryv ordnet dieser Gruppe im zweiten Quartal 5,0 Millionen US-Dollar SaaS-Umsatz zu.

Separat migrierte das Unternehmen Produkte für etwa 4.000 Kunden, die bereits mindestens ein SaaS-Produkt nutzten, und weist für diese Gruppe 1,8 Millionen Quartalsumsatz aus.

Das sind nicht 15.000 neu gewonnene SaaS-Kunden. Die zweite Gruppe nutzte SaaS bereits; geändert hat sich der Produktmix, nicht der Status als Neukunde. Auch lassen sich die Gruppenumsätze nicht einfach addieren, um das Segmentwachstum nachzubauen. In seiner separaten Halbjahresbrücke ordnet Thryv den 2026er Migrationen 4,0 Millionen US-Dollar und neuen Verkäufen sowie Erweiterungen 8,4 Millionen zu. Dem standen 12,9 Millionen weniger Nettoerlös aus Produkten gegenüber, die vor 2026 verkauft oder migriert wurden. Diese Segmentbrücke hat einen anderen Umfang als die Kundenangaben.

Die Wirtschaftlichkeit der Migration ist noch offen. Thryv warnt, dass vom Unternehmen außerhalb des Vertriebsprozesses umgestellte Kunden wesentlich häufiger kündigen könnten als andere SaaS-Kunden. Im ersten Halbjahr 2026 entsprach ihre Kündigungsrate dem übrigen SaaS-Segment – ein frühes Zwischenergebnis, keine langfristige Bindungsgarantie. Zugleich sind laut Thryv die migrierten digitalen Produkte niedriger margig als das bestehende SaaS-Angebot. Die SaaS-Bruttomarge fiel im zweiten Quartal von 72,1 Prozent im Vorjahr auf 63,5 Prozent. Das Unternehmen führt den Rückgang vor allem auf diese Produkte und weitere Faktoren zurück.

Der Anteil von 76 Prozent verrät nicht, welchen Wert die migrierten Kunden schaffen. Thryv meldete außerdem einen monatlichen SaaS-Umsatz je Kunde von 394 US-Dollar, ein Plus von 11,9 Prozent, 95.000 SaaS-Kunden und eine bereinigte Bestandskunden-Nettoerlösbindung von 90 Prozent. Die Abgrenzungen unterscheiden sich: Der ARPU enthält die Übernahme Keap, die ausgereifte Bindungskennzahl schließt Keap aus. Keine dieser Zahlen zeigt, ob Kunden eines kostenlosen Grund-Upgrades jahrelang bleiben, kostenpflichtige Funktionen hinzubuchen oder den Bruttogewinn steigern.

Thryv will die Marketing Services bis Ende 2028 einstellen. Das ist eine Managemententscheidung, kein bereits abgeschlossener Ausstieg. Die Lücke muss durch SaaS-Umsatzwachstum, Kundenbindung, zusätzliche Ausgaben und einen geordneten Rückbau der Print- und Digitalprodukte aufgefangen werden. Der im August angekündigte Restrukturierungsplan sieht 20 bis 25 Millionen US-Dollar Kosten vor; nach Abschluss sollen brutto jährlich 55 bis 60 Millionen eingespart werden, erste Effekte erwartet das Unternehmen 2027. Das sind Prognosen, keine realisierten Einsparungen.

Die sachgerechte Lesart lautet weder „76 Prozent sind falsch“ noch „die Transformation ist abgeschlossen“. SaaS ist der größte Umsatzbereich und wuchs im Halbjahr moderat. Der höhere Anteil im zweiten Quartal entstand aber vor allem mit dem Einbruch des anderen Segments. Der Druckkalender macht die Quartalsumsätze ungleichmäßig; der normalisierte Erlös pro Verzeichnis zeigt zusätzlichen strukturellen Druck. Die Migration kann eine Brücke bilden, muss aber Preis-, Margen- und Bindungstests bestehen.

Entscheidend sind nachhaltiges SaaS-Dollarwachstum, die Beständigkeit der migrierten Kunden und die tatsächliche Wirtschaftlichkeit des Rückzugs aus dem Altgeschäft.

Quellen