Zusammenfassung

  • Skeeve Stevens beantragte mit prop-083 eine zusätzliche IPv6-Zuteilung für APNIC-Kontoinhaber mit einem bestehenden /32 und einem davon getrennten Netz. Kleinere Routen aus dem ersten Block könnten an Filtern anderer Betreiber scheitern. APNIC 29 fand im März 2010 für diese Fassung keinen Konsens.
  • Die Fassung von 2011 machte getrennte Netze zu einem Beispiel unter mehreren. Antragsteller sollten ihre bisherige Zuteilung ankündigen und APNIC einen überzeugenden Grund für mehr Raum darlegen. APNIC 31 erreichte Konsens; nach Billigung durch den Executive Council galt die Änderung ab 9. August.
  • APNIC erhielt eine Möglichkeit, solche Anträge anhand konkreter Gründe zu beurteilen. Die Annahme von Routen blieb Sache der fremden Netzbetreiber. Entscheidend wurde, wie das Register seine neue Ermessensentscheidung begründet.

Ein großes Präfix und eine unwillige Grenze

Stevens' erster Antrag beschreibt einen Betreiber, der sein /32 in Neuseeland ankündigt und ein weiteres Netz in Singapur aufbaut. Zwischen beiden gibt es keine private Verbindung. Der Standort in Singapur kauft Transit vor Ort. Ein /35 aus dem vorhandenen /32 ließe sich dort ankündigen. Nimmt ein fremder Router aus APNICs Bereich aber nur Routen bis zur Länge /32 an, verwirft er dieses /35. Das Register zeigt einen großen Adressbestand; die Route zum neuen Standort bleibt unsichtbar.

Das Beispiel ist ein Modell des Antrags, keine veröffentlichte Störungsmeldung eines bestimmten Netzes. Der Text zeigt sogar eine Filterzeile, die den beschriebenen Effekt auslösen würde. Er zählt nicht, wie viele Betreiber sie tatsächlich verwendeten. Stevens wollte unter solchen Umständen eine zweite Zuteilung erlauben, die der neue Standort als eigenständigen Block ankündigen könnte.

Sein Blick kam aus der Arbeit mit kleineren Anbietern. In einer APNIC-Kandidatur von 2009 schrieb Stevens, er arbeite seit 1994 am Aufbau australischer Internetanbieter und berate kleine und mittlere Netze. Für sie ist ein zweiter Standort eine Abfolge von Rechnungen und Anträgen: lokaler Transit, Technik, Adressen, Ankündigung. Die letzte Hürde kann in einer Filterliste eines Betreibers liegen, den sie nicht beauftragt haben.

Die damalige APNIC-Regel für spätere IPv6-Zuteilungen stellte vor allem auf die Auslastung des ersten Blocks ab. Zuweisungen in /56-Einheiten und ein HD-Ratio-Schwellenwert von 0,94 sollten zeigen, wann weiterer Raum nötig war. Ein räumlich getrenntes Netz konnte jedoch einen nutzbaren eigenen Routeneintrag brauchen, obwohl der erste Block nach dieser Kennzahl reichlich frei blieb. Stevens verlangte eine zweite Antwort auf eine andere Frage: Was kann der Inhaber am neuen Ort praktisch mit dem vorhandenen Block anfangen?

Die erste Sitzung verteilte die Rechnung

Die Debatte bei APNIC 29 legte mehrere Kostenmodelle auf den Tisch. Lorenzo Colitti fragte, weshalb zwei Standorte zwei /32 brauchen sollten, wenn zwei Teilrouten aus einem /32 ebenso viele Einträge in der Routingtabelle erzeugen. Raphael Ho dachte an einen Betreiber mit zehn Büros und zehn möglichen neuen Blöcken. Philip Smith verstand den betrieblichen Ärger, wollte aber Adresspolitik nicht zur Dauerlösung für starre Filter einiger Netze machen. Gaurab Raj Upadhaya verwies auf getrennte APNIC-Konten für getrennte Netze.

Stevens hielt dagegen, dass Technikbetriebe heute Kunden anschließen müssen. Eine Empfehlung, Filter irgendwann anzupassen, öffnet heute keine Route. Er schilderte alte Bogon-Listen, die selbst nach legitimer Nutzung der betroffenen Adressen in Routern verbleiben. Das Nachfassen bei fremden Betreibern kostet Zeit. Ein zweites Konto würde derselben Organisation zusätzliche Verwaltung und möglicherweise zusätzliche Mitgliedsgebühren aufbürden. Die Alternative eines neuen Blocks kostet Adressraum und fordert vom Register eine Prüfung. Kostenlos war keine der Lösungen.

Im selben Treffen wurde prop-082 diskutiert, die eine Aggregationsvorgabe für anfängliche IPv6-Zuteilungen beseitigte. Stevens machte den Abstand zwischen Erlaubnis und Erreichbarkeit zum Thema: APNIC kann eine kleinere Ankündigung zulassen, ohne alle Transitnetze zur Annahme zu bringen. Für die Kritiker wiederum bestand die Gefahr, mit neuen /32 die Betreiber veralteter Filter aus ihrer Pflicht zu entlassen. Beide Seiten sprachen über Netzbetrieb. Sie stritten darüber, welche Institution die Störung zunächst tragen sollte.

Am Ende gab es Gegenstimmen, und der Vorsitz stellte für prop-083 keinen Konsens fest. Das bedeutete eine Rückkehr zur Mailingliste. Der erste Entwurf hatte die Qualifikation noch eng an getrennte Netze gebunden. Die Kritik machte deutlich, dass auch der Nachweis für das angebliche Filterproblem genauer werden musste.

Aus einer Landkarte wurde ein Prüfmaßstab

Bei APNIC 31 im Februar 2011 brachte Stevens das Thema erneut vor. In der dritten Fassung illustrierte ein Netz in Australien und eine mögliche Niederlassung in Kambodscha das Problem. 6RD und andere Übergangstechniken traten als zusätzliche Beispiele hinzu. Der Antragsteller musste bereits IPv6-Raum besitzen und ankündigen sowie APNIC einen überzeugenden Grund für eine weitere Zuteilung zeigen. Die räumliche Trennung war nun ein Beispiel statt der einzigen Eintrittskarte.

Stevens berichtete, ungefähr zwei Dutzend einschlägige Fälle seien ihm seit dem Vorjahr genannt worden. Im Protokoll ist das seine Aussage; eine überprüfbare Fallliste oder regionale Messreihe steht dort nicht. Randy Bush hielt seine eigene Erfahrung entgegen: Er kündige ein /48 an drei Orten ohne beobachtetes Erreichbarkeitsproblem an und wünsche sich eine ernsthafte Untersuchung. Philip Smith nannte ein /35, das er vielerorts ankündige, und fragte nach konkreten Netzen, die Stevens' Fälle blockierten. Namen hatte Stevens in der Sitzung nicht parat.

Das Gremium musste unter widersprüchlichen Betriebserfahrungen eine Regel für künftige Einzelanträge finden.

Izumi Okutani berichtete über JPNICs Vorgehen. Zwei Netze derselben Organisation mit getrennten globalen ASNs könnten dort als zwei Konten behandelt werden und jeweils ein anfängliches /32 bekommen. Das brachte die Frage nach zwei Mitgliedschaften auf. Stevens hielt wenig davon, eine Organisation allein für denselben technischen Zweck künstlich zu teilen. Wo APNIC die Grenze zwischen erstem und weiterem Antrag zog, entschied auch über administrative Kosten.

Randy Bush benannte die eigentliche Änderung: Die im ersten Entwurf genaueren Kriterien wanderten in die Beurteilung durch APNICs Hostmaster. Stevens bestätigte das. Das Sekretariat sagte, für solche Anträge brauche es Richtlinien oder eine Prüfliste. Flexibilität half bei ungewöhnlichen Netzen und neuen Übergangstechniken. Sie erhöhte zugleich die Verantwortung, ähnliche Gründe ähnlich zu beurteilen und die Maßstäbe verständlich zu machen.

Der Policy SIG fand am 23. Februar Konsens. Die Mitgliederversammlung bestätigte das Ergebnis. Nach acht Wochen teilten die Vorsitzenden mit, dass keine Einwände eingegangen waren. Der Executive Council billigte die Regel im Mai; APNIC setzte sie am 9. August 2011 in Kraft. Stevens hatte nun einen Weg für Fälle eröffnet, bei denen die Auslastung des ersten Blocks die praktische Lage nur unvollständig erklärte.

Wer den Schlüssel wirklich hält

APNIC kann Adressen vergeben und Anträge prüfen. Die Filter in fremden Netzen bleiben unter fremder Kontrolle. Prop-083 war deshalb eine Änderung an der Tür des Registers, nicht an allen Routern auf dem Weg. Der Antragsteller bekam Gelegenheit, den konkreten Netzplan und den Bedarf vorzulegen. Der Hostmaster bekam die Aufgabe, die Begründung zu beurteilen.

Die heutige APNIC-Ressourcenpolitik führt sowohl eine Auslastungsschwelle als auch einen alternativen Weg mit gültigem Grund. Die heutigen Antragsrichtlinien nennen getrennte Netze, Übergangstechniken und weitere akzeptierte Umstände. Ihre Formulierungen wurden nach 2011 überarbeitet; die Struktur der damaligen Entscheidung ist darin erkennbar.

Stevens gewann eine Prüfung für den Fall, dass ein vorhandener großer Block auf dem Papier genügte und im Netzdesign trotzdem Schwierigkeiten bereitete. Die Verteilung zusätzlicher Adressen war der sichtbare Akt. Die unsichtbare Arbeit lag danach in jeder Begründung: Welches Hindernis löst der nächste Block tatsächlich? Die Sitzung konnte nicht über fremde Filter abstimmen. Sie konnte APNIC aber zwingen, diese Frage ernsthaft zu beantworten.