Zusammenfassung

  • RFC 9723 nutzt IPv6 Unicast und die Color Extended Community, um SRv6-Locator-Präfixe mit Intent zu verbreiten; der Service SID wird per Longest-Prefix Match auf diese Präfixe gelenkt.
  • Sichtbares Color beweist weder dasselbe aktuelle Wörterbuch in allen AS, noch FIB-Installation, den erwarteten Gewinner, den tatsächlichen Paketpfad oder Latenz, Isolation und Verfügbarkeit.
  • Belastbare Evidenz verbindet semantische Zuständigkeit, Locator-Zuteilung, BGP-Verbreitung, (N,C)-Auflösung je Domäne, RIB/FIB, tatsächlichen Match, Paketbeobachtung, Dienstmessung und Rückzug.

Ein grüner Anfang und ein grünes Ende lassen die Mitte offen

Ein PE vergibt einen Service SID unter einem Low-Latency-Locator. Im ersten AS erscheint C1, im dritten ebenfalls. Das mittlere AS unterstützt CPR jedoch nicht. Sein Border Router ignoriert Color, löst den Next Hop über Best Effort auf und reicht das farbige Präfix weiter. Genau diesen Fallback beschreibt RFC 9723 für inkrementelle Einführung.

Die Kontrollinformation blieb erhalten; die Behandlung wurde unterbrochen. Das Protokoll widerspricht sich nicht. Falsch wäre nur, zwei sichtbare Route-Einträge als End-to-End-Beweis zu lesen.

RFC Editor und IETF Datatracker führen RFC 9723 als Informational vom Mai 2025, nicht Standards Track. Die Errata-Suche bescheinigt keine Implementierung.

Intent wird aus der Adresshierarchie abgeleitet

CPR erfindet keine neue BGP-Familie. Es verwendet IPv6 Unicast AFI/SAFI 2/1 auf Grundlage von RFC 2545 und die Color Extended Community aus RFC 9012. Das IANA-Register hält den gemeinsamen Namensraum; RFC 9723 hat keine neue IANA-Aktion.

Ein PE kann seinen Base Locator in spezifischere Sub-Locators teilen und jedem einen Intent zuordnen. Die spezifischen Präfixe werden mit Farbe, der abdeckende Locator gegebenenfalls ohne Farbe annonciert. Der Service SID liegt unter dem passenden Locator; seine Route folgt RFC 9252. Bei Option C bleibt der Ursprung-PE Next Hop, und die Service Route muss Color nicht wiederholen.

Am Ingress wird der SID zur äußeren IPv6-Destination. Ist die CPR-Route empfangen und installiert, findet der Longest-Prefix Match das farbige Präfix und den domäneninternen Pfad. Jeder Border wiederholt den Vorgang.

Damit hängt die Aussage von SID, aktuellem Präfixbestand, LPM-Gewinner und dessen Color ab. Eine alte oder unerwartet spezifische Route kann das Ergebnis ändern, ohne den SID zu verändern.

Das Farbwörterbuch gehört unter Versionskontrolle

Der Normalfall unterstellt dieselbe Bedeutung im Trusted Domain. Für unterschiedliche Werte kann ein Border per Mapping Policy übersetzen. BGP transportiert aber nur die Zahl. Es authentifiziert weder die Schwelle für „niedrige Latenz“ noch Messfenster, Scope, Freigabe oder Wirksamkeitsdatum.

Ein Wörterbucheintrag braucht Wert, Bedeutung, messbares Ziel, AS- und Service-Scope, Version, Owner, Approver, Beginn, Ende und erlaubte Übersetzungen. Jede Border Policy sollte ihre Quell- und Zielversion nennen.

Zwei Kopien desselben Präfixes mit unterschiedlichen Color EC bezeichnet RFC 9723 als Misconfiguration. Beide Beobachtungen müssen erhalten, automatische Assurance ausgesetzt, Ursprung und Policy identifiziert und die Auflösung verantwortet werden. Stille Auswahl kann Erreichbarkeit reparieren und Beweiskette vernichten.

(N,C) ist nur der Eingang in lokale Auswahl

Der Border löst Next Hop N und Color C auf SRv6 Policy, SR-MPLS Policy, Flex-Algo oder RSVP-TE auf. Die Details sind lokal. RFC 9256 zeigt eigene Candidate Paths, Preferences, Validity, Active Path und Fallback.

Je Domäne sind empfangenes Präfix, N, C, Mapping-Version, Kandidaten, Auswahlgrund, Liveness, Fallback und programmierter Next Hop aufzubewahren. Controller-Intent ersetzt keinen Router-Readback.

Ein breiteres Präfix kann Erreichbarkeit retten und Intent löschen

Der Base Locator deckt die Colored Sub-Locators ab. RFC 9723 verlangt deshalb, Aggregation für IPv6-Routen mit Color EC abzuschalten. Verschwindet das farbige /68, während ein ungefärbtes /64 bleibt, kann der Service SID erreichbar sein. Der LPM wählt aber eine andere Behandlung. Der Probe-Erfolg beweist nur Reachability.

Auch ein unerwartetes More-Specific kann die autorisierte Route verdecken. Ein FIB-Audit muss den realen Gewinner für repräsentative SIDs berechnen, die gesamte Covering Chain, Alter und Withdrawals aufbewahren und RIB von FIB trennen. Policy-Ablehnung, Rekursionsfehler, Programmierverzug oder Hardwaregrenzen lassen eine sichtbare Route ohne Paketwirkung zurück.

Teilweise Einführung ist ein benennbarer Downgrade

Ein Legacy-AS ignoriert Color und propagiert es weiter. Das erhält Kontinuität und erzeugt eine Assurance-Lücke. Erforderlich ist ein Capability Path: unterstützende AS und Nodes, erfolgreiche Auflösung, ignorierende Domänen, Beginn des Fallbacks und die Instanz, die den Downgrade genehmigt hat.

Bei mehreren EBGP-Pfaden darf lokale Policy Route- und Linkattribute berücksichtigen. RFC 9723 lässt die Details offen und verlangt konsistente Policies zwischen Domänen. Diese Konsistenz muss gemessen und versioniert werden; der RFC-Text erzeugt sie nicht.

Auch Trusted Domain ist kein Messergebnis. RFC 8402 fordert vertrauenswürdige SID-Quellen, deterministische Konfliktlösung und OAM zur Prüfung von Wirksamkeit, Liveness und Performance. Default Delivery bleibt Best Effort.

RFC 9723 weist außerdem darauf hin, dass die Color-Intent-Beziehung BGP-Knoten sichtbar ist und ein On-Path-Angreifer Verkehr erkennen kann. RFC 4271 und RFC 4272 begrenzen BGP-Sicherheit; RFC 8754 und RFC 8986 den SRv6-Datenpfad.

Für das von RFC 9602 zugeteilte 5f00::/16 beschreibt RFC 9723 eine Vereinbarung: den breiten Block standardmäßig verwerfen und benutzte Colored Prefixes erlauben. Vereinbarung, Konfiguration, Hardwarezustand und Paketergebnis sind getrennte Nachweise.

Der Dienstverantwortliche besitzt das letzte Urteil

Low Latency verlangt Delay, Loss, Jitter und Availability mit Uhr-, Vantage- und Fensterprovenienz. Isolation verlangt tatsächliche Forwarding- und Ressourcengrenzen. Bandwidth verlangt die Trennung von Capacity, Reservation, Congestion und Delivered Throughput.

Paketbeobachtung muss mit Service SID, Winning Prefix, FIB Next Hop, Domain Ingress/Egress, Encapsulation, Zeit und Policy-Version verbunden werden. Eine spätere Messung rekonstruiert keinen früheren Zustand; ein guter Mittelwert verdeckt einen einzelnen Fallback.

Withdrawal schließt die Kette rückwärts: Origin-Rückzug, Downstream-Verschwinden, Controller-Invalidierung, FIB-Löschung, Fallback-Aktivierung und letztes Paket. Bleibt der Base Locator erreichbar, ist ein ausdrücklicher Assurance-Downgrade nötig.

Lu Hengs Running-Code Primacy trennt Kontrollsymbol und ausgeführtes Netz. Minimum Initial Specification, Localized Future Decision, and Voluntary Adoption trennt gemeinsames Format und lokale Adoption. On Reality Layers trennt Koordination und ausführbare Wirklichkeit. Das sind offengelegte Analyserahmen, keine zusätzlichen RFC-Vorgaben.

RFC 9723 trägt Intent. Erst eine verknüpfte Beweiskette zeigt, wo er verstanden, ignoriert, installiert und als Dienst geliefert wurde.

Quellen

Primärquellen: RFC 9723, RFC Editor, IETF Datatracker, Errata, RFC 2545, RFC 4271, RFC 4272, RFC 8402, RFC 8754, RFC 8986, RFC 9012, RFC 9252, RFC 9256, RFC 9602, IANA.

Zugeordneter Rahmen: Running-Code Primacy, Minimum Initial Specification, On Reality Layers.