Zusammenfassung

  • LACNIC bearbeitete Registrierungsanträge ab dem 30. Juli 2002 selbst, zunächst unter Aufsicht von ARIN. ICANN erkannte das Regionalregister am 31. Oktober an; die Übergabedokumente wurden am 11. November unterzeichnet, der Zuständigkeitswechsel trat am 18. November in Kraft. Raúl Echeberría wurde dazwischen, am 15. November, vom interimistischen Leiter zum festen CEO.
  • Das erste Büro in Montevideo hatte etwa 13 Quadratmeter. ARIN überwies im Jahr 146.985,31 US-Dollar. NIC Brasil stellte Technik und Personal, NIC México trug Schulungen und Politikarbeit. Das neue Register wuchs aus benannten Beiträgen mehrerer Institutionen, die Echeberría zu einem verantwortlichen Betrieb zusammenführen musste.

Die Unterschriften hatten eine lange Packliste

Ein regionales Internetregister bekommt keine Umzugskartons, die man einfach am Empfang abgibt. Der gemeinsame Übergabeplan von ARIN und LACNIC nennt laufende Anträge, aktuelle und historische Registrierungsakten, Buchhaltungsunterlagen und die Verwaltung des Reverse DNS. Elektronische Dateien sollten mit Namen, Datum und Prüfinformationen identifizierbar sein. Papierunterlagen sollten nummeriert und kopiert werden. Für DNS-Zonen waren Seriennummern und unterschriebene Übergabeschreiben vorgesehen. Am Ende des Papiers stehen Ray Plzak und Raúl Echeberría. Ihre Namen deckten eine Menge kleiner, überprüfbarer Handgriffe.

Echeberría war damals Vorsitzender des LACNIC-Vorstands. Das Gremium hatte ihm im April zusätzlich die vorläufige Geschäftsführung übertragen. Der Umzug des Adressbuchs lag also schon auf seinem Tisch, bevor die Organisation seinen dauerhaften CEO-Titel beschloss. Diese Reihenfolge ist aufschlussreicher als ein Gründungsfoto: Erst mussten Mitglieder erreichbar bleiben und Dateien ankommen, dann konnte die Visitenkarte die neue Funktion abbilden.

Die Antragsbearbeitung wanderte in Etappen. Zu Beginn nutzten Antragsteller noch Formulare von ARIN. LACNIC prüfte die Gesuche; ARIN kontrollierte die Bewertung und traf die Zuteilungsentscheidung. Danach gingen Gesuche direkt bei LACNIC ein. Das neue Team entschied, ARIN gab vor dem Abschluss eine zweite Einschätzung. Mit dem endgültigen betrieblichen Übergang im November endete diese zusätzliche Prüfung. Jede Stufe vergrößerte die Arbeit und die Zuständigkeit des jungen Registers. Für einen Antragsteller blieb erkennbar, wer gerade das letzte Wort hatte.

Der Jahresbericht für 2002 setzt dazu die Daten: Ab 30. Juli bearbeitete LACNIC den Registrierungsdienst direkt unter Aufsicht von ARIN. ICANN erkannte LACNIC am 31. Oktober an. Die beiden Register unterzeichneten die Übergabeurkunden am 11. November; wirksam wurde der Autoritätswechsel am 18. November. Zwischen diesen letzten beiden Tagen, am 15. November, übernahm Echeberría die Geschäftsführung dauerhaft. Oscar Messano wurde Vorstandsvorsitzender. Der Kalender ließ Personalentscheidung und Datenübergabe ineinandergreifen.

Ein Büro, das man leicht übersehen konnte

Im Mai mietete LACNIC einen etwa 13 Quadratmeter großen Teil eines Büros in Montevideo unter. Es gab gemeinsame Räume, eine eigene Telefonleitung und eine brauchbare Internetverbindung. Zeitweise arbeiteten dort vier Menschen. Das Jahresdokument liefert die Maße ohne Pathos. Eine Einrichtung für Lateinamerika und die Karibik passte anfangs in eine Ecke, wenn man die eigentliche Arbeit auch an anderen Orten erledigen ließ.

Genau das geschah in São Paulo. Die Technikabteilung von NIC Brasil fungierte vom Beginn an praktisch als LACNICs Ingenieurteam. Frederico Neves leitete sie und handelte als technischer Leiter des neuen Registers. NIC Brasil stellte Ausrüstung, Hosting, Software, Personal und Anpassungen seines Registrierungssystems bereit. Der Jahresbericht beziffert diese Hilfe für 2002 auf ungefähr 175.000 US-Dollar. Das kleine Büro erklärt sich besser, sobald man den geliehenen Maschinenraum hinzudenkt.

Laut Bericht behielten Vorstand und Geschäftsführung die Kontrolle über die von Partnern ausgeführten Funktionen. Dieser Satz bekam bei jedem Problem einen praktischen Sinn: Wer entscheidet über eine Ausnahme? Wer erklärt einem Mitglied einen falschen Eintrag? Wer weiß, welche Datei ARIN an welcher Stelle übergeben hat? Echeberría musste eine Organisation führen, deren Maschinen, Fachleute und Arbeitsplätze auf mehrere Städte verteilt waren.

Die erste Büroplanung reichte bis März oder April 2003. Weil LACNIC im Gründungsjahr sparte, genehmigte der Vorstand den Wechsel früher. Am 19. Dezember eröffnete die Organisation rund 140 Quadratmeter angemietete Räume mit vier Arbeitsbereichen und einem Besprechungszimmer. Die Fläche verzehnfachte sich binnen sieben Monaten. Der Platz folgte dem tatsächlichen Geschäft: Anträge, Mitgliederverwaltung, Buchhaltung und politische Sitzungen hatten bereits begonnen.

Drei Geldbeträge, drei verschiedene Dinge

Am 7. April bewilligte der Vorstand einen Ausgabenplan von 150.411,75 US-Dollar. Im Laufe des Jahres überwies ARIN 146.985,31 US-Dollar nach einer Vereinbarung zur Aufteilung von Einnahmen aus der Region. Die gesamten Jahreseinnahmen erreichten 225.201,31 US-Dollar. Das sind Haushalt, Geldtransfer und Ertrag, jeweils mit eigenem Platz im Jahresbericht. Die Genauigkeit hinter dem Komma macht geradezu Spaß, wenn man sie neben die 13 Quadratmeter Büro legt.

NIC Brasil und NIC México erscheinen in einer anderen Kategorie. Der Bericht schätzt den Wert ihrer Beiträge auf rund 175.000 und 70.000 US-Dollar. Darin stecken Arbeitszeit, Geräte, Hosting, Reisen, Schulungen und politische Arbeit. NIC México übernahm fast die gesamten Kosten der Tagung LACNIC III im November. Wer diese Schätzungen als zusätzliche Bareinnahmen verbucht, verliert den interessantesten Teil der Geschichte: Die Organisation hatte ein eigenes Budget, aber ein viel größeres Netz von Leistungen, die andere für sie erbrachten.

Echeberría beschrieb später eine weniger geordnete Rechnung. Nach der Anerkennung durch ICANN in Shanghai luden die Gründer dreißig Menschen in eine Hotelbar ein. Mehr als hundert erschienen. Die Gastgeber legten Bargeld und Kreditkarten zusammen, um den Abend zu bezahlen. In seiner Rede zum zehnten Jahrestag erzählt er das mit Vergnügen. Die Anekdote passt neben den Jahresabschluss: Öffentliches Vertrauen in eine neue Einrichtung ließ sich schneller gewinnen als ein komfortabler Finanzpuffer.

Der Jahresbericht verzeichnet für 2002 Ausgaben von 100,07 Prozent des bewilligten Budgets. Ein professioneller Prüfer untersuchte den Abschluss ohne Beanstandung; das eigene Kontrollorgan gab eine positive Bewertung. Die Kosten der Feier trugen nach Echeberrías Erinnerung die Feiernden selbst. Für das Register wurden Geld, Sachleistungen und Betriebsausgaben sauber benannt. Die überfüllte Bar lieferte die Pointe. Der Abschluss trug den Betrieb ins nächste Jahr.

Die technische Frage wurde zur Mitgliederfrage

ARIN hatte bereits vor LACNICs Betriebsbeginn Ressourcen an Organisationen in der Region vergeben. Wenn die entsprechenden Akten übersiedelten, erkannte LACNIC auch die Mitgliedschaftsrechte dieser Organisationen an. Der Jahresbericht verbindet Datensatz und institutionelle Beziehung. Für einen Netzbetreiber war die Frage einfach: Wer führt morgen meine Adresse, an wen schicke ich eine Anfrage, und kann ich an den Verfahren des neuen Registers teilnehmen?

Unterschiede zwischen den Datenbankschemata von ARIN und LACNIC machten die Arbeit komplizierter. Bei Entscheidungen über Format und Qualität waren neben Ingenieuren auch Buchhaltung, Mitgliederbetreuung und Registrierung beteiligt. Ein Datenfeld kann zugleich einen öffentlichen Eintrag, eine Rechnung und eine Berechtigung beeinflussen. Die Datenmigration verlangte deshalb fachliche Übersetzung zwischen Abteilungen. Das ist die Art von Arbeit, die nach der Feier keinen Applaus bekommt und später jeden Tag gebraucht wird.

Die Personalgeschichte folgt denselben Funktionen. Irene Suffia begann im April in der Buchhaltung. Adriana Rivero kam im Juli für Mitgliederbetreuung, Vertretungsinformationen und Sekretariatsaufgaben. Pablo Allietti ergänzte im November den technischen Support. Ende des Jahres listete LACNIC sechs Beschäftigte, zwei davon in den von NIC Brasil bereitgestellten Räumen in São Paulo. Echeberría leitete eine wachsende Einrichtung und ließ eine Aufgabe nach der anderen mit Namen und Zuständigkeit besetzen.

Der Registrierungsdienst selbst lag über weite Teile von 2002 hauptsächlich bei Ricardo Patara, dem einzigen dauerhaft dafür zuständigen Mitarbeiter. Der Bericht zählt 79 genehmigte IPv4-Anträge im Umfang von umgerechnet 2.581 /24-Blöcken, zwei IPv6-/32-Blöcke und 86 ASN. Diese Ergebnisse gehören zu einem Jahr, in dem Akten, Software und Entscheidungsrechte noch auf Wanderschaft waren. Eine kleine Mannschaft kann erstaunlich viel erledigen; ihre Entscheidungen brauchen umso bessere Aufzeichnungen.

Rivero betreute auch Informationen über Mitglieder und half bei der ersten öffentlichen Wahl regionaler Vertreter in den ASO Address Council. Neue Webinhalte erschienen fast gleichzeitig auf Spanisch, Englisch und Portugiesisch. Formulare und Hinweise mussten für Menschen in vielen Ländern erreichbar und aktuell sein. Die Datenbank bewahrte Ressourcen. Mitgliederarbeit gab den Menschen, deren Ressourcen darin standen, einen Weg zu der neuen Institution.

Ein Treffen für Regeln statt für Gläser

Im November finanzierte NIC México einen großen Teil von LACNIC III in Mexiko-Stadt. Dort wurden nach der Arbeit von vier Gruppen die ersten eigenen Richtlinien des Registers beschlossen; etwa hundert Menschen nahmen teil. Die Zahl erinnert an die unerwarteten Gäste von Shanghai. In Mexiko-Stadt stand auf den Tischen jedoch vor allem Papier: Texte, Verfahren und Beschlüsse für künftige Anträge.

Echeberrías Rolle in diesem Jahr bestand aus Übergängen. Er unterschrieb den Plan als Vorsitzender, führte die Organisation zunächst kommissarisch und wurde CEO, als die letzten Übergabeunterlagen bereits unterschrieben waren. Neves, Patara, Suffia, Rivero, ARIN und die beiden NICs hatten jeweils eigene Arbeit. Der Leiter musste daraus einen Dienst machen, der gegenüber Mitgliedern als LACNIC auftreten und seine Entscheidungen erklären konnte. Im Dezember war das Büro größer. Entscheidender war, dass zu einem Datensatz nun eine Zuständigkeit, ein Ansprechpartner und eine nachvollziehbare Geschichte gehörten.