Zusammenfassung
- Opera Mini verteilte 2005 die Arbeit des Browsers: Ein kleines Java-Programm lief auf einem einfachen Mobiltelefon, ein entfernter Opera-Server bereitete die Webseiten auf. Als ersten benannten Testpartner führte Opera den norwegischen Fernsehsender TV2 an, der eine gebrandete Fassung verteilte.
- Im Januar 2006 folgte der weltweite Download. Opera bewarb eine Kompression von bis zu 80 Prozent und verkaufte Mobilfunkunternehmen im April die Aussicht auf mehr Datennutzung. Das Telefon wurde zum Webfenster, weil der Server die Werkbank übernahm.
Die schwere Hälfte des Browsers stand woanders
Ein preiswertes Handy konnte 2005 eine Datenverbindung haben und dennoch an einer gewöhnlichen Desktop-Webseite scheitern. Der Bildschirm war klein, die Rechenleistung begrenzt und jedes übertragene Kilobyte konnte Geld kosten. In der Mitteilung vom August 2005 beschrieb Opera eine Arbeitsteilung: Auf dem Telefon lief ein schlanker J2ME-Client. Ein entfernter Opera-Mini-Server verarbeitete die angeforderte Seite vor und schickte eine handhabbare Fassung zurück. Gedacht war das für Java-fähige Geräte der unteren und mittleren Preisklassen, darunter viele bislang auf WAP angewiesene Telefone.
Die Zahl von mehr als 700 Millionen geeigneten Handys war Operas Schätzung des möglichen Marktes, keine Zahl installierter Browser. Wichtiger war die unsichtbare zweite Maschine. Die Webseite kam vom ursprünglichen Anbieter, wurde bei Opera vorbereitet, durch das Mobilfunknetz geschickt und auf dem Telefon angezeigt. Der Client blieb klein, weil er die ganze Verarbeitung gerade nicht selbst tragen musste. Damit bekam der Server einen festen Platz in jeder Sitzung.
Der erste Verteiler war ein Fernsehsender
Operas erster namentlich genannter Mini-Pilot lief über TV2, einen privaten Fernsehsender in Norwegen. TV2 nahm eine eigene Markenfassung in sein Mobilangebot auf. Opera bot auch Netzbetreibern, Sendern und Inhalteanbietern angepasste Fassungen an. Ein Partner mit vorhandenen Zuschauern oder Kunden konnte den Client ausliefern und sein Portal mit dem offenen Web verbinden. Opera musste nicht warten, bis jeder Telefonhersteller seine Gerätesoftware austauschte.
Vor dem ersten Seitenaufruf lagen mehrere Aufgaben: Client beschaffen, installieren, eine Datenverbindung bezahlen oder bereitstellen und Operas Server erreichen. TV2 übernahm im Pilotversuch die Verteilung; Opera übernahm die Verarbeitung. Die kleine Java-Datei allein war noch kein funktionierender Webzugang.
Die weltweite Freigabe im Januar 2006 eröffnete zwei Wege: kostenloser Download über WAP oder Bezug per SMS gegen eine kleine Gebühr. Java blieb Voraussetzung. Opera versprach eine Kompression von bis zu 80 Prozent und eine Aufbereitung für kleine Bildschirme. „Bis zu“ bezeichnet eine beworbene Obergrenze, keinen gemessenen Durchschnitt jeder Seite. Für Kunden mit Abrechnung nach Datenvolumen konnte die Reduktion der übertragenen Bytes trotzdem den Unterschied machen, ob sie weiterklickten.
Der direkte Download verdrängte die Partner nicht. Opera bot weiterhin eigene Fassungen für Betreiber, Hersteller und andere Unternehmen an. Einzelne Nutzer konnten den Client selbst holen; andere bekamen ihn über eine Marke. Beide Wege führten zum selben entfernten Verarbeitungsdienst.
Ein sparsamer Browser als Datenverkäufer
In der Mitteilung vom April 2006 sprach Opera die Netzbetreiber auf ihren Ertrag an. Wenn auch günstige Massenhandys Webseiten bequem öffneten, könnten Datenpakete stärker nachgefragt und durchschnittliche Erlöse pro Kunde erhöht werden. T-Mobile sollte Mini auf weit verbreiteten Feature-Phones anbieten. Opera warb weiter um Vertriebspartner für Standard- und Markenfassungen.
Das Geschäftsargument hatte zwei Seiten. Eine komprimierte Seite benötigt weniger Übertragungsvolumen; ein brauchbarer Browser kann dafür sorgen, dass ein Kunde mehr Seiten besucht. Eine günstigere einzelne Sitzung und ein größeres Datengeschäft des Betreibers können nebeneinander entstehen. Es sind unterschiedliche Rechnungen. Operas Mitteilung formulierte ein Verkaufsversprechen an Betreiber und zeigte keine konkrete Rechnung eines Kunden.
Hinter dem einen Produktnamen standen drei Entscheidungen. Das Telefon bestimmte, ob es den Java-Client ausführen konnte. Operas Server bestimmte die Aufbereitung der Seite. Der Betreiber oder Markenpartner bestimmte den Vertriebsweg und den Preis der Verbindung. Die ursprüngliche Website lieferte den Inhalt, aber nicht allein die Form, in der er auf dem kleinen Bildschirm erschien.
Das Web schrumpfte nicht von selbst
Opera Mini eröffnete Java-Handys einen Weg zu Seiten, die sie allein nur schwer verarbeiten konnten. Dafür brauchte es einen erreichbaren Server und jemanden, der den Client unter die Leute brachte. Wer nur das Symbol auf dem Handy sah, übersah die arbeitende Hälfte des Browsers.
Opera verlagerte die Verarbeitung, kürzte die Übertragung und gab Betreibern einen kommerziellen Grund zur Verteilung. Das Fenster passte in die Tasche. Die Werkstatt blieb im Netz.
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