Zusammenfassung

  • RFC 1192 bezeichnete die Nutzung des NSFNET-Backbones durch berechtigte Netze als kostenlos und bezifferte zugleich die Beiträge, die dieses Angebot 1990 trugen.
  • Ein Zuschuss an Forschende, Hochschulen oder Regionalnetze hätte die Kaufentscheidung verlagert. Lange Mietleitungen zu Einrichtungen außerhalb der Ballungsräume brauchten weiterhin einen Zahler.

Die Null stand nur auf einer Rechnung

Eine Null in der Spalte „Backbonegebühr“ war für das Regionalnetz eine erfreuliche Zahl. Für die weit entfernte Hochschule in seinem Gebiet endete die Rechnung dort nicht: Sie brauchte eine gemietete Leitung zum nächsten Netzknoten. Brian Kahins RFC 1192, veröffentlicht im November 1990 nach einer Harvard-Tagung im März, stellt beide Buchungen nebeneinander. Wer von einem kostenlosen nationalen Netz sprach, musste erklären, an welcher Stelle die Kosten verschwanden und an welcher sie wieder auftauchten.

Stephen Wolff, damals für Netzwerkthemen bei der National Science Foundation zuständig, trennte Kommerzialisierung und Privatisierung. Kommerzialisierung ließ kommerzielle Nutzer und Anbieter die Einrichtungen und Dienste des Internet verwenden. Privatisierung beendete die Bereitstellung oder Bezuschussung von Netzdiensten durch den Bund. Ein privat betriebener Anschluss, ein zahlender Kunde und staatliche Unterstützung konnten gleichzeitig vorkommen. Die einfache Erzählung vom Übergang zum Markt übersprang genau diese Gleichzeitigkeit.

Der Bericht gab dem Backbone einen Preis. Von ungefähr zehn Millionen Dollar jährlichen Kosten trug die NSF weniger als drei Millionen bei. Der Michigan Strategic Fund steuerte eine Million bei; IBM und MCI erbrachten den verbleibenden Anteil als Leistungen im von Merit betriebenen Kooperationsmodell. Das sind die Kostenkategorien des damaligen Berichts, keine Gesamtrechnung aller Campusnetze. Bei den von ihr unterstützten mittleren Netzen deckte die NSF ungefähr 40 Prozent der Betriebskosten. Gebühren der Mitglieder, Bundesstaaten und Sachleistungen ergänzten die Finanzierung. Kostenlos war der Zugang für Berechtigte, nicht der Betrieb.

Drei mögliche Empfänger, drei neue Probleme

Kahin beschrieb eine Alternative: Regionalnetze zahlen für das Backbone, die bisherige Bundesförderung wandert zu den Käufern von Konnektivität. Ein Zuschuss an Forschende über Projektmittel könnte Anbietern einen Anreiz geben, um deren Bedarf zu werben. Nur verteilten Hochschulen die gewöhnlichen Internetkosten selten auf einzelne Forschende. Das Geld könnte in allgemeinen Verwaltungskosten aufgehen; zweckgebundene Gutscheine hätten eigene Abrechnungsprobleme geschaffen. Wer keine Bundesförderung erhielt, etwa Lehrende und Forschende anderer Fächer, nutzte trotzdem dieselbe Campusleitung.

Erhielten Hochschulen das Geld, konnten sie Angebote vergleichen und einen Dienst wählen. Dann musste die NSF festlegen, welche Ausgaben gefördert werden: Beiträge zum Regionalnetz, andere Netzdienste, Modems oder Informationsangebote? Sie würde nicht mehr selbst einen Backbone auswählen, aber über viele einzelne Hochschulkäufe urteilen. Auch die Verteilung zwischen großen und kleinen, reichen und armen, zentralen und abgelegenen Einrichtungen wäre eine politische Entscheidung.

Ging das Geld an die Regionalnetze, bliebe die Zahl der Empfänger überschaubar. Einige dieser Netze konkurrierten jedoch bereits um Mitglieder. Ein hoher Zuschuss an eines von ihnen würde dessen Preis gegenüber einem Rivalen senken, ohne bessere Betriebsführung zu beweisen. Kein Übergabepunkt machte öffentliche Förderung wettbewerblich unsichtbar. Sie änderte nur die Stelle, an der der Vorteil sichtbar wurde.

Der günstige Kunde wohnt in der Stadt

Die schärfste Stelle des RFC ist seine geografische Rechnung. Kommerzielle Anbieter suchten dichte Märkte mit vielen Forschungs- und Entwicklungsstandorten. Boston, die Gegend um San Francisco und Washington nennt der Bericht als Beispiele. Ein Regionalnetz mit großem Versorgungsgebiet konnte sich nicht auf solche Adressen beschränken. Für eine abgelegene Einrichtung musste eine Mietleitung bis zum nächsten Übergabepunkt gebaut oder angemietet werden. Entweder zahlte die Einrichtung selbst, oder das Regionalnetz legte die Kosten auf seine Mitglieder um.

Im zweiten Fall sah es teurer aus als ein kompakter Konkurrent, der nur leicht erreichbare Kunden annahm.

Der Bericht erwog daher einen an der Netzdichte orientierten Zuschuss, etwa nach Leitungskilometern pro Mitgliedseinrichtung. Auch gewinnorientierte Anbieter könnten unter entsprechenden Bedingungen berücksichtigt werden. Das war ein Vorschlag des Jahres 1990; RFC 1192 belegt keine spätere Umsetzung. Der Zusammenhang im Vorschlag ist klar: Ein kostenloser Anschluss an ein nationales Backbone verkürzt keine einzige Leitung, die eine Hochschule bis zu diesem Anschluss benötigt.

Eine neue Backbonegebühr wäre über Beiträge und Anschlussentgelte weitergereicht worden. Nach Angaben des Berichts war bis dahin kein Regionalnetz geschlossen und keine Einrichtung wegen höherer Preise dauerhaft ausgestiegen. Dennoch sah er schwache Regionalnetze bei einer raschen Kürzung der Unterstützung in Gefahr. Wo die Leitung besonders lang war, stand häufig auch keine rasch verfügbare Ersatzverbindung bereit.

Die nationale Karte und ihre örtlichen Zahler

RFC 1192 wählte keinen Sieger unter den Fördermodellen. Es zeigte die Folgen jeder Wahl. Ein finanziertes gemeinsames Backbone machte die Verbindung für berechtigte Netze wertvoll und die Bundesverwaltung vergleichsweise einfach. Geld bei den Käufern konnte Alternativen fördern. Ohne Rücksicht auf die Entfernung würde der Wechsel die teuren Anschlüsse an den Rand der Karte schieben. Frühe Internet-Kommerzialisierung war auch ein Streit um die Gestaltung einer Rechnung: Welcher Abschnitt des Weges durfte kostenlos aussehen, und wer bezahlte den Rest?

Quelle